"Von Haydns Musik wird man nie enttäuscht!"

Henk Galenkamp über seine bevorstehenden Konzerte am Palmsonntag und Karfreitag - Ständig auf der Suche nach neuem Repertoire

Zwickau.

Am Sonntag findet das erste Konzert des Jahres im Dom St. Marien statt. Henk Galenkamp, Domkantor und Kirchenmusikdirektor der St. Marienkirche, sprach mit Ludmila Thiele über die richtigen Temperaturen für Musik im Dom, Oster- und weitere Konzerte des Jahres.

Freie Presse: Warum gab es eine lange Konzertpause nach Weihnachten?

Sascha Aurich

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Henk Galenkamp: Es ist zu kalt im Winter. Unverantwortbar hohe Heizkosten zwingen uns, zu pausieren. Nachdem die schlimmste Kälte aus unseren Kirchen gewichen ist, finden auch wieder öffentliche Kirchenkonzerte statt. Am Sonntag findet um 17 Uhr, in Vorbereitung auf Ostern das erste Konzert des Jahres im Dom St. Marien statt. Ich spiele ein Programm zum Palmsonntag. Es erklingen Kompositionen von Pierre du Mage, Johann Ludwig Krebs, Johann Sebastian Bach, Jean Langlais und Joseph Rheinberger. Die Kirche ist temperiert.

Am Osterwochenende geht es gleich weiter?

Am Karfreitag findet um 17 Uhr ein Chorkonzert im Dom St. Marien statt. Auf dem Programm stehen die Passions-Kantate "O Haupt voll Blut und Wunden" von Felix Mendelssohn-Bartholdy sowie das "Stabat Mater" von Joseph Haydn. Ausführende sind der Domchor St. Marien, Ani Taniguchi (Sopran), Sylvia Irmen (Alt), Marc-Eric Schmidt (Tenor), Thomas Wittig (Bass) und das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau unter meiner Leitung.

Wie sind Sie auf dieses Programm gekommen?

Die Passionen Johann Sebastian Bachs gehören zum Karfreitag und erklangen in der Vergangenheit regelmäßig. Ich bin ständig auf der Suche nach neuem Repertoire vom ähnlich hohen Niveau. Von Joseph Haydn sind vor allem die Oratorien "Die Jahreszeiten" und "Die Schöpfung" berühmt. Dass Haydn auch ein etwa einstündiges "Stabat Mater" komponierte, war auch mir lange unbekannt. Nachdem ich die Noten studiert hatte, war mir klar, warum das Werk in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts so populär war. Schon ein Jahr nach der Entstehung 1766 erklang das Werk am Karfreitag in Wien. Damit begann dessen Siegeszug durch die Kirchen und Konzertsäle und damit auch Haydns Bekanntheit. In kurzer Zeit wurden zahlreiche Abschriften angefertigt. Damit löste das Werk die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts populäre Vertonung Pergolesis ab. Mein Erfahrung ist: von Haydns Musik wird man nie enttäuscht! Wahrscheinlich erklingt Joseph Haydns "Stabat Mater" zum ersten Mal im Dom, frühere Aufführungen wurden nicht nachgewiesen.

Welchen Inhalt hat das Gedicht "Stabat Mater"?

Zwei Texte aus dem neuen Testament gaben den Impuls zu dem Gedicht. Im Lukas-Evangelium sagt Simeon zu Maria: "Dich wird der Kummer um dein Kind wie ein scharfes Schwert durchbohren". Und im Johannes-Evangelium lesen wir, dass Jesu Mutter Maria unter dem Kreuz stand. Das ist die Perspektive. Leid und Schmerz, Schuld und Verantwortung, Liebe und Hoffnung - auf all das fällt der Blick.

Ist der Aufführungsapparat groß?

Ja, Haydn komponierte sein Werk für vier Solisten, Chor und Orchester. Solche Aufführungen sind sehr aufwändig. Karfreitag wird man 90 Ausführende erleben können. Der Domchor hat drei Monate an dem Programm geübt, das Orchester hat geprobt. Zur Generalprobe kommen alle zum ersten Mal zusammen.

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