Wasserspiele einst mit vier Fontänen

Wie sich Crimmitschau und seine Ortsteile verändert haben. Heute: Brunnen der Lebensfreude (Folge 30)

Crimmitschau.

Die Ansichtskarte zeigt den Brunnen der Lebensfreude 1938 auf dem Hindenburgplatz, vormals Kaiserplatz, den heutigen Robert-Koch-Platz. Er ist der Mittelpunkt für den Betrachter. Vor dem Bau des Kunstbrunnens stand die am linken Bildrand hinter der Bank stehende Luthereiche im Brennpunkt. Die Eiche pflanzte der Stadtrat C. G. Händel anlässlich des 400. Geburtstages des Reformators Martin Luther am 10. November 1983. Die Stadt unter Leitung des Bürgermeisters hatte hierzu eine große Weihefeier organisiert. Jahre später wertete ein großer Granitblock den Standort auf. Am 25. November 2002 wurde die von einem Pilz befallene 119-jährige Eiche gefällt. Der Heimatverein regte eine Neupflanzung an. Zum 520. Geburtstag des Reformators Martin Luther 2003 erfolgte die Ersatzpflanzung abseits des alten Baumstandortes. Heute ist die gepflanzte Eiche schon wieder ein stattlicher Baum.

Bis zum Bau des Zierbrunnens war der Platz eine Grünanlage mit Kastanienbäumen und der Luthereiche. Unter dem Leitwort "Crimmitschau muss schöner werden" sollte hier eine Änderung geschaffen und das Stadtbild verschönert werden. Jedoch der angeschriebene Kunstfonds Sachsens konnte keine finanziellen Mittel bereitstellen. So kam der Brief des Neukirchner Fabrikbesitzers Guido Wolf 1935 gerade recht, der immer Interesse am Wohl seiner Vaterstadt Crimmitschau hatte. Wolf spendete aus Anlass seines bevorstehenden 75. Geburtstag Geld zur Verschönerung der Stadt. Mit dessen Spende konnte die Verwaltung ihrem Plan eines Wasserspiels nähertreten und die Planung beginnen sowie die Ausführung beauftragen. Drei Entwürfe standen zur engeren Auswahl. Die Stadt entschied sich für den Entwurf des Bildhauers und Malers Alfred Brumme aus Leipzig. Er war ein bekannter Künstler, bekannt durch seinen "Brunnen der Genesung" in Delitzsch, das "Heinrich-Schütz-Denkmal" in Bad Köstritz, große Tiergruppen am Eingang des Zoologischen Instituts der Universität Leipzig und Einiges mehr. In seine Schaffensperiode ordnete sich nunmehr auch der hiesige Zierbrunnen ein.

Das Fundament des Brunnens besteht aus fränkischem Kalkstein, welcher das große Wasserbecken aufnimmt. Gefertigt wurde das Becken aus Eisenbeton von einer Geraer Spezialfirma, die auch Arbeiten an der Thiemebrücke und der Lutherkirche erledigte. Nach dem Guss der Schale wurde diese durch den Bildhauer Kober aus Crimmitschau optisch dem Kalkstein angepasst. Den Abschluss des Brunnens bildet eine Bronzeplastik - zwei tanzende Kinder auf einer Kugel stehend. Nach dem Einbau der Pumpenanlage konnte probeweise vor der Weihe das Wasserspiel getestet werden. Der Test fiel positiv aus, so konnte der Weihe entgegen gezittert werden. Zitterpartie war auch die finanzielle Absicherung des Projekts, da das Stiftungsgeld von Guido Wolf nicht ausreichte. Von der Außenstelle Dresden der Reichskammer für bildende Künste war keine Hilfe zu erwarten. Der Stifter verstarb vor der Fertigstellung des Brunnens. So sprang dessen Sohn Alfred Wolf für die fehlende Summe von 2500 Mark ein.

Am Sonntag, den 12. September 1937, dem Tag der Weihe, war der Brunnen in eine weiße Hülle gekleidet und der Platz festlich geschmückt. Viele Einwohner waren dem Aufruf zur Teilnahme an der Weihe und Inbetriebnahme des Brunnes gefolgt. Der Einladung kamen auch die Behörden, Vereine, Schützen und so weiter nach. Die Vertreter der Stifterfamilie waren ebenso erschienen, wie der Schöpfer des Zierbrunnens. Das städtische Orchester eröffnete die Feier, anschließend nahm der Oberbürgermeister die Weihe vor. Er dankte der Familie Wolf, dem Gestalter des Brunnens sowie den am Bau beteiligten Firmen. Weiterhin sagte er: "Möge das Wasserspiel bei der Einwohnerschaft und darüber hinaus Freude auslösen."

Nach der Restaurierung 1993, leider fielen vier Fontänen weg, bleibt die Grünanlage und der Brunnen eine Zierde und wer es möchte, kann sich auf den aufgestellten Bänken entspannen.

Quelle: Zeitungschronik; Historisches Archiv der Stadt Crimmitschau

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