Beliebter Treff lebt in Erinnerungen weiter

30 Jahre später Es ist spannend, alte Bilder zu betrachten. Erst da fällt auf, was sich im Laufe der Jahre alles verändert hat. "Freie Presse" lädt ihre Leser zu Vergleichen ein - und mit Fotos von damals und heute beizutragen.

Schwarzenberg.

Wer kennt sie noch, die Wohngebietsgaststätte "Roter Löwe" in Schwarzenberg? Sie stand in dem Stadtteil, der anfangs West, später Wilhelm-Pieck-Wohngebiet hieß und heute Heide heißt. Seit 2000 gibt es den "Löwen" nicht mehr, das Haus wurde abgerissen. In der Erinnerung vieler Schwarzenberger ist die Gaststätte aber verankert - als ein beliebter Treffpunkt.

Der Mitte der 1970er-Jahre errichtete Flachbau beherbergte die Schülerspeisung für die Mädchen und Jungen aus der Hans-Beimler- und der Paul-Günther-Oberschule nebenan. Dazu gab es einen separaten Seiteneingang. Die Speisegaststätte mit großer Küche - inklusive des Bereichs der Schulspeisung - ließ sich durch zwei große Falttüren im Bedarfsfall in drei Bereiche splitten. Durch den Haupteingang an der Frontseite gelangten die Gäste in die eigentliche Wohngebietsgaststätte. Und diese wurde auf historischem Boden errichtet. Heute ist das Areal ein großer Parkplatz für den nahen Einkaufsmarkt.

"Unsere Gaststätte steht auf dem Grubenfeld eines alten Eisenerzbergwerkes, welches den Namen ,Roter Löwe' trug. Es wurde Roteisengestein mit einem Gehalt von circa 60 Prozent Eisen abgebaut, das in den zahlreichen Hammerwerken des Schwarzenberger Gebietes zur Verhüttung kam", stand in der Speisekarte für die Gäste zur Erklärung des eigenwilligen Namens.

Eine solche Karte hat Werner Faber sich aufgehoben. Der Schwarzenberger war viele Jahre Restaurantleiter in der Gaststätte, die zum Wismut-Handel und später zur HO gehörte. "Ich fing 1978 als Kellner an, habe dann die Restaurantleitung übernommen und war viele Jahre auch Lehrausbilder. Nur der ,Rote Löwe' und der Ratskeller waren damals Ausbildungseinrichtungen im Altkreis Schwarzenberg", weiß Faber zu berichten, der 1988 ein eigenes kleines Café eröffnete.

Aufgehoben hat er sich nicht nur die Speisekarte, sondern auch eine Vielzahl von Menükarten, die zu den verschiedensten Anlässen gedruckt und ausgereicht wurden oder die von Prüfungen der Lehrlinge stammen. Bis zu sieben Lehrling pro Jahr wurden ausgebildet. Insgesamt, so Faber, haben etwa 40 Mitarbeiter unter Leitung von Leonore Otter im "Roten Löwen" gearbeitet.

Unvergessen sind die Tanzveranstaltungen, die an den Wochenenden sowie zu Weihnachten und Silvester in der Gaststätte stattfanden. Donnerstags Disco für die Jugend, samstags Familientanz. Hans-Jürgen Frenzel und Lothar Neubert, damals "Disco Chromat", oder Dietmar Bittner von der "Käfer-Disco" erinnern sich noch gern an diese Zeiten.

Wesentlicher Bestandteil der Architektur in der DDR war die Einbindung von Kunst. Das nannte sich Kunst am Bau. Und so können sich sicher viele noch an die massive Wandgestaltung in der Gaststätte erinnern. Kein Geringerer als Schwarzenbergs Kunstprofessor Hans Brockhage hatte dort aus Esche eine Wand gestaltet, auf der Fragmente eines Löwen zu erkennen waren. Zudem verwendete man auch hier, wie schon im Hotel Fichtelberghaus in Oberwiesenthal, Brockhages Darstellung der Vogelbeeren - große, rote Holzperlen - als Zierde an den Raumteilern, die den Saal entlang der Fensterfront in Nischen teilten.

Völlig offen ist, wo diese Kunst nach dem Abriss abblieb. "Uns ist leider nicht bekannt, was damals aus den Arbeiten geworden ist, wo das alles hinkam", sagt Paul Brockhage, Sohn des Professors. Ein markantes Fragment der Holzwand - der springende Löwe - ist zumindest in gedruckter Form noch erhalten. Es zierte einst das Deckblatt der Speisekarten. Dank Werner Faber gibt es diese noch. Ebenso wie einige der losen Einlegeblätter, auf deren "Getränkekarten" so legendäre Schnäpse stehen wie Kräuterlikör "Fichtelwichtel" (4 cl für 2,00 Mark), Mokka-Edel (4 cl für 1,80 Mark) oder eine Flasche Rotwein der Marke "Erlauer Stierblut" für 7,30 Mark.

Nach der Wende 1990 übernahmen für kurze Zeit zwei Einheimische die Leitung der Gaststätte, bevor über die Treuhand ein Investor namens Schweinle aus dem Schwabenland die Immobilie erhielt. Doch geschehen ist in dessen Regie nichts, was in irgendeiner Weise erwähnenswert wäre. Außer der Tatsache, dass die Gaststätte fortan mehr und mehr verfiel - bis schließlich das Grundstück, auf dem sie stand, vom Betreiber der nahen Kaufhalle gekauft und zu einem Parkplatz umfunktioniert wurde.

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