Diakonie oder Awo: In Rodewisch kündigt sich neuer Knatsch an

Eine Arbeitsgruppe hat bereits entschieden, wer die Kita "Schwalbennest" künftig betreiben soll. Die Bürgermeisterin ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden.

Rodewisch.

653 Punkte für die Diakonie, 598 Punkte für die Awo - zu diesem Ergebnis ist eine Arbeitsgruppe gekommen, die die Bewerbungen für den künftigen Betrieb der Rodewischer Kita "Schwalbennest" bewertet hat. Analog zum Vorgehen im Fall der Kita "Zwergenland" müsste daraus der Beschlussvorschlag für den Stadtrat resultieren. Im Moment zeichnen sich aber Unstimmigkeiten ab. Bürgermeisterin Kerstin Schöniger (CDU) wirft den Eltern- und Erziehervertretern in der Arbeitsgruppe Vorbehalte gegenüber der Arbeiterwohlfahrt vor. Das "Schwalbennest" ist die letzte von fünf Kitas in Rodewisch, die noch in städtischer Hand ist. Vor einem Jahr hatte der Stadtrat beschlossen, das "Zwergenland" und das "Schwalbennest" abzustoßen, die restlichen drei wurden bis dahin bereits von Elternvereinen und der Kirche betrieben. Sogenannte Interessenbekundungsverfahren sollten Transparenz bei der Auswahl der Bieter garantieren. Im Fall des "Zwergenlandes" hat das funktioniert, geräuschlos ging der Betrieb zum Jahreswechsel an die Volkssolidarität in Reichenbach über.

Anders im Fall "Schwalbennest": Am Montag haben Diakonie und Awo aus Auerbach ihre Konzepte außerplanmäßig vor dem Stadtrat vorgetragen. Diesmal öffentlich. Das Abstimmungsergebnis der Arbeitsgruppe wurde dabei nicht erwähnt. Das erfährt nur, wer online in den Sitzungsunterlagen des Verwaltungsausschusses sucht. In einer Erläuterung hält die Verwaltung dort auch fest, "dass es, anders als bei der Zusammenkunft der Arbeitsgruppe ,Zwergenland', keine offene Diskussion gab, sondern vorabgestimmte Wertungen getroffen wurden."

Die Arbeitsgruppe bestand aus acht Mitgliedern - je zwei als Vertreter von Eltern, Personal, Stadtverwaltung und Personalrat. Bei Letzterem ist die Vertretung sämtlicher kommunaler Angestellter gemeint. Laut Bürgermeisterin haben die Personal- und Erziehervertreter für die Diakonie gestimmt, jene der Verwaltung, darunter sie selbst, für die Awo.

Brisant sei die Entscheidung der Personalräte gewesen. Sie hätten angegeben, von der Pro-Diakonie-Fraktion unter Druck gesetzt worden zu sein. Um deshalb neutral zu bleiben, hätten diese beiden Arbeitsgruppenmitglieder jeweils die gleiche Punktzahl bei der Bewertung der Bewerber abgegeben, erklärt Schöniger. Zudem habe sie jegliche fachliche Begründung für die Pro-Diakonie-Entscheidung vermisst.

Er wisse noch gar nichts von diesen Vorwürfen, sagte "Schwalbennest"-Leiter Jörn Badstübner gestern: "Da bin ich jetzt etwas überfahren", erklärte er. Zudem lassen die Elternvertreter über ihn ausrichten: Sie werden sich erst in der nächsten Stadtratssitzung dazu äußern.

Diese Ungereimtheiten um das Vergabe-Verfahren des Kita-Betriebes erscheinen wie eine Blaupause: Anfang 2017 buhlten die Arbeiterwohlfahrt Auerbach und die Diakonie Plauen um den Betrieb eines Mehrgenerationenhauses in Adorf. Ein extra dafür ausgeklügeltes Punktebewertungssystem fiel zugunsten der Diakonie aus, doch die Awo erhielt den Zuschlag. Wenig später eine ähnliche Situation in Auerbach: Die Diakonie Auerbach und die Awo Auerbach bewarben sich um den Kauf des Schützenhausareals und von vornherein schien klar zu sein, dass die Awo - unabhängig jeglicher Inhalte - der Favorit ist. Dabei unterliefen der Stadtverwaltung jedoch so viele Verfahrensfehler, dass es der Diakonie am Schluss gelang, den Deal per Gericht platzen zu lassen.

In Rodewisch soll laut Bürgermeisterin in der Juni-Sitzung des Stadtrates endgültig entschieden werden, wer den Zuschlag erhält.

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2Kommentare
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  • 1
    0
    Zeitungss
    16.05.2018

    Der niedrigste Preis wirds richten, oder hat sich in Deutschland und seiner Gesellschaftsordnung irgend etwas geändert ???
    Sollte es Neureungen geben, ich bin empfänglich.

  • 1
    0
    Täglichleser
    16.05.2018

    Die Stadt Rodewisch will und muss vielleicht sparen.
    Also Privatisierung der städtischen Kindergärten.
    Die Erzieherinnen erhalten weniger Geld, da dann nicht
    Öffentlicher Dienst. Die Chefs von Diakonie und anderer Träger sind die eigentlichen Gewinner. Die Stadtverwaltung spart ein wenig. Der Staat insgesamt
    nicht. Die Zuschüsse fliessen genau so an Diakonie und AWO. Das sind die Zuschüsse aus Steuergeldern.
    Die Frau Schöniger braucht sich nicht zu wundern.
    Die "sozialen" Träger geht es um mehr Geld. Und da streiten die wie die Kesselflicker.
    Fazit: Deutschland hat ordentliche Steuereinnahmen.
    Erzieher müssen ordentlich bezahlt werden. Deshalb
    sollten auch die Kinderervorschulerziehung in der Hand des Staates, der Kommune bleiben.



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