Dank für Mitmenschlichkeit

Mit den beiden Hauptpreisen der Erzgebirgssparkasse sind zwei Initiativen junger Erzgebirger in Schwarzenberg und Stollberg gewürdigt worden. Der Sonderpreis der "Freien Presse" ging an das Familienzentrum Crottendorf.

Thermalbad Wiesenbad.

3100 Flüchtlinge und Asylbewerber leben derzeit im Erzgebirgskreis, 2800 sind allein im vergangenen Jahr gekommen. "Staat und Behörden waren damit überfordert. Deshalb können wir stolz und dankbar sein, dass es Menschen gibt, die, ohne lange zu reden, einfach handeln", würdigte der Bundestagsabgeordnete Günter Baumann (CDU) als einer der Laudatoren das Engagement der unzähligen ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer zur Integration der Neuankömmlinge.

Die beiden Hauptpreise gingen an die Vereine Agenda Alternativ aus Schwarzenberg und Menschlichkeit als Tradition Stollberg und damit an Gemeinschaften, die von jungen Menschen gegründet worden sind. "Junge Leute sind nicht unpolitisch, sie müssen nur aktiviert werden, denn in den Schulen geschieht das zu wenig. Bildung und Spaß sind eine Verbindung, die Jugendliche dazu bringen, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen", begründete Erick Heffenträger von Agenda Alternativ die Organisation von Sport- und Musikveranstaltungen zusammen mit Workshops und Ausstellungen. Den rechten Umtrieben in ihrer Region aktiv etwas entgegensetzen und zeigen, dass die Wahrung von Traditionen Menschlichkeit nicht ausschließe, wollten die Jugendlichen von Menschlichkeit als Tradition. "Wir wollten nicht gegen etwas stehen, sondern uns für etwas einsetzen", sagte Carolin Zacharias vom Stollberger Verein, der unter anderem ein großes Frühlingsfest zum gegenseitigen Kennenlernen organisiert hatte.

Um den Kindern und Jugendlichen, die nun größtenteils dezentral untergebracht sind, auch künftig die Teilnahme an den Veranstaltungen des Familienzentrums wie den Ferienangeboten und dem Gitarrenunterricht zu ermöglichen, will das Familienzentrum Crottendorf den 1000-Euro-Sonderpreis der "Freien Presse" für Benzingeldzuschüsse sowie eine Dankesfeier für die Mitglieder des Unterstützerkreises verwenden, legte Gabriele Fritzsch vom Familienzentrum dar: "Für die Fahrten ist ganz viel Geld erforderlich, denn bei unseren Ehrenamtlern ist bei vielen als Hartz-IV-Empfänger selbst das Geld knapp."


Fakten & Zahlen

Der diesjährige Bürgerpreis steht unter dem Thema "Deutschland 2016 - Integration gemeinsam leben".

Damit sollen Personen gewürdigt werden, die mit ihrem Engagement die Lebensqualität im Landkreis beziehungsweise in den Städten und

Gemeinden verbessern und Menschen aus verschiedenen Ländern Türen

für ein integriertes Leben vor Ort öffnen.

Für die Auszeichnung stellte die Erzgebirgssparkasse insgesamt 6000 Euro Preisgeld zur Verfügung. Medienpartner "Freie Presse" stiftete erneut einen Sonderpreis in Höhe von 1000 Euro.

Zur Jury gehörten Landrat Frank Vogel als Schirmherr, die CDU-Bundestagsabgeordneten Günter Baumann und Marco Wanderwitz als Initiatoren, Roland Manz als Vorstandsvorsitzender der Erzgebirgssparkasse und Andreas Mey als Verlagsbezirksleiter der "Freien Presse". Komplettiert wurde das Gremium durch zwei Mitarbeiter aus dem Landratsamt: Klaus Lanzendorf, Leiter des Referates Soziale Hilfen, und Cindy Zeddini vom Sachgebiet Migration. (alu)


Die von Erzgebirgssparkasse und "Freie Presse" Prämierten

2000 Euro für den Verein Agenda Alternativ aus Schwarzenberg, weil er sich mit seinen Angeboten für politische Bildungsarbeit im Erzgebirge stark macht und auch ganz konkrete Angebote zur Integration von Asylbewerbern unterbreitet. So organisierte er unter anderem ein großes Fußballturnier "Kicken ohne Rechts" für die Region, an der sich auch sportbegeisterte Flüchtlinge beteiligten.

2000 Euro für den Verein Menschlichkeit als Tradition Stollberg, weil er sich dafür einsetzt, dass Einheimische und Flüchtlinge Berührungsängste abbauen. Allein zum Frühlingsfest Ende Mai waren 1000 Besucher dabei. Bei kulinarischen und musikalischen Kostproben aus Deutschland und den Flüchtlings-Herkunftsländern kamen sich die Menschen ein Stück näher.

1000 Euro für Verein Procovita aus Raschau-Markersbach, weil es ihm mit seinem im Frühjahr gestarteten Projekt "Bunte Beete" gelungen ist, viele im Ort lebende Asylbewerber zu integrieren. Seitdem bestellen sie zusammen den Gemeinschaftsgarten, finden darüber ins Gespräch und zum Miteinander. Für die Kinder ist die Naturoase wie ein Paradies.

500 Euro für Barbara Queißner von der Asylhilfe Thalheim, weil sie gemeinsam mit ihrem Mann Flüchtlingen ganz praktisch unter die Arme greift: Sachspenden vermitteln, Werkzeuge ausleihen, Begleitung zu Behörden organisiert und vieles mehr.

500 Euro für Katrin Mulcahy vom Netzwerk Asyl Zwönitz, weil sie Asylbewerbern nicht nur Deutschkenntnisse vermittelt, sondern auch etwa bei Behördengängen, Job- und Wohnungssuche hilft. Zudem hat sie als Sprecherin vom Netzwerk Asyl viel zum Miteinander von Institutionen, Kirchgemeinden, Vereinen und Firmen in Zwönitz beigetragen.

Der 1000-Euro-Sonderpreis der "Freien Presse" geht an das Familienzentrum Crottendorf, weil es sich rührend um Flüchtlingsfamilien im Ort, insbesondere um die Kinder kümmert. Ob gemeinsame Weihnachtsfeier, Sport oder Spiel - alles trug dazu bei, dass anfängliche Berührungsängste verflogen und ein gutes Miteinander entstand. (alu)

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