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In die Blumenkästen auf den Fensterbänken ihrer Praxis hat die Ergotherapeutin Caroline Schiller-Woters kleine Schilder mit Botschaften gesteckt, um weitere Diebstähle zu verhindern. Schon mehrfach wurden die Arrangements von Unbekannten zerstört.

Foto: Kristian Hahn

Wie kleine Botschaften Blumendiebe umstimmen sollen

Herausgerissene Pflanzen, gestohlene Dekoration: Was nicht niet- und nagelfest ist, scheint in Marienberg nicht mehr sicher. Eine Ergotherapeutin appelliert nun an das schlechte Gewissen der Täter.

Von Lea Becker
erschienen am 16.05.2018

Marienberg. Caroline Schiller-Woters ist sauer. Zum wiederholten Mal hat die Ergotherapeutin die Blumenkästen vor ihrer Marienberger Praxis "Thera Linea" neu bepflanzen müssen. Schon im vergangenen Jahr waren die Arrangements mehrfach zerstört worden. Zum diesjährigen Frühlingsauftakt stellte das Praxis-Team die Kästen wieder ins Freie.

"Nur wenige Tage später wurden erneut Blumen herausgerissen", so die Inhaberin. "Die Pflanzen werden entweder auf die Straße geworfen oder mitgenommen - wohl zur Verschönerung des eigenen Gartens." Zwar seien die Veilchen an sich nicht viel Geld wert. Doch Schiller-Woters und ihren Angestellten geht es um etwas anderes: Die Blumenkästen werden von Kindern bepflanzt, die in der Praxis in Behandlung sind. "Wenn sie nur noch Erdlöcher vorfinden, sind sie sehr traurig", sagt die Ergotherapeutin.

Mit ihrem Ärger sind die Mitarbeiter von "Thera Linea" nicht allein. "Auch andere Geschäftsinhaber in Marienberg sagen, dass man keine Blumen und Pflanzen mehr auf den Fensterbänken stehen lassen kann", so Caroline Schiller-Woters. Susanne Stülpner, Inhaberin des Friseursalons "Haarwerk", kann das bestätigen. Auch ihr seien im vergangenen Sommer Pflanzen gestohlen worden. "Im Laufe der Jahre wurden außerdem mehrfach kleine Laternen entwendet, die ich zur Dekoration aufgestellt hatte", berichtet sie. Mittlerweile räume sie daher sämtliche Dekoration ins Geschäft, bevor sie abends zuschließt: "Die Sachen draußen stehen zu lassen, das können wir leider nicht mehr machen."

Kerstin Nitzschner vom Blumenladen "Florizz" kennt die Probleme ebenfalls: Der große Blumenkübel vor dem Geschäft sei zeitweise bis zu dreimal die Woche heimgesucht worden. Weil daneben immer wieder Erde gelegen habe, aber keine Pflanzen fehlten, hält sie es zwar für denkbar, dass ein Tier den Kübel durchwühlt hat. In der Vergangenheit sei dieser allerdings auch schon einmal in Gänze abhandengekommen. "Ich kann nicht nachvollziehen, warum man so etwas macht", sagt Nitzschner. In ihrer direkten Nachbarschaft seien die Geschäfte dazu übergegangen, nachts alles herein zu holen, was nicht niet- und nagelfest ist. Mancher stelle zur Prävention gleich gar keine Dekoration mehr nach draußen. "Das ist schade, wir wollen doch, dass die Geschäfte ansehnlich sind", so die Floristin.

Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer kann den Frust der Gewerbetreibenden verstehen. "Das ist zweifellos unangenehm für die Betroffenen", sagt sie. Dennoch könne die Stadt in diesen Fällen wenig ausrichten. "Wir sind gefordert, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sind", so Clausnitzer. Bei den geschilderten Vorkommnissen sei das jedoch nicht der Fall. Die Pflanzungen könnten beispielsweise auch durch Tiere, etwa Marder, zerstört worden sein, vermutet die Stadtsprecherin. Auch "Dummejungenstreiche" kämen in Frage. "Vandalismus ist aber schon etwas anderes", findet Clausnitzer. Dem Ordnungsamt seien im Stadtgebiet keine Vandalismus-Vorfälle bekannt.

Die Polizei hingegen kann vereinzelte Delikte nennen. Im Frühjahr vergangenen Jahres seien im Bereich Marienstraße ein Ostergesteck umgeworfen, eine Deko-Gießkanne entwendet, Leuchtwerbung beschädigt und eine Absperrbake umgeworfen worden, sagt Andrzej Rydzik, Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz. Auch in diesem Jahr habe die Marienberger Polizei zwei Anzeigen wegen Vandalismus erhalten: Unbekannte hatten ein Geländer am Schlettenbach beschädigt sowie Nägel vor einem parkenden Auto verstreut. Eine Häufung von Vandalismus in der Stadt könne die Polizei aber nicht feststellen, sagt Rydzik.

Für Ergotherapeutin Schiller-Woters ist das ein schwacher Trost. "Ich bin traurig, dass nichts mehr Bestand hat. Solche Arrangements machen unsere Stadt schließlich schöner und bunter", sagt sie. Um ihre Blumenkästen zu schützen, will sie nun an das schlechte Gewissen der Täter appellieren. "Bitte die Pflanzen im Blumenkasten lassen, die haben Kinder gepflanzt!", steht auf Schildchen geschrieben, die seit kurzer Zeit zwischen den Veilchen stecken.

"Wir hoffen, dass wir so das eine oder andere Herz erweichen können", sagt die Ergotherapeutin. Tatsächlich sind seither keine Pflanzen weggekommen - dafür aber zwei von drei Windrädern, die die Kästen eigentlich verschönern sollten.

 
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