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In den Einkaufspark "Stanze" in Oederan will sich ein Sonderpostenhändler ansiedeln. Kritiker befürchten, durch Überschneidungen im Angebot werde der ansässige Einzelhandel geschwächt. Befürworter hingegen meinen, von der Anziehungskraft profitierten auch andere Oederaner Geschäfte.

Foto: Hendrik Jattke

Wreesmann in der Stanze: Jetzt entscheidet das Landratsamt

Der Sonderpostenhändler hat die Umnutzung des ehemaligen Edeka-Areals in Oederan beantragt. Der Bauausschuss der Stadt hat das abgelehnt.

Von Steffen Jankowski
erschienen am 17.04.2018

Oederan. Die einen sprechen von einem Kundenmagneten, die anderen von einem Todesstoß für die Läden in der Innenstadt - der geplante Einzug des Sonderpostenhändlers Wreesmann in den Oederaner Einkaufspark "Zur Stanze" ist umstritten. Im Bauausschuss der Stadt hat die Skepsis gegenüber dem Vorhaben überwogen - das Einvernehmen wurde einstimmig verweigert.

Laut Bauamtsleiterin Petra Wolf ist eine Umnutzung des ehemaligen Edeka-Einkaufsmarktes an der Chemnitzer Straße beantragt worden. Zu den rund 850 Quadratmetern Verkaufsfläche im Objekt sollten demnach noch bis zu 200 Quadratmeter Außengelände auf dem Parkdeck kommen. Das Ansinnen war bereits im August vorigen Jahres im Ausschuss beraten worden.

Eine Entscheidung war damals jedoch vertagt und eine Analyse der Auswirkungen auf die zentralen Versorgungsbereiche der Innenstadt gefordert worden. Ein Grund dafür war, dass bereits 2013 im Städtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzept unter anderem in den Branchen Baumarkt, Eisenwaren und Geschenkartikel sowie Hausrat ein Verkaufsflächenüberhang attestiert worden war. Entsprechende Produkte führt Wreesmann im Angebot.

Inzwischen hat Bauherr Klaus Klein eine solche Auswirkungsanalyse vorgelegt. In dem Papier kommt eine Beratungsfirma aus Köln zu dem Schluss, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die wohnungsnahe Versorgung zu erwarten seien. Der Jahresumsatz liege bei einer Million Euro, das Kaufkraftniveau in der Region dagegen bei 31,9 Millionen Euro. Allerdings räumen die Verfasser "Wettbewerbsbeziehungen" insbesondere im Bau- und Gartenmarktbereich, aber auch zu Lebensmittel- und Non-Food-Discountern bis nach Flöha ein. Die Umsatzumverteilung bleibe aber gering: "Einzelbetriebliche Effekte sind marginal und verbleiben für die jeweiligen Anbieter mehrheitlich unterhalb der Spürbarkeitsgrenze."

Das sieht einer der potenziell Betroffenen anders. Die Studie erinnere ihn an den Spruch "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing", sagt der 60-Jährige, der die Existenz seines Geschäfts gefährdet sieht. Im thüringischen Weida habe die Ansiedlung von Großanbietern und Discountern am Stadtrand zahlreiche Läden in der Innenstadt sterben lassen, mahnt er: "Das blüht uns allen hier." Noch funktioniere der Wettbewerb in Oederan, "aber mit Dumpingpreisen kann keiner mithalten".

Im Interesse der Mieter des Einkaufsparks und der Belebung der "Stanze" befürwortet Objektverantwortlicher Fritz Nothnagel die Einrichtung eines solchen Marktes. Wreesmann rechne mit 350 Kunden pro Tag - davon könnten beispielsweise auch die Gaststube und der Computershop profitieren. Nothnagel räumt ein, dass bei Baumarktartikeln und Drogeriewaren "geringfügige Überschneidungen" zu anderen Anbietern in der Stadt entstehen würden. Letztere könnten jedoch mit Fachkompetenz einen Ausgleich schaffen, urteilt er: "Einen Mitbewerber auszuschließen würde die Marktwirtschaft aushebeln."

Investor Klein ergänzt, dass es im Zentrum derzeit keinen Magnetbetrieb gebe. Ein Sonderpostenmarkt ziehe Kunden weit über den Standort hinaus an, so der Essener: "Auch den Geschäften der Innenstadt würde der Markt neue Kunden bringen."

Dass die Debatte von wirtschaftlichen Erwägungen geprägt ist, weiß auch Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler). Darüber hinaus seien beispielsweise aber auch raumordnerische Aspekte zu beachten. Eine Vorgabe für sogenannte Unterzentren wie Oederan sei, dass die Verkaufsflächen unter 800 Quadratmetern liegen sollten. Wreesmann hätte mehr als 1000 Quadratmeter. Allerdings wird das Limit - bei einem entsprechenden Konzept - nicht mehr so streng gesehen. Der neue Edeka-Komplex an der Freiberger Straße etwa hat rund 1500 Quadratmeter. Er könne nicht vorhersehen, so der Rathauschef, "wie das Landratsamt jetzt entscheidet".

Die Kreisbehörde sei zuständig für die Letztentscheidung über den Bauantrag, bestätigt deren Sprecherin Cornelia Kluge. Das Verfahren dauere noch an: "Die Rechtslage für den Antragsteller und die Stadt Oederan wird hierbei genau geprüft."

Nach dem Auszug von Edeka aus der "Stanze" war zunächst die Idee verfolgt worden, die Fläche für ein Lebensmittelgeschäft mit regionalen Produkten von Direktvermarktern zu nutzen. Das Projekt war 2016 beim Wettbewerb "Ab in die Mitte" sogar mit einem zweiten Preis und 20.000 Euro prämiert worden. Im September vorigen Jahres wurde es abgeblasen. "Natürlich wäre uns lieber gewesen, wir hätten Erfolg gehabt. Aber die Analysen haben ergeben, dass ein Regiomarkt an dieser Stelle nicht funktioniert hätte", erklärte Marco Metzler vom städtischen Amt für Wirtschaftsförderung und Tourismusentwicklung.

 
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