Schüler beschimpft Lehrerin: Sie gehören nach Auschwitz!

Aus der Antwort des sächsischen Justizministers auf eine Kleine Anfrage im Landtag geht hervor, dass es an einer Schule im Altkreis Hohenstein-Ernstthal einen bedenklichen Vorfall gegeben hat. Wie geht man mit ihm um?

Hohenstein-Ernstthal.

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat ein Ermittlungsverfahren gegen den 15-jährigen Schüler einer Schule im Altkreis Hohenstein-Ernstthal wegen Beleidigung eingestellt. Der Jugendliche hatte am 22. August des vergangenen Jahres im Unterricht zu einer Lehrerin gesagt: "Sie gehören nach Auschwitz!" Das Verfahren wurde laut Staatsanwältin Ines Leonhardt im Dezember 2017 deshalb eingestellt, weil die Schule unabhängig von den Ermittlungen der Anklagebehörde eine Disziplinarmaßnahme verhängt hatte.

Der Vorfall wurde erst jetzt bekannt, nachdem der sächsische Justizminister Sebastian Gemkow der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Linkspartei) auf eine sogenannte Kleine Anfrage geantwortet hatte. Die Frage bezog sich auf juristische Folgen politisch motivierter Straftaten im rechtsradikalen Bereich. In dem konkreten Fall stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein, nachdem der Schüler nicht mit zu einer Klassenfahrt durfte. Aus der Antwort des Ministers gehen weitere Fälle hervor, die im Dezember 2017 aus unterschiedlichen Gründen zu den Akten gelegt wurden. In einer Schule in der Nähe von Chemnitz hat eine Schülerin ein Hakenkreuz auf das Federkästchen einer Mitschülerin gemalt. Zwei Fußballer, ebenfalls aus dem Raum Chemnitz, präsentierten sich mit erhobenem rechten Arm auf einem Mannschaftsfoto. Ein Mann unterzeichnete eine E-Mail an die Staatsanwaltschaft in Zwickau mit Heil Hitler.

Nach dem Vorfall an der Schule im Altkreis Hohenstein-Ernstthal alarmierte der Schulleiter die Polizei. Es hätte Gespräche mit dem Schüler und dessen Eltern stattgefunden. "Einmal im Jahr fahren Schüler unserer Einrichtung nach Buchenwald. Auf der Rückfahrt ist die Stimmung bedrückt, die meisten der Jugendlichen sind sehr betroffen, wenn sie mit der Vergangenheit konfrontiert werden", erzählt der Schulleiter. Aber offenbar nicht alle. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz aus Hohenstein-Ernstthal, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Medien und Kultur seiner Fraktion: "Wir haben in den vergangenen Jahren in Sachsen und in Deutschland zu wenig für die politische Bildung getan. Dort liegt der Schlüssel."


Das war Auschwitz

In Auschwitz wurde bis 1945 von den Nationalsozialisten ein industrialisierter Massenmord durchgeführt. Die SS-Leute gaben das Gift Zyklon B in die Vorrichtungen der Gaskammern. Die Zahl der Ermordeten beläuft sich auf 1 bis 1,5 Millionen Menschen.

Lagerarzt Josef Mengele hatte an einer Wand in der Krankenbaracke in Auschwitz in einer Höhe von 1,56 Meter einen waagerechten Strich ziehen lassen: Er trennte die Lebenden von den Toten. Kinder, die diese Markierung nicht erreichten, galten als ungeeignet für die Zwangsarbeit. Sie wurden durch eine Phenol-Injektion direkt ins Herz getötet.

Häftlinge wurden für Experimente missbraucht, zum Beispiel Frauen chemische Mittel eingeführt. Damit sollten neue Methoden der Sterilisation getestet werden. Viele starben. Die Überlebenden wurden getötet, um ihre Leichen zu untersuchen.

Zwillingspaare und Menschen mit angeborenen Anomalien wurden ebenfalls Experimenten ausgesetzt und getötet, um die Körperteile weiter zu untersuchen oder für Demonstrationszwecke zu konservieren. (erki)

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21Kommentare
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  • 5
    0
    Steuerzahler
    13.02.2018

    @Blacksheep: Mein Beitrag zum Erziehungsauftrag der Schule beleuchtet nur die Pflicht der Schule. Das soll natürlich keinesfalls bedeuten, dass die Eltern die Hände in den Schoß legen dürfen. Nur miteinander wird ein Schuh daraus!

  • 2
    2
    BlackSheep
    12.02.2018

    @Freigeist14, "Solidarität,Rücksicht , Toleranz und der Lernerfolg in der Gemeinschaft kann umfassend nur im Klassenzimmer vermittelt werden." Ich finde gerade Solidarität, Rücksicht und Toleranz sollten die Eltern vermitteln und vorleben, dann funktioniert das am besten. Sie haben aber Recht das das leider bei vielen nicht mehr stattfindet und deshalb in der Schule passiert. Nur werden leider bei vielen die von Steuerzahler genannten Gesetzte als Ausrede benutzt um ihre Kinder nicht zu erziehen und diese Aufgabe an Kindergärten und Schulen zu deligieren und ich finde, allen Gesetzen zu Trotz, das ist eine bedenkliche Entwicklung.

  • 2
    1
    Freigeist14
    12.02.2018

    Blacksheep@ unabhängig von Ihrem Standpunkt zur Entgleisung des Schülers : Selbstverständlich soll in der Schule Erziehung geboten werden. Solidarität,Rücksicht , Toleranz und der Lernerfolg in der Gemeinschaft kann umfassend nur im Klassenzimmer vermittelt werden. In der heutigen Gesellschaft der Einzelkinder-Haushalte wird so manches verwöhnte Kind in der Schule geerdet.

  • 3
    3
    Steuerzahler
    11.02.2018

    @Blacksheep: Das mit der Erziehung sehe ich etwas anders. Dazu sagt das Gesetz: Par. 1 (3) des Sächsischen Schulgesetzes: Die schulische Bildung soll zur Entfaltung der Persönlichkeit der Schüler in der Gemeinschaft beitragen. Diesen Auftrag erfüllt die Schule, indem sie den Schülern insbesondere anknüpfend an die christliche Tradition im europäischen Kulturkreis Werte wie Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Nächstenliebe, Frieden und Erhaltung der Umwelt, Heimatliebe, sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeit und Achtung vor der Überzeugung des anderen, berufliches Können, soziales Handeln und freiheitliche demokratische Haltung vermittelt, die zur Lebensorientierung und Persönlichkeitsentwicklung sinnstiftend beitragen." Der Par. 1 spricht auch explizit vom Bildungs- und Erziehungsauftrag. Wie es tatsächlich aussieht, auch mit den christlichen Werten des europäischen Kulturkreises, ist natürlich eine Sache für sich.

  • 4
    3
    Hinterfragt
    11.02.2018

    @baukhage:"...ein 15jähriger Rotzlöffel..." Schon komisch, Sie beschweren sich hier über den Schüler wegen Respektlosigkeit und Beleidigung gegenüber anderen "erwachsenen" Bürgern, machen aber im Gegenzug genau das Gleiche. Oder ist die abwertende Betitelung von "nicht erwachsenen" etwa ganz anderes? Es ist ein Mensch, egal was er getan haben möge. Ich habe noch keinen Richter erlebt, der einem verurteilten Straftäter vor Gericht mit diesen, Ihren Titeln versehen hat. Mit Ihrer Wortwahl haben Sie sich selbst ins Aus gestellt! Mein Anstand verhindert es, hier meine persönliche/ intuitive Meinung zu Ihrer Auslassung zu schreiben, zudem würde der Beitrag dann sicherlich nicht freigegeben. Bedeutung Rotzlöffel laut wiktionary.org:: [1] Schimpfwort, derb, abwertend: Person, meistens ein Kind oder Jugendlicher, die frech, dreist, arrogant und unbelehrbar auftritt, ..."

  • 4
    2
    BlackSheep
    11.02.2018

    @Steuerzahler "ihn erzieherisch einwirken und ob die Schule heute bei den Gegebenheiten überhaupt dazu noch in der Lage ist, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch zu ERZIEHEN!" den Gedanken halte ich für falsch , die Schule sollte Wissen vermitteln, erziehen sollten die Eltern.

  • 4
    4
    BlackSheep
    11.02.2018

    @tbaukhage,10.02. 20:12 Uhr, dieser Spruch bringt sicher die Respektlosigkeit zum Ausdruck, aber der Spruch bringt nicht die Gesinnung desjenigen zum Ausdruck, sondern den Ärger über die Lehrerin, mehr nicht.

  • 3
    1
    Steuerzahler
    11.02.2018

    @1953866: Was sollen die Fakten? Ihre Mühe ist vergeblich! Wenn die Ideologie blendet und die eigene Meinung die Wahrnehmung beherrscht, erkennt man die Tatsachen nicht! Da ist jede Mühe vergebens! Fakt ist: Der Schüler hat eine Straftat begangen, wurde durch den Schulleiter angezeigt und die StA hat eine Entscheidung getroffen, wie auch der Schulleiter selbst. Bei der Staatsanwältin handelt es sich um eine in vielen Bereichen erfahrene Beamtin, auch bei schweren Straftaten und man kann davon ausgehen, dass ihre Entscheidung rechtens ist. Wie in allen anderen Fällen ist das Jugendstrafrecht in diesem Alter maßgebend und das heißt, Erziehung geht vor Strafe. So wie das auch bei jugendlichen (?) Migranten mit wesentlich schwereren Straftaten gegen die Persönlichkeit oder Leben und Gesundheit regelmäßig praktiziert wird. Bei einem 15-jährigen Schüler kann man wohl auch nicht davon ausgehen, dass Meinungsbildung und Erziehung sowie die Herausbildung von Verhaltensmustern bereits abgeschlossen sind. Diesen 15-jährigen nun dazu zu benutzen, die eigene Ideologie zu demonstrieren, halte ich für ebenso für vollkommen daneben wie auch seine Stigmatisierung in den Medien. Kernproblem wird auch hier wieder sein, wie ergebniswirksam Elternhaus und SCHULE auf ihn erzieherisch einwirken und ob die Schule heute bei den Gegebenheiten überhaupt dazu noch in der Lage ist, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch zu ERZIEHEN! In diesem Sinne muss man sich nicht aufregen und erst recht nicht wundern. Im Übrigen wird ein exzessiver Sprachgebrauch heute nicht nur im Alltag, sondern selbst von Politikern (Krieg, auf die Fresse usw.) vorgelebt. Das ist keine Entschuldigung für eine derartige Äußerung, aber auch einer der Ausgangspunkte.

  • 2
    4
    tbaukhage
    10.02.2018

    @1953: Vielleicht doch erst nochmal den ganzen(!) FP-Beitrag lesen! Vor allem die Ausführungen des Schulleiters.

  • 3
    4
    1953866
    10.02.2018

    @tbaukhage was wollen Sie? Erst "Nazi", dann wieder "Respektlosigkeit", dann wieder "Nazi". Ihre Frage:"Erkläre uns, (wer ist "uns") was ... rechtfertigen könnte, dass ein 15jähriger Rotzlöffel eine(n) Erwachsene(n) beleidigen darf!", habe ich beantwortet. Und NEIN, wenn nach einem Besuch in Auschwitz, da wurde sicher auch das Thema Täter angesprochen, der Schüler, wie ich schon schrieb, seine Lehrerin als Täter sieht, dann ist das zu hinterfragen, aber kein "Nazi-Vokabular". Wenn Sie genauere Infos zu dem Vorfall haben, dann lassen Sie es "uns" wissen, wenn nicht, dann gibt es einen bekannten Spruch von D. Nuhr. Wie ich bereits schrieb, ich kenne den Hintergrund (Kontext) dieser Aussage nicht und werde deshalb diesen 15 jährigen Schüler nicht automatisch als "rechtsradikal" einschätzen. Genauso wie ich 15 jährige "Rotzlöfffel" nicht automatisch als linksextrem einschätze, weil die "Nazis raus",,oder "ANTIFA" und ähnliches an Häuserwände sprühen.

  • 3
    5
    tbaukhage
    10.02.2018

    @1953: Es ist völlig unnötig, Fragen nach dem Kontext zu stellen, wenn ein 15jähriger durch Beleidigungen eines Erwachsenen seine Respektlosigkeit offen zur Schau stellt! "Sie gehören nach Auschwitz!" gehört also nicht zum Nazi-Vokabular? Sie soll also nicht die eigene politisch motivierte rechtsradikale Gesinnung zum Ausdruck bringen???

  • 4
    7
    Blackadder
    10.02.2018

    @tbaukhage: Nicht aufregen. Nur wundern.

  • 3
    5
    1953866
    10.02.2018

    @tbhaukhe, ach, jetzt geht es plötzlich nicht mehr um eine "politisch motivierte Straftat... mit Vokabular aus dem rechtsradikalen Milieu" sondern nur noch um Beleidigung von Erwachsenen? 1. ich habe kein Verständnis für Beleidigungen von Erwachsenen geäußert, sonder nur diese Vorwürfe: "rechtsradikal, politisch motiviert" hinterfragt. 2. Erklärungen, warum die Respektlosigkeit gegenüber Erwachsenen seit Jahren steigt versuchen uns Medien und Psychologen mit mehr oder weniger Schulterzucken zu erklären. 3. Respektlosigkeit ist vorwiegend ein Problem an Schulen mit hohem Migrationshintergrund, da wiederum bei Kindern einer bestimmten Religion und da wieder besonders gegen Lehrerinnen. Da sind verbale Entgleisungen ganz anderer Art an der Tagesordnung und verbale Angriffe noch das geringere Problem. Das wird zwar versucht unter dem Deckel zu halten, allerdings ohne Erfolg. Diese Äußerung eines Schülers aus einem anderen Kulturkreis an einer Berliner Schule hätte wahrscheinlich nicht mal die betroffene Lehrerin gejuckt. Hier aber "Auschwitz" und noch dazu von einem deutschem Schüler, da wird rotiert und sofort (gegen einen 15 Jährigen) die Nazikeule geschwungen. https://www.morgenpost.de/politik/article212851693/Lehrer-beklagen-in-Brandbrief-Gewalt-und-Respektlosigkeit.html http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/134132/index.html und so weiter, und schon lange ein Problem. Rütli-Schule ein Begriff?

  • 7
    5
    kartracer
    10.02.2018

    @tbaukhage, erklären SIE bitte, mit welchem Recht SIE hier im Forum jeden mit DU ansprechen, wenn SIE doch so ein so sehr auf Anstand bedacht sind? Daß die junge Generation die Regeln der Achtung und des Anstandes für nichtig erklärt hat ist, denke ich den meisten bekannt.

  • 3
    6
    tbaukhage
    10.02.2018

    @1953...: Erkläre uns, was Deiner Meinung nach rechtfertigen könnte, dass ein 15jähriger Rotzlöffel eine(n) Erwachsene(n) beleidigen darf!

  • 6
    5
    1953866
    09.02.2018

    @Tbaukhage, Blackadder, weiß einer von Euch den Kontext, warum, wieso, weshalb der 15 Jährige "rechtsradikale" Schüler dies sagte. In Auschwitz gab es nicht nur Opfer, sondern auch Täter Die Möglichkeit, es handelt sich um eine strenge, resolute Lehrerin und der Schüler meint das ganz anders wird kategorisch ausgeschlossen? Ich kenne den Hintergrund nicht. @Blackadder, Sie sind gerade die Richtige, um hier über Leute zu klagen die immer wieder Verständnis zeigen, oder Entschuldigung für bestimmte Taten suchen. Diese Worte an die Lehrerin von einem 14, 15 jährigen Schüler muslimischen Glaubens und von Ihnen wäre entweder Schweigen im Walde, oder Sie würden sich im Relativieren überschlagen.

  • 4
    9
    Blackadder
    09.02.2018

    @tbaukhage: Für rechtsradikale Straftäter wird hier im Forum von einigen immer wieder Verständnis gezeigt, bzw. nach Gründen oder Entschuldigungen gesucht.

  • 6
    4
    tbaukhage
    09.02.2018

    @Interessierte: Möchtest Du die politisch motivierte Straftat des Schülers relativieren und zum Ausdruck bringen, dass die Lehrerin wohl selbst Schuld war, wenn sie mit Vokabular aus dem rechtsradikalen Milieu beleidigt wurde?

  • 3
    4
    Interessierte
    09.02.2018

    Was hat denn diese Frau geäußert bzw. unterrichtet oder gelehrt , wenn der junge Mann zu solch einer Feststellung kommt ???

  • 3
    7
    Interessierte
    08.02.2018

    Warum - hat er denn das gesagt , was hat ihn denn dazu bewegt , das sollte man vielleicht erst einmal erfragen ; und wer - ist denn diese Lehrerin ?

  • 11
    3
    mathausmike
    06.02.2018

    Wehret den Anfängen!!!



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