Gedenkbäume für Ayla und Mehmet möglich

Aus den eingegangenen Spenden für die NSU-Opfer könnte Zwickau wohl noch weiteres Gedenken finanzieren.

Zwickau.

Mehr als ein Jahrzehnt, nachdem die grausamen Todesumstände der beiden Kinder Ayla (6) und Mehmet (4) bundesweit tiefe Betroffenheit ausgelöst haben, könnten sie nun in Zwickau ein würdiges Andenken erhalten. Das sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) in der Stadtratssitzung am Donnerstag. Demnach soll in Abstimmung mit den Spendern geprüft werden, ob aus den Spenden für die Opfer des NSU ein weiteres Gedenken für die Opfer häuslicher Gewalt oder Kindesmisshandlungen finanziert werden könne. Als Beispiele für Gewalt an Kindern in Zwickau nannte sie besonders die Fälle von Ayla und Mehmet.

Für ihre Aussage erhielt Findeiß Applaus aus Reihen des Stadtrats. Dem vorausgegangen war eine Anfrage von Stadtrat Sven Georgi, der für die Rechtsaußen-Gruppierung Zukunft Zwickau im Gremium sitzt und der sich über die Kosten für den "offensichtlich imageschädigend" wirkenden Gedenkort "für die mutmaßlichen NSU-Opfer" erkundigt hatte. Findeiß entgegnete, der Gedenkort auf der Ziegelwiese sei auf Anregung aus der Zwickauer Zivilgesellschaft von der Stadtverwaltung errichtet worden. Die Kosten für Einrichtung, Einweihung und Unterhaltung des Gedenkorts würden komplett aus Spenden finanziert. Die Spender würden aus Zwickau sowie aus dem gesamten Bundesgebiet stammen. Eine Summe nannte sie nicht. Sollten die Spenden nun auch für das Andenken an andere Gewaltopfer verwendet werden, müsse das mit den Geldgebern abgestimmt werden.

Die beiden von Findeiß angesprochenen Fälle der getöteten Kinder hatten 2005 und 2006 für Bestürzung gesorgt. Am 17. Mai 2005 war die damals sechsjährige Ayla aus Pölbitz auf dem Schulweg von einem Bekannten der Familie entführt, vergewaltigt und mit einem Messer getötet worden. Durch Zeugenhinweise konnte damals der Täter schnell festgenommen werden. Er wurde zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Anteilnahme war in Zwickau groß. Unter anderem fand ein Trauermarsch auf der Leipziger Straße statt.

Der damals vierjährige Mehmet war am 13. Oktober 2006 nach monatelangen Misshandlungen an den Folgen einer Gehirnblutung gestorben. Sein Stiefvater hatte im Schedewitzer Wohnhaus der Familie den Jungen am Tag seines Todes stundenlang massiv geschlagen, weil sich der Vierjährige nicht an-ziehen wollte. Die leibliche Mutter des Kindes hatte nicht eingegriffen.Die Schläge seien eine erzieherische Maßnahme gewesen, sagte derStiefvater später vor Gericht. DieMutter wurde zu acht, der Stiefvater zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Seit 2016 ist er wieder auf freiem Fuß.

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