Theologen richten Appell an Pfarrer

Auch unter Christen gibt es Streit um den richtigen Umgang mit der Flüchtlingskrise. Ein Brief beklagt Fehlverhalten.

Dresden.

Sächsische Theologen haben sich gestern in einem offenen Brief an Pfarrerinnen und Pfarrer in Sachsen gewandt. Sie verleihen darin ihrer Sorge Ausdruck, dass bei Veranstaltungen in Kirchen gegen Prinzipien der christlichen Ethik verstoßen wird. "Wir erleben Angriffe auf die Menschenwürde, die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte, die Prinzipien der Freiheit, der Toleranz und der Rechtsstaatlichkeit sowie einen Mangel an Empathie mit schutzbedürftigen Menschen", heißt es in dem Brief. Es gebe in Veranstaltungen in Kirchen "Wortführerschaft, die die parlamentarische Demokratie verächtlich macht oder ablehnt, offen Rassismus äußert und Gewaltakte verharmlost, billigt oder gar zu solchen aufruft". Es fänden Diskussionen statt mit manipulativer, parteiischer oder inkompetenter Moderation.

Gerhard Lindemann, Theologieprofessor an der TU Dresden, ist einer der Erstunterzeichner des Briefes. Der ist vor dem Hintergrund von Veranstaltungen in Dresden-Strehlen und in der Dresdner Kreuzkirche entstanden. So habe bereits am 20. Januar in der Strehlener Petruskirche eine Veranstaltung stattgefunden, die von der Organisation "Strehlen wehrt sich gegen die Politik" organisiert worden war. Unter anderem trat Pegida-Mann Nicos Chawales auf. Der Pfarrer der Kirche habe als Privatperson die Veranstaltung verfolgt. Er habe selbst dann nicht eingegriffen, als islamfeindliche Äußerungen fielen und der offizielle Sektenbeauftragte der Landeskirche, Harald Lamprecht, falsche Aussagen korrigieren wollte.

Die neun Autoren des Briefes verweisen auf 1989. Damals hätten die Kirchen ihre Räume für Bürgerversammlungen geöffnet, denen es darum ging, Bürgerrechte im Sinne von Freiheit und Demokratie in einem totalitären System und gegenüber staatlichen Organen durchzusetzen. Seinerzeit gab es kaum andere Räume. Das sei heute anders. Für Veranstaltungen zu aktuellen Fragen könne man auch andere öffentliche Räume nutzen. Darauf sollten Pfarrer bei Anfragen verweisen. Sie sollten zumindest verhindern, "dass in Kirchen Menschen zu Wortführern werden, ... die Religionsfreiheit und das Asylrecht einschränken möchten, die die Meinungsfreiheit nur für sich beanspruchen und sie Andersdenkenden verweigern und ein in ihrem Sinne direktes Durchregieren weniger Volksvertreter wünschen".

 

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