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Wollen nicht hinnehmen, dass die Mittelspannungsleitung neben ihrem Grundstück zu einer Hochspannungsfreileitung ausgebaut wird: Klaus und Veronika Linnemann. Die gebürtigen Westfalen leben seit eineinhalb Jahren in Grünbach und fordern vom Energieversorger Mitnetz und von Politikern, dass solche Trassen in Wohngebieten als Erdkabel verlegt werden.

Foto: David Rötzschke

Zwei Westfalen schwimmen in Sachsen gegen den Strom

Eigentlich wollten Klaus und Veronika Linnemann im Vogtland ihren Ruhestand verbringen. Doch kaum hatten sie ihr Haus in Grünbach gekauft, kündigte sich Ärger mit einem Energieversorger an.

Von Susanne Kiwitter
erschienen am 12.05.2018

Grünbach/Dresden. Weil er sich volksnah zeigt, hat der neue Ministerpräsident mittlerweile viele Pluspunkte bei den Sachsen gesammelt. Nicht so bei Veronika Linnemann. Seit neuestem ist Michael Kretschmer (CDU) bei der Wahl-Sächsin aus Grünbach quasi durchgefallen. Insgesamt 800 Bürger hatte der Landeschef kürzlich zu einem Bürgerforum ins Dresdner Hygienemuseum eingeladen. Linnemann war mit dabei und nutzte die Gelegenheit, Kretschmer in Sachen Erdverkabelung und Ausbau der Stromtrasse im Vogtland auf den Zahn zu fühlen.

Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen, berichtet die 61-Jährige nun. Einerseits, weil der Landeschef offensichtlich nicht im Thema stehe, und er sich andererseits abermals hinter der Bundesgesetzgebung versteckt habe. "Ich habe ihn an die Wand geredet", erklärt Veronika Linnemann mehr enttäuscht als stolz.

Veronika Linnemann ist die Pressesprecherin der Bürgerinitiative Grünbach. Diese will verhindern, dass der Energieversorger Mitnetz die Stromtrasse vor Ort als Freileitung ausbaut. Den Planfeststellungsbeschluss für den ersten Abschnitt eines Hochspannungsleistungsringes im Vogtlandkreis von Falkenstein bis Markneukirchen hatte die Landesdirektion bereits erteilt. Die Grünbacher BI hat dafür die Landesdirektion verklagt und damit Mitnetz inzwischen keine Tatsachen schafft, läuft beim Oberverwaltungsgericht ein Eilverfahren, in dem geprüft wird, ob die Klage Erfolgschancen hat. Die Linnemanns sind in diesem Verfahren Beschwerdeführer, stellvertretend für 1800 Betroffene in Grünbach.

Klaus und Veronika Linnemann sind keine Vogtländer, sie stammen aus der Nähe von Münster in Westfalen und wollten im Vogtland eigentlich ihren Ruhestand verbringen. "Wir kannten das Vogtland vom Wandern. Außerdem hatten wir hier schon vorher Bekannte", berichten die zwei Ex-Banker, 64 und 61 Jahre alt. Im Herbst 2015 kauften sie in Grünbach ein Haus, seit eineinhalb Jahren wohnen sie beide hier. Dass neben ihrem Grundstück eine Mittelspannungsleitung entlangführte, störte sie zuerst nicht. "30 kV empfanden wir als unproblematisch", sagt Veronika Linnemann.

Doch Mitnetz will die Leitung aufrüsten und daraus eine 110-kV-Hochspannungsleitung machen. Und weil der Versorger die gleiche Trasse für den Ausbau nutzt, argumentiert dieser, dass es kein Neubau, sondern eine Ertüchtigung ist. Linnemann und Co. sehen das anders, weshalb die neue Leitung unter die Erde müsse. Ansonsten sehen sie den Wert ihrer Grundstücke, ihre Gesundheit und die Natur in Gefahr.

Abseits der juristischen Schiene brachte aller politischer Protest bisher nichts. Und das, obwohl sachsenweit insgesamt sieben Bürgerinitiativen gegen mehrere Ausbauprojekte von Mitnetz protestieren und inzwischen gemeinsam auftreten. "Wir vertreten über 37.000 Betroffene", erklärt Veronika Linnemann.

Auf ein gemeinsames Schreiben im Februar 2018 habe der Ministerpräsident jedoch ausweichend geantwortet, in dem er auf die Rechtmäßigkeit und Gründlichkeit des Planfeststellungsverfahrens verwies. Deshalb wollte Veronika Linnemann, die nach eigenen Angaben jahrelang als freigestellte Betriebsratsvorsitzende und auch als Gewerkschafterin tätig war, es nochmals wissen. Als Vertreterin der 37.000 sei sie vor einer Woche in Dresden gewesen, sagt sie und erläutert: Sie habe Kretschmer erklärt, dass es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen oder Bayern extra Regelungen gibt, die einen Freileitungsausbau, wie er in Grünbach geplant sei, verbieten würde. Dort gebe es nämlich etwa 80 Immobilien, die in einem Abstand von weniger als 50 Metern zur Trasse stünden. "In anderen Bundesländern ist man da schon weiter. Dort gelten innerorts Abstände von mindestens 400 Metern", so Linnemann. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Kretschmer habe gesagt, dass er von solchen Regelungen in anderen Bundesländern bisher nichts wusste.

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.05.2018
    07:36 Uhr

    Tauchsieder: Haben denn wirklich welche geglaubt, dass nach dem Abtritt Tillichs sich etwas ändern würde?
    Neuer Name, altes Problem. Bürgernähe heuchelnd, derweil die nächste Landtagswahl voll im Focus. Wer sich da blenden lässt der glaubt auch noch an Märchen.

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  • 13.05.2018
    23:55 Uhr

    1212178: Herr Kretschmer, bilden Sie sich weiter!

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