Leidenschaft für die Feuerwehr eint die Generationen

Familie Drilltzsch aus Reitzenhain ist eine Institution unter den Rettern. Am Wochenende feiert sie - mit der gesamten Wehr. Die wird 140 Jahre alt. Und hat sich wieder berappelt.

Reitzenhain.

Wenn die Freiwillige Feuerwehr Reitzenhain am Wochenende ihr 140-jähriges Bestehen feiert, dann ist Familie Drilltzsch mittendrin. In sechster Generation engagiert sie sich in der Wehr, aktuell sind vier Generationen gleichzeitig dabei. "Mein Urgroßvater trat der Wehr 1904 bei. Seither gehört die Familie dazu", sagt Thomas Drilltzsch, der stolz darauf ist, dass seine Familie ein Stück der Geschichte mitgeschrieben hat.

Der heute 71-Jährige kam über seine Eltern zur Reitzenhainer Wehr. "Die waren beide aktiv. Meine Mutter ist heute mit 95 das älteste Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung", berichtet Thomas Drilltzsch, der selbst zweimal und für insgesamt rund sieben Jahre als Wehrleiter in Reitzenhain tätig war und sich an viele schöne, aber auch an brisante Ereignisse in seiner mehr als 50-jährigen Zugehörigkeit zur Wehr erinnert.

Christoph Ulrich

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"Zwei Großbrände in Satzung in den 1980er-Jahren gehören zu meinen größten Einsätzen. Da brach in einem Unternehmen ein Feuer aus, zunächst nach einem Blitzschlag; Jahre später durch Brandstiftung. Nach der Wende bin ich mehrfach mit meinem Privatauto und einigen Kameraden zum Einsatz gefahren, um beispielsweise Bäume nach Schneebruch von Straßen zu räumen. Denn unser B-1000-Einsatzfahrzeug hatte gravierende technische Mängel", erzählt Drilltzsch.

Aus seiner Sicht stand die Reitzenhainer Wehr Anfang der 2000er-Jahre am Scheideweg. "Wir wurden 2001 vom Oberbürgermeister außer Dienst gestellt", erinnert sich der Elektromeister. Mehrere Faktoren hatten dazu geführt, dass die Einsatzkräfte nur mangelhafte feuerwehrtechnische Qualifikationen hatten. Es fehlte zudem an Nachwuchs, und die Einsatztechnik war hoffnungslos veraltet. "Die wenigen verbliebenen Aktiven haben sich dann zusammengerauft, die Eigeninitiative ergriffen, Fortbildungen absolviert und unter großen Anstrengungen neue Mitglieder geworben. Beim Hochwasser 2002 wurden wir gebraucht und wieder in Dienst gestellt", erinnert sich Drilltzsch.

Zu den neuen Mitgliedern der Wehr, die geworben wurden, zählte auch Martin Drilltzsch. "Die Begeisterung für die Wehr habe ich von meinem Vater geerbt. Deshalb war es keine Frage für mich, mitzumachen. Wir sind ja nur rund 280 Einwohner im Ort", so der heute 40-Jährige, dessen drei Kinder auch mit dem Feuerwehr-Virus infiziert sind. Sohn Louis und Tochter Hannah, elf und neun Jahre alt, sind schon in der Jugendfeuerwehr aktiv. Karl, vier Jahre, kann es kaum erwarten, mitmachen zu dürfen.

Am kommenden Wochenende dürfen auf jeden Fall alle Familienmitglieder dabei sein. Denn da wird das Gründungsjubiläum gefeiert, für das alles bestens vorbereitet wurde. Auch durch die Mitarbeit von Familie Drilltzsch.


1968 wird eine Frauengruppe gegründet

Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Reitzenhain 1879. Ein Jahr vorher gab es im Ort schon eine Wasserspritze. Die erste motorbetriebene Spritze wurde 1925 in den Dienst gestellt.

Am 18. Februar 1949 wurde die Wehr neu gegründet; 1968 wurde zudem eine Frauenlöschgruppe ins Leben gerufen.

Nach Umbauarbeiten konnten die Kameraden im April 2014 ihre Räume und Fahrzeughallen am jetzigen Standort beziehen. Derzeit sind in der Reitzenhainer Wehr 19 Mitglieder aktiv. 16 Kinder und Jugendliche lernen in der Jugendfeuerwehr. 6 Mitglieder hat die Alters- und Ehrenabteilung.

Den Kameraden stehen drei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung: ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF10), ein Großtanklöschfahrzeug

(GTLF) mit 15.000 Litern Löschwasser an Bord, sowie ein Mannschaftstransportwagen (MTW).

Durchschnittlich werden die Reitzenhainer einmal monatlich alarmiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf technischen Hilfeleistungen. In diesem Jahr gab es allerdings schon 17 Einsätze, bedingt durch Sturm und Schneebruch.

Das Fest zur 140-Jahr-Feier, zu dem auch eine 25-köpfige Delegation der Partnerwehr aus dem gleichnamigen Reitzenhain im Taunus erwartet wird, beginnt am Samstag, 15 Uhr, am Gerätehaus, Ernst-Thälmann-Straße 67.

Besucher bekommen eine Technikschau mit alter und neuer Fahrzeugtechnik sowie Schauvorführungen geboten. 20 Uhr findet im Festzelt eine Disco statt.

Am Sonntag werden zahlreiche Motorradfahrer zum Blaulichtgottesdienst, der 9.30 Uhr beginnt, er- wartet. Danach gibt es 11 Uhr einen Frühschoppen mit böhmischer Blasmusik.

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