Impfzentrum: Kleiner Ort wirbt für seine Idee

Ein mobiles Team soll nach Oberwiera kommen, schlägt der Bürgermeister vor. Er hat Räume und Partner. Was sagen die DRK-Verantwortlichen zu diesem Vorstoß?

Oberwiera.

Für Senioren aus Oberwiera könnte sich die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Impfzentrum, welches sich in der Stadthalle in Zwickau befindet, zu einem Tagesausflug entwickeln. Die älteren Leute sitzen für Hin- und Rückfahrt knapp vier Stunden in Bus und Bahn. Unterwegs müssen sie - pro Strecke - dreimal umsteigen. "Für viele Senioren, die kein Auto mehr fahren und keine Verwandten in der Nähe haben, wird die Fahrt ins Impfzentrum zum Problem", sagt Karin Blei. Die Frau, die lange Zeit Vorsitzende des mittlerweile aufgelösten Seniorenvereins war, ist immer noch Bindeglied zwischen älteren Einwohnern und Gemeindeverwaltung. Sie hat das Thema vor wenigen Tagen auch bei Bürgermeister Holger Quellmalz (parteilos) angesprochen, dem die Tragweite des Problems bekannt ist: "In Oberwiera gibt es 138 Einwohner, die älter als 75 Jahre sind."

Die Idee des Gemeindeoberhauptes: Anstatt den Transport der Senioren mit Kleinbussen in die Stadthalle nach Zwickau zu organisieren, favorisiert er eine lokale Lösung. "Aus meiner Sicht wäre es effektiver, wenn ein mobiles Impfteam nach Oberwiera kommt", sagt Quellmalz, der sich diesbezüglich schon auf die Suche nach Räumlichkeiten und Partnern begeben hat. Er berichtet, dass die Impfungen in der Turnhalle stattfinden und von Helfern aus dem Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterstützt werden könnten. Auch die Mitarbeiter aus der Gemeindeverwaltung würden einen Beitrag leisten. "Beispielsweise bei der Vereinbarung der Termine für die Senioren", sagt der Bürgermeister, der im Dezember selbst an Covid-19 erkrankt war.

Seine Vorschläge zur Impfstrategie für den 1020-Einwohner-Ort hat der Bürgermeister bereits dem DRK mitgeteilt. Dort zeigen sich die Verantwortlichen bei Medienanfragen zum Thema zurückhaltend. Die Ortsgruppe verweist an die Geschäftsstelle des Kreisverbandes, die als Ansprechpartner den Pressesprecher des Landesverbandes Kai Kranich angibt. Er berichtet, dass die Priorität der mobilen Impfteams vorerst auf den Seniorenheimen liege. "Erst, wenn wir dort durch sind, können wir bei den mobilen Impfteams andere Schwerpunkte setzen", so der DRK-Sprecher. In jedem Kreis gebe es ein mobiles Impfteam. Ein weiterer Punkt sei, welche Kühlung bei Transport und Lagerung des Impfstoffs nötig ist. "Die Idee aus Oberwiera klingt aber nicht schlecht", sagt Kai Krainich.

Karin Blei ist froh, dass die Verantwortlichen nach einer Lösung für die Senioren in den Dörfern suchen. "Es wäre auf jeden Fall günstig, wenn zeitnah ein Impfteam nach Oberwiera kommt", sagt die Rentnerin und regt an, auch für Senioren aus umliegenden Gemeinden über Varianten nachzudenken. Denn von Remse und Schönberg gleicht die Fahrt mit dem Nahverkehr ins Impfzentrum (fast) einem Tagesausflug.

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