Schocken: Kerzen gegen das Vergessen

Die Türen des Einkaufstempels haben sich vor 90 Jahren erstmals für Kunden geöffnet. Das Jubiläum wird in Crimmitschau zur Erinnerung und zur Suche nach Zeitzeugen genutzt.

Crimmitschau.

Oberbürgermeister André Raphael (CDU) verbreitet Hoffnung, dass wieder Leben in das ehemalige Schocken-Kaufhaus in Crimmitschau einziehen wird. Er informierte am Donnerstagabend anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum 90-jährigen Bestehen des Komplexes über Gespräche mit potenziellen Investoren und Vertretern des Freistaates. Raphael erinnerte an den Mut der Familie Schocken. "Nun ist wieder viel Mut erforderlich, damit die Pläne aufgehen sollen. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen", sagte Raphael, der sich mit Details zu dem Vorhaben bisher noch bedeckt hält. Er informierte, dass Wirtschaftsförderin Andrea Beres am Mittwoch bei einem Besuch in Dresden dazu mit dem sächsischen Innenminister Roland Wöller (CDU) gesprochen habe.

Der Verein "Beth Shalom" hat die Gedenkveranstaltung genutzt, um vor den rund 70 Bürgern an die feierliche Einweihung und die spätere Enteignung durch die Nationalsozialisten zu erinnern. Vorstandsmitglied Susanne Adler teilte mit, dass die Eröffnung des Kaufhauses am 15. November 1928 stattfand - um 11 Uhr für geladene Gäste im Erfrischungsraum und ab 15.30 Uhr für die Kunden. Sie berichtete von Zeitungsberichten, wonach der Verkehr an jenem Tag in der Innenstadt zum Erliegen gekommen sei. "Ich bin selbst eine Zugezogene, kenne aber nur positive Meinungen über das Kaufhaus Schocken", sagte Susanne Adler.

Pfarrerin Perdita Suarez bezeichnete das Kaufhaus einst "als Stolz der Crimmitschauer". Sie berichtete von der unternehmerischen Vorbildwirkung sowie von sozialen und gesellschaftspolitischen Aspekten. Für die Mitarbeiter habe es ein firmeneigenes Erholungsheim und eine gute Gesundheitsvorsorge gegeben. Ab März 1933 kam es allerdings zu Boykottaktionen gegen die sächsischen Schocken-Kaufhäuser - auch in Crimmitschau. "Am Postamt lagen Flugblätter aus, auf denen gegen die Juden gehetzt wurde", sagte Perdita Suarez. Die Familie Schocken flüchtete nach Israel. Das Kaufhaus wurde enteignet und an eine Bank verkauft, die es unter dem Namen "Merkur" betrieb.

Susanne Adler und Perdita Suarez befinden sich auf der Suche nach Leuten, deren Eltern oder Familienangehörige bei Schocken gearbeitet haben, oder die darüber berichten können.

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