Aus Witwen- wird Bürgerhaus

Die Schule des mehr als 600 Jahre alten Klosters in Frankenhauses ist bereits saniert. Jetzt wollen die Heimatschützer ein neues Projekt starten.

Frankenhausen.

Bereits nach dem Jahrhunderthochwasser 2013 plante der Verein "Sächsischer Heimatschutz" die Restaurierung des rund 200 Jahre alten und zum ehemaligen Zisterziensernonnenkloster in Frankenhausen gehörenden Witwenhauses. Durch das Hochwasser war die Statik eines Teils des Witwenhauses, welcher an die mehr als 600 Jahre alte Klosterschule angrenzt, aus den Fugen geraten. Inzwischen wurden die Schäden im Mauerwerk behoben. Drei Zug- anker, davon zwei quer und einer längs, geben den Kreuzgewölben und Wänden wieder Halt, sodass nun das eigentliche Vorhaben in Angriff genommen werden kann: der Umbau des Witwenhauses in ein Bürgerhaus.

Damit wurde bereits im Vorjahr begonnen. Jetzt, nach dem Ende des Winters, beginnt die Haupttätigkeit. Ein Teil des Erdgeschosses im Witwenhaus, zu DDR-Zeiten als Traktorengarage genutzt, wurde komplett entkernt und in der Decke teilweise neue Balken eingezogen. Die Verbindungstreppe in die obere Etage wurde demontiert. "Der Boden im Erdgeschoss musste um rund 30 Zentimeter abgetragen werden, um Gleichheit im gesamten Gebäude herstellen zu können. Das war notwendig, damit das Gebäude künftig auch von Behinderten barrierefrei genutzt werden kann", sagt Vereinschef Lutz Kretzschmar. Ein Vorhaben, das für erheblichen Mehraufwand sorgt. Mit dem Absenken des Fußbodens müssen auch die Fundamente für die notwendigen Stützpfeiler erneuert werden, die das Obergeschoss tragen. Um während der Bauphase auch die obere Etage, die zu DDR-Zeiten zum Wohnen genutzt wurde, erreichen zu können, wurde auf der Giebelseite eine provisorische Treppe errichtet. Im Obergeschoss sollen künftig Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher geschaffen werden, neun Betten an der Zahl.

"Das geschieht erst in Phase 2. Derzeit konzentrieren wir uns auf die erste Etappe und wollen diese bis Jahresende abgeschlossen haben", erklärt Lutz Kretzschmar. Der Vorraum im Erdgeschoss des Witwenhauses, insgesamt 87 Quadratmeter groß, soll künftig unter anderem eine kleine Küche, getrennte Toiletten für Damen und Herren sowie ein WC für Behinderte enthalten. Der angrenzende Raum, der in der Vergangenheit hauptsächlich für vereinsinterne Zwecke genutzt wurde, soll als Bürgerversammlungsraum dienen. Für den Umbau des Erdgeschosses ist die Finanzierung gesichert. An Kosten sind rund 253.000 Euro veranschlagt, von denen der Verein 150.000 aus dem Leader-Programm erhält. Die restlichen 103.000 Euro müssen die Heimatschützer selber aufbringen.

Läuft alles nach Plan, wird im kommenden Jahr mit Phase 2 begonnen, die dann auch die Neugestaltung der Fassade beinhaltet. Die soll optisch der angrenzenden ehemaligen Klosterschule angepasst werden. Das Gebäude hat der rund 50 Mitglieder zählende Verein zwischen 2007 und 2012 aufwändig restauriert. Beide Gebäude des ehemaligen Klosterkomplexes gehören dem Verein, die meisten der ebenfalls noch erhaltenen Objekte einem Geschäftsmann aus Italien. Der hat bisher allerdings wenig Interesse am Erhalt der historischen Bausubstanz gezeigt. Einige Gebäude sind inzwischen einsturzgefährdet.

Die Pläne der Sächsischen Heimatschützer gehen noch weiter. Dort, wo heute eine provisorische Leiter in das Obergeschoss des Witwenhauses führt, stand einst die ebenfalls zum Kloster gehörende Brennerei. Diese wurde 2007 nach Einsturz des Daches zurückgebaut. An der Stelle plant der Heimatverein vorerst einen kleinen Flachbau, der sich in das Gesamtbild des historischen Ensembles einfügt und erweiterungsfähig sein wird. "Konkrete Pläne für die Widerherstellung der ehemaligen Brennerei und Brauerei gibt es derzeit nicht. Momentan sind wir mit dem Witwenhaus voll ausgelastet. In dem Zusammenhang ein großes Lob an unsere älteren und erfahrenen Vereinsmitglieder, ohne die wir das gesamte Vorhaben bisher und auch zukünftig nicht stemmen könnten."

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