Eine Seefahrt, die ist (nicht immer) lustig

90 Jahre Kober: Hannelore Dalek ist seit 2011 die gute Seele am Bootsverleih an der Talsperre und hat während der Zeit schon so einiges erlebt.

Langenhessen.

Hannelore Dalek hat, wie sie selber sagt, den schönsten Job an der Talsperre: Immer an der frischen Luft mit Blick aufs Wasser und ins Grüne. Die 64-Jährige ist für den Bootsverleih, der sich direkt an das Strandbad anschließt, zuständig. Doch wer glaubt, dass die Werdauerin den ganzen Tag in der Sonne genießen kann, der irrt. "Es gibt Tage, da stehen die Leute Schlange. Das ist oftmals an den Wochenenden oder in den Ferien der Fall. Bis zu 400 Gäste am Tage sind keine Seltenheit", sagt Hannelore Dalek. Ihr oberstes Gebot: Immer freundlich sein, selbst wenn manche Besucher ihr auch mal pampig kommen. "Wenn jemand angetrunken ist, dann weise ich den schon in die Schranken. Ich kann auch resolut sein und lasse mir nichts gefallen", sagt die 64-Jährige. Aber derartige Fälle sind die Seltenheit. "99 Prozent sind sehr nette Gäste."

Das Prozedere ist immer das Gleiche: Haben sich die Besucher für ein Ruderboot oder einen Wassertreter entschieden, gibt es nach dem Bezahlen eine kurze Einweisung und schon können die Erholungssuchenden in See stechen. Die Startzeit erfasst Hannelore Dalek mit Kreide auf einer Tafel. Auf der stehen die jeweiligen Zahlen der Boote. "Dann weiß ich immer, wann die Zeit, für die das Boot gemietet wurde, abgelaufen ist." Die meisten Gäste entscheiden sich für eine Mietdauer von einer Stunde und halten die Zeit auch ein. "Es passiert selten, dass jemand erst später zurückkehrt. Der muss dann nachzahlen."


Doch nicht immer endet eine Bootsfahrt für die Beteiligten lustig. "Es gibt Regeln, an die müssen sich die Gäste halten. Eine davon besagt, dass sie mit ihrem Boot mindestens zwei Meter Abstand vom Ufer halten müssen, damit es nicht beschädigt wird", erklärt Hannelore Dalek. Doch genau an die Regel halten sich nicht alle.

Das weiß auch der Chef der Verleihstation, Andreas Osse. Er hat den Steg seit 2011 von der Gebäude- und Grundstücksverwaltung Werdau, die das Areal im Auftrag der Stadt Kommune betreibt, gemietet. "Die Boote sind mein Eigentum. Deshalb muss ich bei Schäden auch für die Reparaturen aufkommen", erklärt Osse. Er ärgert sich über jeden Schaden, den die Gäste am Boot verursacht haben. "Dadurch fallen uns immer wieder Boote aus", so Osse.

Der Crimmitschauer, der auch das Autokino an der Talsperre betreibt, ist Herr über 20 Ruderboote, neun Wassertreter und ein Elektroboot. "Besonders die Wassertreter sind gefragt." Seit drei Jahren gehört auch eine schwimmende Grillinsel zum Angebot. Die ist oftmals über Wochen im voraus ausgebucht und besonders bei Jugendlichen beliebt. "Auf der Grillinsel finden bis zu zehn Personen Platz. Besonders gern wird die Grillinsel für Junggesellenabschiede gemietet. Da müssen wir schon aufpassen, dass es dabei nicht zu feucht-fröhlich zugeht", sagt Osse aus Erfahrung. Doch auch diesbezüglich weiß er, dass er sich auf seine Hannelore verlassen kann. "Die hat über alles ein wachsames Auge."

Andreas Osse ist stolz auf die 64-Jährige und seinen zweiten Mitarbeiter, Ronald Bock (62). Die beiden teilen sich die Dienste und sind an Tagen, an denen Vorabanmeldungen vorliegen, im Einsatz. "Normalerweise öffnen wir ab 14 Uhr, in den Ferien eher. Wenn sich aber eine Firma, Verein oder Gesellschaft im Vorfeld anmeldet und außerhalb der Öffnungszeiten mehrere Boote mieten möchte, sind wir auch eher da", sagt Hannelore Dalek.

Am liebsten sind der gelernten Industriekauffrau, die seit 2011 an der Talsperre arbeitet, Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius. "Da kommen auch die meisten Leute." Steigt die Quecksilbersäule über die 30-Grad-Marke, so wie es in den zurückliegenden Tagen gleich mehrmals der Fall war, dann kommt auch die 64-Jährige in ihrem kleinen Holzhäuschen am Bootssteg mächtig ins Schwitzen. "Da hilft nur viel trinken", sagt Hannelore Dalek. Damit seine Mitarbeiter bei hochsommerlichen Temperaturen durchhalten, hat Andreas Osse extra zwei Bänke gekauft und diese am Zugang zum Bootssteg unter einem großen Baum im Schatten platziert. Dort dürfen dann Hannelore Dalek und Ronald Bock Platz nehmen und sich etwas abkühlen. Ein Sprung ins kühle Nass ist dagegen tabu. "Höchstens nach Feierabend. Aber ich war schon als Kind immer an der Talsperre baden und war hier schon so oft im Wasser, da kann ich auch mal darauf verzichten", sagt die Werdauerin und lacht dabei.

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