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Ein beschmiertes Plakat des CDU-Kandidaten Marco Wanderwitz.

Foto: PF

Eine "Hetzjagd" auf die Wahlplakate

Politiker aller Parteien beklagen in Westsachsen massive Angriffe auf ihre Wahlwerbung. Es hagelt auch Beschimpfungen.

Von M. Stellner und E. Kiwitter
erschienen am 13.09.2017

Hohenstein-Ernstthal. Zerstörte und beschmierte Wahlplakate gehören in Westsachsen derzeit zur Tagesordnung. Nur haben die Beschädigungen im Vergleich zu vorhergehenden Wahlen eklatant zugenommen, berichten fast alle Parteien, die von der "Freien Presse" angefragt wurden.

Der CDU-Bundestagskandidat Marco Wanderwitz aus Hohenstein-Ernstthal (Wahlkreis 163) wurde auf einem Plakat als "Nazi-Witz" diffamiert. Insgesamt seien von ihm 45 Großflächenplakate beschädigt worden, dazu noch 200 A 1-Plakate. Der finanzielle Schaden gehe in die Tausende. Auch andere Parteien sind betroffen. Die Rede ist von einer regelrechten "Hetzjagd" auf Wahlplakate. Vergangene Woche teilte die Polizei mit, dass im Bundestagswahlkreis 163 auch 100 Plakate der AfD entwendet wurden. Dabei sind verunstaltete Plakate eigentlich kein Kavaliersdelikt, sondern strafbare Sachbeschädigung. Die meisten Parteienvertreter sehen jedoch davon ab, die Taten anzuzeigen, da die Verursacher in der Regel ohnehin nicht ermittelt werden.

Allerdings gibt es da auch Ausnahmen. So hat ein Parteimitglied der CDU im benachbarten Wahlkreis 165 im Zwickauer Stadtzentrum auf frischer Tat einen Mann erwischt, wie er ein Unionsplakat vom Mast riss, und zeigte das bei der Polizei an. Ansonsten sehe man über die meisten kleineren Schmierereien hinweg, sagt Sebastian Brückner aus dem Büro des Bundestagsabgeordneten Carsten Körber. "Wir lassen aber die Plakate auf den Großaufstellern austauschen, wenn sie stark verunstaltet sind", sagt Brückner. Oder wenn verbotene Symbole rangeschmiert werden, wie in Crimmitschau, wo Hakenkreuze ein Merkel-Plakat verunstalteten. Überhaupt seien Merkel-Plakate besonders oft von Vandalismus betroffen.

Bei der SPD sieht man die Sache locker. Auf den Großplakaten sind Schriftzüge zu lesen wie "Scheiß Politik" und "Wer hat uns verraten ...". Direktkandidat Mario Pecher (ebenfalls Bundestagswahlkreis 165) hat sich einen ganz eigenen Umgang damit überlegt. "Wir kleben überall den Schriftzug drüber: Dieses Plakat wird jetzt videoüberwacht. Vandalismus kann man nur mit Humor begegnen", sagt Pecher.

Die FDP in Zwickau berichtet ebenfalls von zunehmenden Beschädigungen. Kreischef Nico Tippelt zufolge sind vor allem die Großplakate in Glauchau, Wilkau-Haßlau und Friedrichsgrün betroffen - die Spur geht also quer durch den Landkreis. Aufgetaucht ist unter anderem der Schriftzug: "Alles außer AfD heißt weiter so". Auch die Alternative für Deutschland beschwert sich über den Vandalismus. Laut Kreischef Frank-Frieder Forberg seien aber die Plakate nicht nur beschmiert, sondern, wie vergangene Woche, oft ganz gestohlen worden. Im Kreisvorstand glaubt man den Verantwortlichen in der Antifa gefunden zu haben.

 
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