Bio-Angebot lässt noch Wünsche offen

Der Umsatz an ökologisch erzeugten Lebensmitteln wächst. Davon profitieren auch Einzelhändler im Erzgebirge, die sich komplett auf diese Sortimente eingestellt haben. Allerdings müssen die Geschäfte mit der Zeit gehen.

Aue / Schwarzenberg.

Die Tante-Emma-Laden-Atmosphäre mit Körnertüten, Müslimischungen und Räucherstäbchen ist für die Bio-Läden im Erzgebirge vorbei. Die Kunden wollen am liebsten die Auswahl eines Supermarktes, aber alles bio und am besten regional. Zudem soll das Auto vor dem Geschäft parken können. Das berichten Inhaber von Bio- und Naturkostläden, die vom Bio-Boom profitieren. Doch es gibt auch Probleme. "Freie Presse hat sich in einigen Läden umgehört.

Schwarzenberg: Christian Drechsel betreibt seit 15 Jahren einen Bio-Markt. Seit er mit diesem vor etwa fünf Jahren in ein ehemaliges Autohaus an der Bundesstraße 101 umgezogen ist, habe sich der Umsatz verdreifacht, sagt er. Jetzt gebe es 250 Quadratmeter Ladenfläche und reichlich Parkplätze. Seither habe er Kunden gewonnen, die zuvor Bio-Produkte überwiegend in Chemnitz oder Zwickau eingekauften. "Die Leute wollen aus dem Komplettsortiment auswählen, von frischem Obst bis hin zum Waschmittel alles in den Regalen finden", so Drechsel. Ein Teil der Kunden schätze es zudem, wenn nicht wie beim Discounter oder in kleineren Läden Bio- neben konventionellen Produkten stehen. "Bei uns muss sich niemand erst jede Verpackung genau ansehen", sagt er. Das regionale Angebot sei allerdings auch bei ihm noch sehr begrenzt. Etwa 70 Prozent der Produkte beziehe er über Großhändler, den Rest direkt von den Herstellern. Bestellungen für den Biomark seien aufwendig. Zudem wechselt er hin und wieder im Sortiment. "Die Leute wollen Neues probieren", so seine Erfahrung. Er nutzt unter anderem Fachmessen, um sich über Trends zu informieren. Im Laden arbeiten sieben Angestellte.

Zschopau: Das "Grüne Haus", Ludwig-Würkert-Straße 9, hat sich darauf eingestellt, für Kundenwünsche Lösungen zu suchen. Thorid Weirauch, die Ehefrau des Inhabers, berichtet vom Umzug des seit 1997 bestehenden Geschäftes vor etwa zwei Jahren in die nun rund 80 Quadratmeter großen Räume. So konnte das Sortiment, das Lebensmittel und Frischwaren, Kosmetik, Kleidung und Spielwaren umfasse, erweitert werden, sagt sie. Zudem sei die Atmosphäre im Laden nun so, dass es sich die Kunden beim Wocheneinkauf gut gehen lassen können. Wer Töpferwaren, Bauleistungen, Farben oder Fußbodenbeläge in Bio-Qualität sucht, werde gleichfalls fündig. Einzig regionale Produkte sind etwa bei Obst und Gemüse noch Mangelware. "Es gibt im Erzgebirge kaum Anbieter", sagt sie.

Annaberg-Buchholz: Der Name "Pfeffersack" kündet von der Anfangszeit des Bio-Marktes von Katrin Triebel als Gewürz-Laden. Nach vier Jahren, ab 1996, habe sie aus eigenem Interesse begonnen, auch Bio-Lebensmittel zu verkaufen, berichtet sie. Mit dem Umzug an die Wolkensteiner Straße 27 hat sie vor fünf Jahren die Verkaufsfläche verfünffacht, auf mehr als 100 Quadratmeter. Mit drei Mitarbeiterinnen verkaufe sie ein Komplettsortiment, zu dem Kosmetik und Reinigungsmittel gehören. Besonders gefragt seien Frischwaren und Vollkornerzeugnisse, kaum gefragt Fertigprodukte.

Stollberg: Lars Wenzel nennt unumwunden die größten Probleme der kleinen Läden: Das Kaufverhalten der Kunden, die zum Einkaufen nach Chemnitz oder Zwickau fahren, das Bio-Sortiment der Discounter und den Mindestlohn für Angestellte. Seit Juli ist der Naturkostladen "Sachsenkräuter", den seine Frau an der Herrenstraße betrieben hatte, geschlossen. "Es ist die Mentalität der Leute, zuerst auf den Preis zu schauen. Regionale Produkte, die oft andere Vorzüge haben, können sich deshalb nur schwer behaupten", sagt Wenzel. Mit den Spezialitäten aus Wildkräutern, die seine Frau anfertigt, ist "Sachsenkräuter" nun nur noch mittwochs auf dem Wochenmarkt präsent.

Drebach: "Leben in Holz" nennt sich der kleine Laden von Jens Maneck an der Venusberger Straße 34. Im Haupterwerb ist Maneck Holzbildhauer. Da er mit derzeit 50 Bienenvölkern auch Bio-Honig und Propolis-Produkte produziert, gibt es bei ihm auch diese zu kaufen. Außerdem Kaffee, Tee und Schokolade. Bei Bio-Honig und Kaffee sei die Nachfrage spürbar gestiegen, sagt er. "In Deutschland wird nur sehr wenig Honig nach Bio-Richtlinien produziert. Denn dafür darf man die Völker beispielsweise nicht neben jede landwirtschaftliche Kultur stellen", erklärt er.

Waldkirchen: Trotz eines begrenzten Angebotes hat der Laden der Rolle-Mühle im Grünhainichener Ortsteil Waldkirchen, Zschopenthal 15, laut Geschäftsführer Thomas Rolle einen beachtlichen Kundenstamm. Seit 1992 verzeichne er eine gute Entwicklung. Die Kunden kämen aus einem weiten Umkreis in die einzige produzierende Mühle im Erzgebirge. Der Laden sei bekannt, zudem würde die Beratung, beispielsweise von Allergikern, geschätzt. Die Nachfrage nach Bio-Produkten habe dabei zugenommen, sagt er. Nur Backmischungen, auch die ohne Chemie, hätten es schwer. Gefragt sind laut Rolle auch Süßigkeiten und Öle aus der Region.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...