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Foto: Uwe Anspach/dpa Bild 1 / 2

Hauswände knirschen: Erdstöße lassen das Vogtland vibrieren

Die Messstationen verzeichnen seit Tagen Aktivitäten im oberen Vogtland. Steht der Region eine neue Bebenwelle bevor?

Thorald Meisel
erschienen am 12.07.2017

Klingenthal/Bad Elster. Mehrere heftige Erdstöße innerhalb weniger Minuten haben am Dienstagnachmittag die Bewohner des oberen Vogtlandes aufgeschreckt. Hauswände knirschten, als sich gegen 13.25 Uhr der erste Erdstoß ereignete. Die Tschechische Akademie der Wissenschaften gibt ihn mit einer Stärke von 3,8 auf der Richterskala an, das Epizentrum befand sich rund zehn Kilometer unter Klingenthal. 13.58 Uhr folgte ein zweiter Erdstoß, der mit 3,7 beziffert wurde. Das Epizentrum war bei Bad Elster, ebenfalls in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern. Da die beiden Erdstöße etwa die gleiche Stärke hatten, sprechen Experten von einem Schwarmbeben, wie sie in der Region nicht selten sind. Seitdem kam es zu weiteren leichten Erdstößen, welche eine Stärke von 3 allerdings nicht überschritten - darunter auch gegen 17.30 Uhr ein Erdstoß mit einer Stärke von 2,5. Die am Dienstag gemessene Stärke war in der Region in diesem Jahr noch nicht aufgetreten.

Kaum überrascht zeigte sich der Seismologe Siegfried Wendt, der ehrenamtlich die Erdbebenwarte im nordsächsischen Collm betreut: "Ich habe mehr oder weniger darauf gewartet", sagte er. Zuletzt hatten sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit stärkere Schwarmbeben eingestellt - 2008, 2011 und 2013. Wendt wollte in dem Drei-Jahres-Abstand aber keine verlässliche Periodizität ablesen. Auf jeden Fall habe die nun erreichte Magnitude ausgereicht, um Gläser im Schrank oder Scheiben zum Klirren zu bringen. Schäden an Gebäuden entstünden normalerweise nicht.

Ob dem sächsisch-tschechischen Grenzgebiet wieder eine Serie von Schwarmbeben bevorstehe, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so Brunhild Witthauer vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Fakt sei, dass seit einigen Tagen verstärkt leichte Erdstöße in der Region nördlich der westböhmischen Stadt Schönbach/Luby zu verzeichnen sind, was auch die Aufzeichnungen des Observatoriums Collm der Universität Leipzig belegen - am Montag bis zu einer Stärke von 0,9, am Dienstag mit einer Stärke von bis zu 3,2.

Derartige starke Beben in deutsch-tschechischen Grenzgebiet hatte es zuletzt 2014 gegeben. Allein am 31. Mai waren damals mehr als 20 Erdstöße registriert worden, der heftigste mit einer Stärke von 4,2.

Als Epizentrum gilt die Region um Neukirchen/Novy Kostel. Horst Kämpf vom Geo-Forschungszentrum Potsdam hatte dazu in einem Vortrag 2016 in Bad Elster erläutert, dass unter dem Egerbecken eine Magmakammer vermutet wird. In einer Tiefe zwischen 29 und 21 Kilometer trennt sich Kohlendioxid vom Magma und wird zunächst über kanalartige Strukturen durch die Erdkruste geführt. In 15 bis 6 Kilometern Tiefe ist die Oberkruste teilweise nur wenig durchlässig. In diesem Bereich kann sich deshalb ein hoher Gasdruck aufbauen, der sich periodisch über Schwarmbeben entlädt. Bei Neukirchen/Novy Kostel rechnen die Forscher mit einem täglichen Austritt von 23 bis 97 Tonnen Kohlendioxid. "Diese Entgasungsrate auf einer relativ begrenzten Fläche von rund 350.000 Quadratmetern ist für Nichtvulkangebiete sehr hoch und stellt ein Gefährdungspotenzial dar", hatte Kämpf 2016 deutlich gemacht. (mit dpa)

 
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