OB fragt Stadtrat: "Haben Sie jetzt keine anderen Sorgen?"

Die Ausbreitung des Coronavirus legt einen Teil des öffentlichen Lebens lahm. Auch in Crimmitschau. Daher sorgt der Zeitpunkt einer Anfrage zur Eisarena für Kopfschütteln.

Crimmitschau.

Stadtrat Andreas Osse (Für Crimmitschau) hat sich den Unmut von Oberbürgermeister André Raphael (CDU) und Vertretern der Fraktion CDU/FDP/SPD zugezogen. Zur Sitzung am Donnerstagabend stellte Andreas Osse die Anfrage, welche Schritte und Vorbereitungen die Stadtverwaltung für den geplanten Bau einer neuen Eisarena in den vergangenen Wochen unternommen habe. Ansonsten waren Wortmeldungen zur Ausbreitung des Coronavirus das bestimmende Thema in der Fragestunde.

André Raphael entschied sich für zwei Antworten - eine sachliche und eine persönliche. Er teilte mit, dass die Anfrage zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden soll. Anschließend sagte er an die Adresse von Andreas Osse gerichtet: "Haben Sie zum jetzigen Zeitpunkt keine anderen Sorgen? Ich bin konsterniert. Mit so einer Anfrage hätte ich nicht gerechnet. Das muss ich erst einmal sacken lassen." Unterstützung erhielt der Rathauschef von einigen Stadträten. Stephan Theuring (CDU) versuchte die Osse-Anfrage mit Verweis auf den nicht-öffentlichen Charakter der Beratung mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu stoppen. Hans-Jörg Laube (SPD) verwies auf die Geschäftsordnung des Gremiums. "Ich bitte darum, dass der Oberbürgermeister solche Anfragen in der aktuellen Situation nicht beantwortet", sagte Laube.

Ein Blick zurück: Am 14. Februar war Michael Kretschmer zu Besuch in Crimmitschau. Er traf sich mit Stadträten im Ratssaal und verfolgte die Eishockey-Zweitligapartie zwischen Crimmitschau und Bietigheim-Bissingen im Kunsteisstadion im Sahnpark. Ein wichtiges Gesprächsthema war der geplante Bau einer neuen Eisarena mit einem bisher grob geschätzten Investitionsbedarf von rund 30 Millionen Euro. Kretschmer unterbreitete das Angebot, dass bei der Suche nach den passenden Fördertöpfen für den Bau einer neuen Eisarena auch Fachleute aus den zuständigen Ministerien in Dresden helfen. "Wir müssen alle gemeinsam eine Lösung finden, um so ein Projekt stemmen zu können", sagte Kretschmer nach der Beratung mit Stadträten und Sportfunktionären gegenüber der "Freien Presse". Die Aussage nahm Andreas Osse nun zum Anlass, um sich über die Entwicklung informieren zu lassen. "Wie geht die Stadt mit dem Thema und dem Hilfsangebot des Ministerpräsidenten um? Was sind die nächsten Schritte?", fragte der Kommunalpolitiker, der früher selbst beim ETC Crimmitschau gespielt hat. Antworten soll es wie erwähnt zu einem späteren Zeitpunkt geben.

Zur Sitzung des Stadtrates schnürte Oberbürgermeister Raphael ein Informationspaket zu den Auswirkungen des Coronavirus. Er kündigte für die nächste Woche eine Entscheidung zu den städtischen Großveranstaltungen an. Dazu gehört unter anderem der Töpfermarkt, der Anfang Mai stattfindet. Im vorigen Jahr strömten mehr als 8000 Besucher zum Töpfermarkt. "Weitere Infos wird es in einer Sitzung des Ältestenrates oder - wenn erforderlich - in einem Sonder-stadtrat geben", sagte Raphael. Er warnte auch vor den finanziellen Auswirkungen durch den Einbruch bei der Gewerbesteuer für den städtischen Haushalt. Der Stadtchef: "Das ist nicht nur eine Konjunkturdelle."

Stadtrat Heiko Schütze (AfD) erkundigte sich nach den Vorkehrungen, die die Stadtverwaltung bisher getroffen hat und ob städtische Mitarbeiter die Arztpraxen bei Corona-Tests unterstützen können. Raphael verwies auf das Gesundheitsamt desLandkreises: "Da müssen Profis ran." Stadtrat Jörg Erler (Für Crimmitschau), der Leiter der Sahnschule ist, ging auf die Situation in den Bildungseinrichtungen ein. Erler machte deutlich, dass Schulschließungen aus seiner Sicht so lange wiemöglich verhindert werden sollen. "Weil dann die Gefahr bestehen würde, dass Personal, welches in Kliniken und Pflegediensten benötigt wird, ausfällt", sagte Erler.


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