Wie sich das Auer-Klinikum für den Ärztemangel wappnet

In den nächsten Jahren geht die Hälfte der niedergelassenen Mediziner in den Ruhestand. Weil diese Lücken nicht zu schließen sind, sucht das Helios-Klinikum nach Auswegen. In Erlabrunn ist man schon weiter.

Aue/Erlabrunn.

Videosprechstunde statt Arztbesuch: Das ist nicht die ferne Zukunft, sondernin Aue bereitsRealität. Und es hat einen ernsten Hintergrund. "Denn der Bus voll mit Ärzten wird nicht kommen", sagt Marcel Koch, Geschäftsführer des Auer Helios-Klinikums, mit Blick auf den schon spürbaren Medizinermangel vor allem im ländlichen Raum. Es gelte, neue Strukturen zu schaffen, um Patienten in Zukunft adäquat versorgen zu können.

Telemedizin ist ein Beispiel. "Natürlich kann eine Videokonferenz mit dem Arzt nicht immer den Praxisbesuch ersetzen", sagt Koch. Für bestimmte Anliegen sei sie aber geeignet. Deshalb praktiziert man sie in den Medizinischen Versorgungszentren von Helios in Aue. Sechs Fachärzte haben eine Videosprechstunde etabliert. Weitere Optionen, um die "Ressource Arzt" zu schonen, sind für 2019 geplant. "Sachsenweit werden in fünf Jahren 30 Prozent und in zehn Jahren 50 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Ruhestand gehen - für das Erzgebirge bedeutet das in Zahlen 35 Haus- und 45Fachärzte", sagt er. Dann laste mehr Verantwortung auf den Kliniken.

Darauf müsse man reagieren - etwa mit Servicestellen in schlecht versorgten Gebieten. Will heißen: Ärzte und Pfleger der Klinik bieten an festgelegten Tagen in ausgesuchten Orten Sprechstunden an. Die Auer sind im Vogtland an einem Pilotprojekt beteiligt. Erste Erkenntnisse zur Umsetzbarkeit erhofft sich Koch Anfang 2019.

Dann soll auch eine neue Hotline geschalten werden, über die Patienten aus dem Erzgebirge an Helios-Fachärzte vermittelt werden sollen - und zwar bundesweit, dafür aber so zügig wie möglich. "Wir haben festgestellt, dass Patienten gern längere Wege in Kauf nehmen, wenn sie schnell einen Termin bekommen", berichtet Koch.

Hausintern seien zudem weitere Schritte geplant, darunter das Aufstocken der Ausbildungs- und Betriebs-Kitaplätze. Die Arbeit in Medizin und Pflege müsse attraktiver und effektiv gestaltet werden. Im Jahr 2020 soll auch die letzte Papierakte aus dem Klinikum verschwunden sein. "Wir streben eine Volldigitalisierung an und wollen unsere Ärzte, etwa für die Visite, mit PC-Tablets ausstatten."

Und wie sieht es andernorts aus? Telemedizin ist für die Mediziner in den Kliniken Erlabrunn schon seit Jahren ein Thema. Das betont Geschäftsführerin Heidrun Ballmann. So arbeite die Einrichtung bereits seit gut zehn Jahren in engen Kooperationen mit Kliniken in Altenberg und Leipzig. "Mehr oder weniger ist das auch aus der Not heraus entstanden. Denn wir haben nicht rund um die Uhr einen Neurologen im Haus. Aber unsere Schlaganfallpatienten werden so über Videokonferenz von den Neurologen in Altenberg angesehen und betreut. Das funktioniert hervorragend", so Ballmann.

Zudem können niedergelassene Ärzte aus der Region bereits heute auf die Daten und Radiologie-Aufnahmen ihrer Patienten im Datensystem der Kliniken zugreifen. Doch dieser Datentransfer erfordere auch die entsprechenden Datenautobahnen, sagt Ballmann. Und gerade diesbezüglich hat Erlabrunn kürzlich einen Rückfall erlitten, um im Bild der Medizin zu bleiben: Statt eines Glasfaserkabels wurde den Kliniken ein Kupferkabel ins Haus gelegt.

In Aue plant die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen für 2020, auf dem Zeller Berg eine sogenannte Portalpraxis zu etablieren. Diese hat außerhalb der üblichen Praxiszeiten geöffnet und soll sowohl die Bereitschaftsdienste der niedergelassenen Ärzte als auch die Notfallambulanz entlasten. Zuletzt packt man 2019 den größten Kritikpunkt der Patienten an. Helios-Geschäftsführer Koch verspricht: "Wir bauen einen weiteren Parkplatz." (mit matu)

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