Scharfes Messer und rote Karte

Original Westsachse(n): "Freie Presse" stellt vor, was typisch ist für den Landkreis Zwickau - und über seine Grenzen hinaus bekannt. Heute: Eismeister Stefan Wolf auf der Zamboni im Sahnpark.

Crimmitschau.

Warum die Eisbearbeitungsmaschine im Kunsteisstadion Crimmitschau von allen nur Zamboni genannt wird, ist kein großes Geheimnis. "So hieß der Erfinder", sagt Stefan Wolf, einer von vier Zamboni-Fahrern im Sahnpark. Er ist gelernter Elektroinstallateur und geprüfte Fachkraft für Eissportanlagen und arbeitet mit seinen Kollegen im Winterhalbjahr gleich im doppelten Sinne in "rollender Woche". Denn sie rollen nicht nur über das Eis, sondern arbeiten auch im wechselnden Zwei-Schicht-System: von 6.30 bis 15 Uhr in der Früh- und von 15.15 bis 23.45 Uhr in der Spätschicht. Dabei herrscht - bis auf ganz wenige Ausnahmen - auch ständig Betrieb auf dem Eis.

Die Tatsache, dass es sich beim Kunsteisstadion im Sahnpark - im Gegensatz zu modernen Arenen - um eine halb offene Sportstätte handelt, bringt einige besondere Herausforderungen mit sich. Schließlich landen auch Laub und die Hinterlassenschaften von Vögeln auf dem Eis. "Das Kunsteisstadion ist manchmal ein Vogelkäfig", sagt Wolf, der seit 2012 zum Team der Eismeister gehört und sich noch mit weiteren "Kontrahenten" herumschlagen muss: Sonneneinstrahlung und hohe Luftfeuchtigkeit.

Dazu kommt, und das kennen alle Eismeister: Der Zamboni-Fahrer hat einen riesigen toten Winkel vor seiner Eisbearbeitungsmaschine. Dadurch sind eine gewisse Routine und konkrete Fixpunkte an der Bande erforderlich, um die Kurven stets im optimalen Radius ansteuern zu können. Da die Zamboni dann langsamer wird, läuft in diesen Momenten auch weniger Wasser auf das Eis. "Ansonsten wäre das Eis in den Kurven viel höher", erklärt Wolf, der wegen der ungünstigen Sichtverhältnisse auch (zusätzliche) Hilfsmittel auf der Eismaschine hat. Dabei handelt es sich neben einer Hupe um eine gelbe und eine rote Karte. Sie werden herausgeholt, wenn sich Personen während der Eisbereitung auf die Eisfläche begeben. Wolf kennt seine Pappenheimer. "Ich habe auch eine grüne Karte auf der Eismaschine. Sie wird herausgeholt, wenn es besonders gut geklappt hat", sagt der Eismeister, der eine enorme Verantwortung trägt. Denn die Zamboni vom Typ Züko wiegt schlappe fünf Tonnen. Im Januar 2018 gab es in Köln einen Unfall, als zwei Mitglieder eines TV-Teams von einer Eismaschine umgefahren wurden - glücklicherweise ohne schlimmere Folgen.

Die wenigen Zeiten, in denen die Eisfläche frei bleibt, nutzen die Eismeister für die Eispflege. Sie ist vor allem in den Kurven und in der Nähe der Banden erforderlich. Die Eisbereitung - mit dem Abhobeln der alten und dem Aufbringen der neuen Eisschicht - steht dagegen vor jeder Übungseinheit und vor jedem Eislaufen an. Sie dauert bis zu 15 Minuten. Zwischendurch schlüpfen die Eismeister in die Hausmeister-Rolle: Sie tauschen mal eine defekte Glühbirne aus, übernehmen kleine Reparaturen an der Eismaschine, leeren Papierkörbe und kontrollieren die Sauberkeit in den Katakomben.

Und wie funktioniert die Zamoboni nun? Zunächst wird mit einem zwei Meter langen scharfen Messer die oberste Schicht des Eises abgehobelt. Die Reste landen über zwei Schneckenwellen im 2000-Liter-Tank der Eisbearbeitungsmaschine. Dann wird auf 60 Grad Celsius erwärmtes Wasser auf die Eisfläche aufgesprüht und mit einem Wischtuch abgezogen. Der Untergrund hat dank der mit Ammoniak gefüllten Kälteanlage des Stadions eine Temperatur von minus sechs bis minus acht Grad Celsius. So gefriert das Wasser innerhalb von Sekunden - Unebenheiten verschwinden, und die Oberfläche bekommt einen neuen Glanz. Darüber freuen sich viele Nutzer - vom Eispiraten-Profi über die Hobby-Kufenflitzer bis zu den Eisschnelllauf-Talenten.


Anfang in Südkalifornien

Ein amerikanischer Unternehmer gilt als Erfinder der ersten Eisbearbeitungsmaschine. Frank Joseph Zamboni, der 1901 geboren wurde und 1988 starb, hat die Technik entwickelt. Deshalb tragen die Maschinen seinen Namen - weltweit und bis heute. Auf einer Eisbahn, die Zamboni mit seinem Bruder und seinem Cousin in Südkalifornien baute, wurde die Eiserneuerung ausprobiert. Ein Traktor zog einen Kratzer über das Eis, drei bis vier Arbeiter wischten die Eis-Reste weg. Von 1947 bis 1952 konstruierte Zamboni in zahlreichen Versuchen einen Wassertank auf einer Jeep-Karosserie und entwickelte daraus eine moderne und von einem Fahrer gesteuerte Eisbearbeitungsmaschine. (hof)

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