Diese Vogtländerinnen geben den Ton an

Lediglich 18,6 Prozent der Kreisräte sind weiblich, einige Kommunalparlamente bestehen nur aus Männern. Und doch tragen auch einige Frauen in der Region Verantwortung. Welche Tipps sie geben.

Heidrun Bauer (57), Chefin der Drachenhöhle Syrau: Für mich ist es ein Rätsel, warum so wenige Frauen in den Kommunalparlamenten aktiv sind. Ich kann leider keine Lösung anbieten. Fakt ist, dass wir Frauen in Führungspositionen immer 150 Prozent geben müssen, um akzeptiert zu werden. Wenn man mich hier in der Höhle als Frau automatisch für die Sekretärin hält, stört mich das übrigens nicht. Ich bin eh Chefin, Sekretärin und Putzfrau in einer Person.

Bettina Groth (52), Ortsvorsteherin von Beerheide, Stadträtin Auerbach, Unternehmerin: Die Akzeptanz ist gerade in der Kommunalpolitik immer noch nicht gegeben, Frauen werden nicht als gleichwertig betrachtet - das ist manchmal nur unterschwellig zu spüren. Das steckt in den Köpfen drin und wird sich wohl nur langsam ändern. Manche Frauen werden deshalb lieber auf ein Engagement verzichten. Herren rücken sich gerne selbst in den Vordergrund, als Frau muss man das Mehrfache eines Mannes tun, um in der Politik erfolgreich zu sein. Im Vereinsleben und auch in der Wirtschaft ist das nicht mehr so - in meiner Arbeit bin ich von Jugend an daran gewöhnt, mich durchzusetzen.

Mareen Götz (35), Geschäftsführerin von Vowalon Treuen: Wer als Frau erfolgreich sein will, der schafft das auch. Man darf sich nur nicht abbringen lassen. Größtes Hemmnis ist die Kinderbetreuung. Meine fünfjährigen Zwillinge müssen zum Beispiel bis 16.30 Uhr aus der Kita geholt werden - das schaffe ich nicht, da muss das familiäre Umfeld stimmen. Abends bringt oft mein Mann die Kinder ins Bett. Man muss drüberstehen, wenn der Vorwurf der "Rabenmutter" kommt - Hauptsache, man ist sich mit dem Mann einig. Wer sich durchsetzen will, muss "seine Frau stehen" und seine Meinung sagen.

Daniela Raschpichler (39), Geschäftsführerin Wohnungsbaugesellschaft Reichenbach: Es gibt zu wenig Frauen im Vogtland, die groß denken und mehr wollen. Klar möchte nicht jede Frau in einem Chefsessel sitzen. Aber von den Frauen, die diesbezüglich ambitioniert sind, trauen sich viele zu wenig zu und gehen nicht konsequent nach vorn. Um die Situation zu verbessern, müssten Arbeitszeiten und Betreuungsmodelle viel dynamischer und flexibler sein und sich an das Familienleben anpassen können. Was Männerumgebungen angeht: Haben Sie schon mal probiert, sich täglich in Frauenumgebungen zu bewegen? Das ist auch nicht immer einfach. Frauen können aber Fähigkeiten wie soziale Kompetenz oft besser einsetzen als Männer.

Cornelia Schaller (54), Geschäftsführerin Auto Reißmann Reichenbach: Ich kenne viele Frauen, die in kleinen Firmen mit bis zu zehn Angestellten erfolgreich sind, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Allerdings sollte die Politik die Voraussetzungen dafür verbessern. Dazu sollte die Kinderbetreuung ausgebaut werden - mit Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter und auf befristete Teilzeit.

Therese Langhof-Thomas (47), Kindergärtnerin und Künstlerin, Plauen: Für mich ist es nicht erstrebenswert, in einem Parlament zu sitzen. Ich stecke gern meine ganze Kraft in die Familie. Hausfrau und Mutter zu sein, ist ein kostbares Gut, doch das wird zu wenig gesellschaftlich gewürdigt. Das Gefühl, mich beweisen zu müssen, habe ich nicht. Hatte ich nie.

Corinna Bauriedl (35), Vizebürgermeisterin Bad Elster: Berufstätige Frauen mit Kindern investieren enorm viel Zeit, Nerven, Organisationstalent und Kraft, um den Spagat zwischen Beruf und Familie zu bewältigen. Sich dann noch politisch zu engagieren, bedarf einem besonders starken Interesse an Kommunalpolitik oder das dringende Bedürfnis, etwas verändern zu wollen, sowie einem starken familiären Umfeld. Wenn man Elterngremien in Schule und Kita mit berücksichtigt, die auch politischen Charakter haben, sind nicht zu wenige Frauen politisch engagiert!

Nicole Schwab (44), Kreis- und Gemeinderätin Triebel, Chefin SPD-Ortsverein Dreiländereck: Die meisten Frauen sind durch Beruf und Familie stark eingebunden - und leider tragen sie immer noch die familiäre Hauptlast, sodass für politisches Engagement selten Zeit bleibt. Ohne Unterstützung durch Partner und Familie geht es nicht. Wir brauchen ein verändertes Rollenbild. Es ist wichtig, dass Frauen sich in die Politik einbringen können. Ich selbst habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich fühle mich ernst genommen - Frauen sollten ihren Standpunkt vertreten, sich einmischen.

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