Sind die neuen Piepser ein Fall für die Tonne?

Feuerwehrleute sind verärgert. Regelmäßig geht die Alarmierung schief. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Flöha/Frankenberg.

Von neuer Technik haben Flöhaer Feuerwehrleute den Kanal gestrichen voll. Konkret geht es um die Funkmeldeempfänger, über die sie sich seit über einem Jahr maßlos aufregen. Sie sprechen von einer Fehlanschaffung, die ihre Arbeit behindere. Die Piepser funktionierten nicht richtig. Während des Sturms Friederike erhielten beispielsweise nicht alle Einsatzkräfte eine Alarmierung. Das Ergebnis: Die Aktiven tragen nun in der Regel den alten und neuen digitalen Empfänger bei sich.

"Es ist auch schon die Alarmierung für eine andere Ortsfeuerwehr auf unseren Geräten gelandet", sagt Wehrleiter Matthias Richter. Er schüttelt den Kopf. Sven Nothnagel, sein Stellvertreter, habe unzählige Stunden investiert, um die Geräte fit zu bekommen - ohne Erfolg. "Laut Datenblatt müssten die Akkus der Piepser 2000 Stunden halten. Diese Werte werden nicht annähernd erreicht", erklärte Nothnagel zur jüngsten Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Flöha. Nicht selten würden die Akkus bereits nach 500 Stunden schlapp machen. Softwareupdates für eine eventuelle Fehlerbehebung seien zwar vom Landratsamt angekündigt, aber bisher nicht erfolgt.

Das sind keine Einzelfälle. Auch die Frankenberger sind absolut unzufrieden. "Beim jüngsten Einsatz hat sich das Dilemma wieder gezeigt: Von 35 Meldern funktionierten zehn überhaupt nicht, auf anderen ging eine Alarmierung ohne Text ein", sagt Ronny Hofmann. Zwar habe es sich um eine Tierrettung gehandelt."Doch wenn die Technik im Brandfall versagt, besteht zusätzlich Gefahr für Menschenleben sowie Hab und Gut", warnt der Zweite stellvertretende Stadtwehrleiter und Gerätewart.

Beispiel Oederan: Mehrmals sei es passiert, so berichtet Marco Schaffarschick, Pressesprecher der Oederaner, dass ein Mitglied der Feuerwehr auf dem Piepser eine Alarmierungsmeldung erhielt - und dann allein am Depot stand. Fehlalarm habe es einmal auch schon in den späten Abendstunden gegeben. In einigen Lagen würden die neuen Funk-Meldeempfänger gar nicht funktionieren. "Das sorgt für Unmut", sagt Schaffarschick. "Es ist höchste Zeit, dass etwas passiert."

2,15 Millionen Euro ließ sich der Landkreis 2017 den Aufbau des digitalen Alarmierungsnetzes (einschließlich Meldeempfänger und Empfänger für die Sirenensteuerung) kosten. Die Kommunen kauften die Piepser für ihre Feuerwehr. Pro Gerät sind das 100 Euro. In einer dreimonatigen Testphase sollten Fehler oder Probleme erkannt und behoben werden, hieß es.

"Doch 13 Monate später funktionieren die Geräte immer noch nicht richtig." So lautet das Urteil nicht nur von Wehrleiter Matthias Richter aus Flöha. Die Feuerwehrleute fühlen sich mehr als nur verschaukelt. "Unsere Probleme haben wir dem Landratsamt gemeldet, aber von dort noch keine zielführende Antwort bekommen", so Richter. Er bezweifele, dass die vom Landkreis angeschaffte Technik den Anforderungen genügt. Insider vermuten, dass die technischen Probleme auch damit zusammenhängen, dass die Anzahl der Relais-Stationen, die Melder und Empfänger koppeln, bei weitem nicht ausreiche.

Das Landratsamt antwortet auf mehrfache Nachfrage der "Freien Presse", dass man keine dezidierten Angaben machen werde, denn es seien Rechtsanwälte ins laufende Verfahren einbezogen worden. "Die derzeit noch in Teilen des Kreises bestehenden Probleme mit dem neu errichteten digitalen Alarmierungssystem sind bekannt und werden sehr ernst genommen", heißt es in der knappen Stellungnahme aus Freiberg. Der Landkreis bemühe sich intensiv, mit den beteiligten Unternehmen Lösungen zu finden und diese mit dem Ziel einer vollen und fehlerfreien Funktionsfähigkeit umzusetzen. Cornelia Kluge, Pressereferentin im Landratsamt, hat dennoch einen Tipp für die Feuerwehrleute: "Den jeweiligen Nutzern stehen jederzeit Ansprechpartner in unserem Hause zur Verfügung."

Flöhas Feuerwehrleute lächeln darüber müde. "Wir haben das Vertrauen in die neue Technik verloren, sehen dafür keine Perspektive und befürchten, dass die Probleme noch größer werden", so Sven Nothnagel. Zwei Piepser mit sich herumzutragen, könne keine Lösung sein. Der Digitalfunk auf den Fahrzeugen dagegen laufe fast problemlos. Vom Auftragsnehmer Telent heißt es auf Anfrage von "Freie Presse": "Natürlich seien die benannten Probleme bekannt und natürlich sei Telent unabhängig von den vertraglichen Verpflichtungen darum bemüht, die Leistungen zufriedenstellend für die Feuerwehrleute zu lösen." Eine detaillierte Stellungnahme werde nicht erfolgen, da innerhalb der vertraglichen Kooperationspflichten keine rechtliche Bewertung zu Ursachen beziehungsweise zum Leistungsinhalt gegenüber außenstehenden Dritten vornehmen wolle und dürfe. "Wir können versichern, dass wir - ohne auf die Einzelheiten einzugehen - unsere Leistungen gemäß der vorgegebenen Leistungsbeschreibung und Planung erbringen."

In Mittelsachsen hatten über 3900 Feuerwehrleute neue Piepser erhalten. Von den massiven Problemen zeugt auch die Antwort des Landratsamtes auf eine Anfrage der Linken-Kreistagsfraktion. Laut dem Schreiben, das von Landrat Matthias Damm (CDU) unterzeichnet wurde, gibt es sowohl Probleme im Netz, als auch mit den Empfangsgeräten. Dem Lieferanten der Meldeempfänger sei eine Frist gesetzt worden, Lösungen zu präsentieren. (mit hh)

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