Frühe Hilfe für Tristan nach schwerem Start ins Leben

Der Junge ist mit einer Rückenmarkverletzung zur Welt gekommen. Dank früher Förderung macht der Zweieinhalbjährige große Fortschritte. Leser können dazu beitragen, dass Kinder wie Tristan künftig noch besser zurechtkommen.

Wilkau-Haßlau.

Auf dem Tisch am Therapiestuhl türmen sich Bauklötze. Tristan Thuss setzt sie zu Türmen zusammen und steuert ein Auto hindurch. Die Augen des kleinen Baumeisters strahlen. Die von Mutter Grit ebenfalls. "Er hat sich gut entwickelt", sagt sie und berichtet, dass es erst einmal ein Schock gewesen sei, als man ihr und ihrem Mann Daniel nach der Geburt von Tristan mitteilte, dass er Spina bifida aperta hat. "Die Krankheit wird im Volksmund als offener Rücken bezeichnet. Bei unserem Sohn ist das Rückenmark im Lendenwirbelbereich geschädigt. Dadurch ist er ab dort teilweise gelähmt", erklärt sie.

Der heute Zweieinhalbjährige hat schon etliche Operationen mit längeren Klinikaufenthalten hinter sich. "Dass er inzwischen selbstständig essen und trinken kann, ist vor allem der gezielten, frühen Förderung zu verdanken", sagt seine Mutter. Sie berichtet, dass der Kinderarzt im Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau ihnen gleich nach der Geburt die "Lebenshilfe Westsachsen" empfohlen habe. Der Verein kümmert sich um Mädchen und Jungen mit Entwicklungsverzögerungen, behinderte und von Behinderungen bedrohte Kinder. Gemeinsam mit den Eltern und dem Kinderarzt wird für jeden ein spezieller Förder- und Behandlungsplan erarbeitet. "Wichtig ist für uns die ganzheitliche Förderung", sagt Isabell Möckel, die Leiterin der "Lebenshilfe Westsachsen", die den kleinen Wilkau-Haßlauer seit dem ersten Lebensmonat begleitet. Die Frau, die selbst Heilpädagogin ist, berichtet, dass die Behandlungen zwar von Krankenkassen und Sozialämtern bezahlt werden, aber für teure Weiterbildungen und wichtige Förder- sowie Verbrauchsmaterialien Geld fehle. "So würden wir gern einen Mehr-Sinn-Geschichtenkoffer kaufen, der fast 400 Euro kostet", sagt sie. Mit dessen Hilfe können Kinder nicht nur Geschichten hören, sondern auch Bilder dazu sehen. Außerdem gibt es in dem Koffer Material zum Greifen und Fühlen. "Das animiert zum Sprechen", weiß Isabell Möckel. Auch andere Förderspielzeuge würden die Therapeuten gern in die Arbeit einbeziehen.

Neben der Frühförderung durch den Verein hat Tristan bei einer neurologischen Kur gute Fortschritte gemacht. Außerdem geht er in die Integrations-Kita "Arche Noah" in Zwickau, wo er mit anderen behinderten und nicht behinderten Kindern spielend vieles lernt.

Seit der Junge vor sechs Wochen einen Rollstuhl bekam, hat sich sein Aktionsradius stark vergrößert. "Damit kann er sich in der Wohnung selbstständig bewegen. Das macht ihm großen Spaß, auch wenn er ab und an noch an Möbelstücken aneckt", erzählt seine Mutter. Treuer Begleiter bei der Eroberung der Welt ist für den kleinen Jungen sein Elefant Manni. Als Tristan vom Spielen erschöpft ist, zieht er ihn von der Stuhllehne und kuschelt sich in den weichen Plüsch.


Spenden für die Frühförderstelle der "Lebenshilfe Westsachsen"

Der Verein "Leser helfen" unterstützt bei seiner Spendenaktion, die heute beginnt, den Verein "Lebenshilfe Westsachsen". Dieser ist in den 1990er-Jahren von Eltern gegründet worden. Die Frühförderstelle startete mit fünf Mitarbeitern. Heute betreuen 15Heilpädagogen, Psychologen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten 120 Kinder.

Für eine effektive Frühförderung werden viele Materialien und Hilfsmittel benötigt, die der Verein nicht gegenüber den Krankenkassen und Sozialämtern abrechnen kann. Diese kommen nicht nur in der Frühförderstelle in Wilkau-Haßlau zum Einsatz. Bei der mobilen Frühförderung besuchen die Mitarbeiter auch Kinder in weiten Teilen des Kreises Zwickau.

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