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Schettler-Skandal: Verwandter fordert Rücknahme der Ehrung

In einem Brief an den Falkensteiner Stadtrat werden Vorwürfe gegen das Gremium und den Hommage-Initiator laut. Zudem erklärt das Bundespräsidialamt, dass der Mediziner heute keine staatliche Auszeichnung mehr erhalten würde.

Von Susanne Kiwitter
erschienen am 06.12.2017

Falkenstein. Rainer Döhling sei als Initiator des Schettler-Debakels zur Verantwortung zu ziehen und der Name Schettler von der Sporthalle zu entfernen - das ist der Kern eines Schreibens, adressiert an den Falkensteiner Stadtrat. Absender ist ein Verwandter Gotthard Schettlers, der zugleich mit Rainer Döhling verwandt ist. Namentlich will der Mann öffentlich nicht genannt werden, das Schreiben, datiert auf den gestrigen Tag, liegt "Freie Presse" vor.

Damit wird die umstrittene Ehrung des gebürtigen Falkensteiners Gotthard Schettler (1917-1996) abseits des öffentliches Skandals auch zur Familienfehde. "Leider sind Sie als Stadtrat Falkenstein einem Initiator aufgesessen, der äußerst unkorrekt mit dem Sachverhalt umgegangen ist", schreibt der Schettler- und Döhling-Verwandte. Die Tatsachen seien bekannt gewesen.

Die Tatsachen - darunter würden Schettlers NSDAP-Mitgliedschaft, sein Amt als Gaustudentenführer im Dritten Reich und auch seine ablehnende Rolle als Gutachter in NS-Wiedergutmachungsverfahren in der BRD fallen, erklärt der Verwandte auf Anfrage der "Freien Presse". "Ich kannte ihn und seine rassistische Haltung", ergänzt er und nennt ein Beispiel: "Bestimmte Krankheiten hat Schettler gewissen Völkern und Rassen zugeschrieben."

Damit untermauert der Schettler-Verwandte jene Forschungen und Zeitzeugenaussagen zur Nazi-Vergangenheit des einflussreichen Nachkriegsmediziners, die Falkensteins Bürgermeister und seine Stadträte in einem offiziellen Positionspapier zuletzt als "subjektive Sichten, die zumindest teilweise aus möglicherweise befangenen Quellen stammen" abgetan hatten.

Der Medizinhistoriker Christian Pross warf den Falkensteiner Entscheidungsträgern daraufhin "Ignoranz" und fehlendes Einschätzungsvermögen vor. Falkensteiner Achtklässler, die täglich die Schettler-Turnhalle vor Augen haben, stuften das Agieren im Rathaus öffentlich als "peinlich" ein.

Ungeachtet dessen wurden die Schettler-Befürworter bislang nicht müde, auf die Unfehlbarkeit der Koryphäe in Arteriosklerosefragen zu pochen. Von der Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas (CDU), über den Landtagsabgeordneten Sören Voigt (CDU) bis zum Bürgermeister, Stadtrat und Verein falkart - alle waren sich einig: Wer das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern besitzt, ist moralisch unantastbar.

Eine Anfrage im Bundespräsidialamt Berlin ergab, Schettler erhielt erstmals 1972 den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik. 1981 und 1991 wurde die Auszeichnung um höhere Stufen erweitert. Dabei lagen offensichtlich keine Hinweise auf Schettlers NS-Vergangenheit und seine antisemitische Haltung vor, erklärt Tobias Scheufele, Sprecher der Bundesbehörde.

Dass es in der über 60-jährigen Geschichte des Verdienstordens immer mal wieder zu peinlichen Verleihungen kam, zeigt beispielsweise der Fall Bütefisch: Der 1948 verurteilte Nazi-Verbrecher wurde 1964 ausgezeichnet. Wenig später musste er den Orden zurückgeben.

Eine posthume Aberkennung im Fall Schettler sei nicht möglich, so Scheufele weiter, der festhält: Heute würden "Erkenntnisse wie die frühere Ausübung eines höheren NS-Amtes oder eine Gutachtertätigkeit, die eine antisemitische Einstellung erkennen lässt, unüberbrückbare Hindernisse für die Verleihung des Verdienstordens darstellen".

Bleibt die Frage, wie es in Falkenstein weitergeht. Der "Freien Presse" liegen Hinweise vor, dass der Technische Ausschuss am Donnerstag nichtöffentlich zum Thema berät. Bürgermeister Marco Siegemund (CDU) bestätigte das auf Anfrage. Zum Schreiben des Schettler-Verwandten sagte er: Er wisse davon, habe es offiziell aber noch nicht vorliegen.

 
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