Werbung/Ads
Menü

Themen:

Rolf Schubert, Nachfahre des Lichtensteiner Weberei-Unternehmers A. L. Günther, und Patrick Bochmann (rechts) blättern in der Firmenchronik des 1842 gegründeten Unternehmens. Sie sind die Autoren dieser Chronik.

Foto: Andreas KretschelBild 1 / 2

175-Jährige bekommt eigene Chronik

Zwei Lichtensteiner haben die Geschichte der Firma A. L. Günther aufgearbeitet. Die Autoren stellen ihre interessante Chronik jetzt öffentlich vor.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 19.06.2017

Lichtenstein. Im 19. Jahrhundert war das Klappern der Webstühle auch in Lichtenstein allgegenwärtig. Mit zunehmender Industrialisierung verschlechterte sich allerdings der Lebensstandard vor allem der neuen Industriearbeiter. Auch die Heimweberei rentierte sich nicht mehr. Die Weberaufstände von 1844 sind noch heute ein Teil des Geschichtsunterrichts. Genau in diese erste Phase der Industrialisierung (1835 bis 1850) fällt auch die Gründung der Firma A. L. Günther.

Den Firmengründer August Lorenz Günther (1816-1896) hat Rolf Schubert freilich nicht kennengelernt. "Ich bin sozusagen die fünfte Generation. Mein Vater Ernst-Rudolf Schubert war der letzte Firmenchef vor der Enteignung", sagt Rolf Schubert. Bis 1990 lief die Produktion von Decken und Möbelstoffen in der Firma an der Glauchauer Straße, die in DDR-Zeiten eher als "Decken-Schubert" bekannt war, weiter. Heute betreibt hier Rolf Schubert nur noch eine Stoff-Vertretung. "Im Herbst ist definitiv Schluss", sagt der 73-Jährige. Damit endet die textile Ära bei A. L. Günther für immer.

"Doch die Geschichte ist so spannend, dass man sie einfach für die Nachwelt aufschreiben muss", sagt Patrick Bochman, der Allgemeinmediziner, der sich nach Feierabend beim Studium der Stadtgeschichte am besten entspannen kann. In Rolf Schubert fand der Vorsitzende des Geschichtsvereins Lichtenstein den Mann, der das historische Material zuhauf liefern konnte. Schubert grub die alten Briefköpfe aus, Musterbücher, Fotos von Messeauftritten, sogar eine Goldmedaille von der Leipziger Messe, Glückwunschkarten zu Firmenjubiläen. Luftpostbriefe zeugen zudem von internationaler Korrespondenz und Handelsbeziehungen. Selbst eine handschriftliche Anweisung der sowjetischen Militärkommandantur vom 11. Juli 1945 fand Eingang in die Chronik. Ebenso Zeitungsanzeigen, mit denen die Firma um Jacquard- und Möbelstoffweber warb. Oder auch die alte Gewerbelegitimationskarte für Rudolf Schubert. "Gültig für alle Staaten, die das Genfer Abkommen ratifiziert haben", ist auf dieser zu lesen. Eineinhalb Jahre arbeiteten die beiden Männer an der Chronik, durchforsteten historisches Fotomaterial und alte Dokumente, sammelten Erlebnisberichte ehemaliger Mitarbeiter, sichteten Akten im sächsischen Staatsarchiv. Jetzt liegt die Chronik vor - und wird am Mittwochabend im Stadtmuseum Lichtenstein vorgestellt.

Der Auslöser für die Idee, eine Chronik zur Weberei A. L. Günther zu schreiben, liegt etliche Jahre zurück. Bochmann erinnert sich: "Damals habe ich als Zivildienstleistender bei Rolf Schuberts Mutter Marianne das Mittagessen vorbeigebracht. Dort interessierte mich ein Bild an der Wand, auf dem Schwarz-Weiß-Porträts von vier Männern eingerahmt waren." Das Bild ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Als er erfuhr, dass es sich um den Firmengründer und die Nachfolger an der Spitze der Firma handelte, fing der damals schon historisch interessierte junge Mann Feuer. Mit dem Kontakt zu Sohn Rolf Schubert, in dessen Büro das Bild heute hängt, bot sich die Chance, an Material aus erster Hand zu kommen. Die Autoren wissen, dass etliche Lichtensteiner auf die Broschüre warten. Zur Jubiläumsfeier "170 Jahre Firma A. L. Günther" vor fünf Jahren kamen 30 ehemalige Mitarbeiter. "Ich denke, am Mittwoch wird der Saal voll. Ich werde einen kleinen Rahmenvortrag zur Lichtensteiner Industriegeschichte halten. In dem Zusammenhang wird auch die Chronik mit vorgestellt", sagt Bochmann. Er spielt inzwischen mit dem Gedanken, eine Schriftenreihe zu ehemaligen Lichtensteiner Betrieben zu erstellen. "Ich möchte damit ein Stück Lichtensteiner Industriegeschichte für kommende Generationen nacherlebbar machen", sagt Bochmann.

Der Vortrag findet am Mittwoch, 18 Uhr im Stadtmuseum Lichtenstein statt.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0
Lesen Sie auch:
 
Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)

 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Hohenstein-Ernstthal
So

20 °C
Mo

21 °C
Di

25 °C
Mi

24 °C
Do

17 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Hohenstein-Ernstthal

Finden Sie Ihre Wohnung in Hohenstein-Ernstthal

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 

 
 
 
 
Online Beilagen

Grüne Woche bei MediMax!

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09337 Hohenstein-Ernstthal
Dr.-Wilhelm-Külz-Platz 7
Telefon: 03723 6515-0
Öffnungszeiten:
Mo./Di./Do. 9.00 - 13.00 Uhr u. 14.00 - 17.30 Uhr
Mi./Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm