Tüftler heben Schatz mit Software

Petra und Ekkard Seidl aus Markneukirchen haben mit Holger Pschera aus Erlbach eine international anwendbare Datenbank für Musikinstrumente auf den Weg gebracht.

Markneukirchen.

Ida ist kein leichtes Mädchen, Ida ist ein Schwergewicht. Ida ist das Ergebnis von fünf Jahren Arbeit, Ida ist die Abkürzung für Instrumenten-Daten-Assistent. Eine Software, die es in mehreren Sprachen gibt und für Sammler, Instrumentenbauer, Museen, Wissenschaftler verschlossene Türen zur "Biografie" eines Musikinstruments öffnet. Sie ist das gemeinsame Werk des Geigenbaumeisters Ekkard Seidl aus Markneukirchen, seiner Frau Petra und des Informatiker Holger Pschera aus Erlbach. Anfang November stellt Ekkard Seidl Ida an der Fachhochschule und damit erstmals öffentlich in Markneukirchen vor.

Programm betritt Neuland

Geboren wurde Ida aus der Not heraus. Die Not hieß Zettelwirtschaft. Hier und da was aufgeschrieben und am Ende doch nicht wiedergefunden, so war's, erinnert sich Seidl. Wohin mit dem ganzen Wissen über die Musikinstrumente, ihr Holz, ihre Erbauer, Spieler und Besitzer? Computer hilf! "Ich habe nach einem Programm für die Verwaltung der Daten gesucht. Das gab es nicht", sagt der Geigenbaumeister. Also selber basteln. Ein Zufall führte Seidl zu Holger Pschera, Jahrgang 1986, studierter Informatiker mit dem Schwerpunkt Systementwicklung. "Er hat an der Idee einen Narren gefressen", sagt Seidl und es ist klar, was er meint: Ohne ihn wäre die hochkomplexe Ida jetzt nicht da.

Was gestartet ist, um Ekkard Seidls langjährige Sammlung zu den Merkmalen vogtländischer Musikinstrumente auf Dauer zu bewahren, ist auf andere übertragbar. "Es spielt keine Rolle, mit was die Software gefüttert wird. Es geht für alle Instrumente, Personen, Länder", sagt Seidl. Jeder kann Ida nutzen, der die 450 Euro für den Kauf investiert. Ida gibt es auch auf Englisch, Italienisch, Französisch, auf Tschechisch ist es in Arbeit. Dabei läuft kein Pseudo-Übersetzungsprogramm im Hintergrund - die Begriffe sind in Zusammenarbeit mit Muttersprachlern in die Software integriert. Für jeweils zusätzlich 100 Euro können Nutzer die ebenfalls erschlossenen Geigenbau-Standardwerke von Zoebisch sowie Lütgendorff erwerben.

Ida braucht jede Menge Futter

Was kann sie, die Ida? Das Gerippe der Daten ist die Dokumentation eines Instruments: Etwa 25 Fotos gehören dazu, 400 Maße, Wölbungslinien - bei Geigen etwa je sechs bei Decke und Boden - dazu die Altersbestimmungen über die Jahresringe im Holz. "Diese Datenmenge beschreibt ein Instrument so gut, dass man es nachvollziehen kann", so Seidl. Der entscheidende Vorteil ist die Vernetzung: Was keine Zettelsammlung kann - Zusammenhänge herstellen, aufdecken, die keiner vermutet. Es reicht manchmal ein Knopfdruck, und die Software zeigt Details verschiedener Instrumente, die aus einer Hand stammen. Die Verknüpfung mit dem Erbauer, seiner Familie, seinen Verwandten lassen so den Stammbaum, die Seele eines Instruments zu Tage treten, führen vor Augen, warum genau dieses Instrument wie kein zweites ist.

Ein Kopierschutzstecker soll verhindern, dass sich Fremde in den Datenschatz hacken und nur der Käufer der Software seine Freude an Ida hat. In Kronberg, Regensburg, Mittenwald hat Seidl Ida unter anderem schon vorgestellt. "Die Resonanz darauf ist gigantisch", freut er sich. Erste Abnehmer gibt's auch in Markneukirchen. Nachhaltig ist die Idee Ida auch - Wissen wird nicht zwischen Leim und Hobelspänen begraben, wenn ein Instrumentenbaumeister stirbt. www.ida-software.de

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