Sportler mag Ecken und Kanten

Zum Schuljahresbeginn haben einige Schulen neue Schulsozialarbeiter bekommen. Einer von ihnen ist Martin Binder.

Mülsen.

Seit Schuljahresbeginn gibt es einen Neuen an der Jakobus-Oberschule in Mülsen. Er ist Parcoursläufer, 32 Jahre alt, Vater von zwei Kindern und schon jetzt beliebt: Schulsozialarbeiter Martin Binder. "Wir spüren, er kommt an bei unseren Schülern", freut sich Schulleiter Uwe Schädlich.

Die Oberschule hatte sich den Verein "Gemeinsam Ziele erreichen" als Träger der Schulsozialarbeit ausgesucht, weil er ihrer Meinung nach über die nötige Erfahrung verfügt, die an der Einrichtung gebraucht wird. "Wir sind eine Einrichtung auf dem Land, viele unserer Schüler kommen mit dem Bus und wohnen teils weit auseinander. Da braucht es einen Ansprechpartner, der eine andere Sichtweise als wir Lehrer hat", sagt Schädlich. Binder sei sehr kontaktfreudig, ohne sich den Schülern aufzudrängen, freut sich Schädlich.

Laut Martina Schindler, pädagogische Leiterin im Verein, der im Landkreis Zwickau mittlerweile 15Schulsozialarbeiter beschäftigt, profitiert jeder Schulsozialarbeiter vom Wissen der anderen. Zudem gibt es regelmäßig Weiterbildungen für die Mitarbeiter. Bei Großprojekten wie einem ganz neuen Suchtpräventionsprojekt, das im Dezember starten soll, arbeiten alle Schulsozialarbeiter zusammen.

Binder, der aus Berlin-Marzahn stammt, in Jena Erziehungswissenschaften und Psychologie studiert hat und in Glauchau wohnt, gefällt es in Mülsen. Er hat sich mittlerweile im Büro unterm Dach eingerichtet. Seine "Komplimente to go"-Abreißzettel vor seiner Tür sind an diesem Tag binnen einer Pause vergriffen. "Mir geht es darum, die Mädchen und Jungen so zu akzeptieren, wie sie sind - mit ihren Ecken und Kanten." Sein Dialekt, sagt er lachend, hat ihm bisher nicht geschadet. Er bemüht sich, Hochdeutsch zu reden, kann aber auch schon ein bisschen Sächsisch. Binder, der viel in der offenen Jugendarbeit und zuletzt in Zwickau tätig war, hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, als Sozialarbeiter in eine Schule zu gehen. Bei einer Busschule sind die Begegnungszeiten für ihn begrenzt. "Ich nutze vor allem die halbe Stunde Hofpause jeden Tag", sagt Binder. Inwieweit der Mülsener Nachwuchs von den sportlichen Vorlieben des 32-Jährigen profitiert, wird sich zeigen. Binder joggt und betreibt neben Parcoursport auch Freerunning (springen, hangeln, rutschen, balancieren im freien Gelände). "Ich habe da so ein paar Ideen", sagt der junge Mann, der auch Kontakte zu Breakdancern hat.

Laut Frank Schubert, Sozialdezernent im Landratsamt Zwickau, ist es zum Schuljahresbeginn 2018 gelungen, an 49 Schulen, an denen der Landkreis Schulsozialarbeit einrichten wollte, das nötige Personal zu finden. 73 Einrichtungen im Landkreis hatten Bedarf angemeldet. 14 davon sind Oberschulen, deren Schulsozialarbeiter das Land Sachsen bezahlt.


Die Neue in Mosel

Diana Unger (39), Diplomsozialpädagogin, systemische Familientherapeutin und Mutter zweier Kinder, ist die neue Schulsozialarbeiterin an der Förderschule in Mosel. "Ich will für die da sein, die einen schweren Start ins Leben haben", begründet sie ihren beruflichen Start beim Verein "Gemeinsam Ziele erreichen" und in einer Förderschule. Sie legt in ihrer Arbeit mit den Viert- bis Siebentklässlern Wert darauf, deren Stärken zu finden. "Wenn man darauf vertraut, wird man selbstbewusster", sagt die gebürtige Vogtländerin.upa

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