Zerstörungswut: Täter spielen mit der Gefahr

Immer wieder machen sich Unbekannte an Sicherungselementen der Brückenbaustelle an der Kopernikusstraße zu schaffen. Bauleuten und Bürgern sind besorgt.

Zwickau.

Johannes Rödiger, Polier auf der Brückenbaustelle an der Zwickauer Kopernikusstraße, hat in seinem Berufsleben schon einiges erlebt. Aber eine derartige Unverfrorenheit, mit der immer wieder die Absperrung des durch die Baustellen führenden Fuß- und Radweges am Marienthaler Bach zerstört wird, hat selbst der Routinier bislang noch nicht gekannt. "Wenn wir montags auf die Baustelle kommen, können wir inzwischen schon davon ausgehen, dass irgendjemand die Sicherungselemente vor und hinter der Unterführung zerstört und beiseite geräumt hat." Das geht schon seit Monatsbeginn so.

Anfang der Woche setzten der oder die Täter noch eins drauf: Das Metallgitter des Bauzaunes wurde aufgeschnitten, um einen Durchschlupf anzulegen", sagt er. Mit einer einfachen Kneifzange seien die Metallstäbe jedenfalls nicht zu knacken. "Da hat jemand ganz bewusst Werkzeug eingepackt und sich auf den Weg gemacht", sagt Johannes Rödiger. Für ihn ist das Ganze nicht nur Sachbeschädigung, sondern auch kreuzgefährlich. "Die Absperrung steht hier, um eine Baufeld zu sichern. Jedem normal denkenden Menschen ist doch bewusst, wie gefährlich es sein kann, eine Baustelle während oder außerhalb der Arbeitszeit zu betreten. Die Gegebenheiten auf der Baustelle können sich von einem Tag auf den anderen ändern. Unsere Leute wissen, worauf sie achten müssen, Außenstehende nicht", warnt der Polier.

Auf der wöchentlichen Bauberatung mit den zuständigen Ämtern der Stadt hat er das Problem angesprochen. Ihm selbst bleibt nur, die Baustellensicherung immer wieder zu erneuern. Nicht nur Johannes Rödiger zeigt keinerlei Verständnis für die Zerstörung der Absperrung. Auch einem Mann aus Marienthal, der regelmäßig entlang des Baches spazieren geht, schwillt bei solchem Vandalismus der Kamm. Namentlich möchte er nicht genannt werden, weil er mögliche Handgreiflichkeiten fürchtet. Er treffe bei seinen Spaziergängen entlang des Marienthaler Baches viele nette und unbescholtene Leute. "Aber eben auch Gestalten, denen ich im Dunklen lieber nicht begegnen würde. Wer so einen Bauzaun aufschneidet, nur um aus purer Bequemlichkeit vielleicht ein paar Meter abzukürzen, kann nicht viel Grips in der Birne haben", schimpft er. Darüber hinaus möchte sich der Senior sich nicht vorstellen, was Schlimmes passieren könnte, wenn Kinder durch die beschädigte Absperrung auf die Baustelle gelangen. "So weit können Leute, die so etwas machen, aber wahrscheinlich nicht denken. Ich kann nur hoffen, dass hier niemand zu Schaden kommt und man diejenigen erwischt, die den Sicherungszaun immer wieder zerstören", sagt er.

Das Neubauvorhaben der Brücke über den Marienthaler Bach soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die eigentlichen Arbeiten. Für die Realisierung des Projektes sind Kosten von rund 1,7 Millionen Euro veranschlagt, die fast komplett durch den Freistaat gefördert werden. Die Notwendigkeit der Baumaßnahme ergab sich aus umfangreichen Schäden an Teilen der Brücke, ausgelöst durch das Junihochwasser 2013.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...