Wolf: Nerven bei Tierhaltern liegen blank

Drei tote Kälber innerhalb kurzer Zeit auf der Weide in Neudorf. Manche sehen die gesamte Tierzucht im Erzgebirge gefährdet.

Annaberg-Buchholz.

Am 24. Juni hatte Frank Hauschild ein totes Kalb mit auffälligen Verletzungen auf einer der Weiden des landwirtschaftlichen Unternehmens in Neudorf liegen. Damals ahnte der Geschäftsführer des Erzgebirgischen Wirtschaftshofes Schlettau noch nicht, dass nur wenige Tage später noch zwei weitere tote Tiere dazu kommen würden - am Montag und am Mittwoch dieser Woche. Die Emotionen sind immer noch spürbar, als er zur Informationsveranstaltung zum Thema Wolf wenig später im Landratsamt in Annaberg- Buchholz darüber spricht. Auch, weil er noch nicht einmal die Untersuchungsergebnisse zu dem ersten toten Kalb vorliegen hat. "Sonst dauert das höchstens eine Woche", sagt er.

Verantwortlich für die Untersuchungen zeichnet die Landesuntersuchungsanstalt in Dresden. Dorthin sind die Kadaver der Tiere auch gebracht worden - nach der Rissbegutachtung durch Mitarbeiter des Landratsamtes. Sie gehen "dem äußeren Anschein nach" allerdings davon aus, dass es sich nicht um einen Wolfsriss handelt. Vielmehr ist von einer Totgeburt die Rede. Bei Frank Hauschild als erfahrenem Landwirt und Tierzüchter bleiben dennoch Zweifel.


Auch, was den Blick in die Zukunft betrifft. "Wir mussten im vo-rigen Jahr schon die Bullenzucht aufgeben - wegen des Futtermangels", berichtet er. Wenn nun wegen des Wolfes auch noch die Mutterkuhherde als Wirtschaftszweig für das Unternehmen wegbreche, bleibe nur noch die Milch - für ein Unternehmen mit 35 bis 40 Beschäftigten. Denn erschwerend für die Rinderzüchter kommt hinzu, dass es für Rinderherden bisher - im Gegensatz zu Schafen und Ziegen beispielsweise - noch gar keine geeigneten Schutzmaßnahmen gebe. Das bestätigt Vanessa Ludwig von der neu gebildeten Fachstelle Wolf, die am 1. Juni ihre Arbeit aufgenommen hat. Und so sahen viele der anwesenden Rinderzüchter - aber auch an-dere Tierhalter - die Gefahr, dass es womöglich bald keine Tierzucht mehr im Erzgebirge geben wird. Auch, weil bisher gängige Schutzmaßnahmen, beispielsweise Elek-trozäune, im Gebirge nicht nutzbar seien.

Die einzige Lösung dieses Problemes sieht unter anderem Frank Markert vom Landesjagdverband in einer "wolfsfreien Zone", wie sie auch anderswo in Deutschland Jäger, Landwirte und Waldbesitzer fordern. Zumal seitens der Fachstelle mittlerweile davon ausgegangen wird, dass sich Jungtiere auch im sächsischen Erzgebirge niederlassen werden. Denn mittels DNA-Untersuchungen konnten Risse bereits den Nachkommen des im tschechischen Vysluni verorteten Rudels nachgewiesen werden.

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