Wolkenstein plant umfangreiches Hochwasserschutz-Programm

Um die kritischen Stellen künftig zu sichern, will die Kommune einen Risikoplan aufstellen. Das wird teuer - soll aber langfristig helfen.

Wolkenstein.

Heftig - das ist wohl das treffendste Wort, mit dem sich die Situation in Wolkenstein beschreiben lässt. Hochwasser und Unwetter haben in den vergangenen Jahren Bachläufe, Brücken und Mauern in der Bergstadt beschädigt. Seitdem investierte die Kommune, beschaffte Fördergelder, brachte Bauvorhaben auf den Weg. Doch starke Niederschläge Mitte Juni und Ende August haben erneut große Schäden verursacht und offenbart: Die Kommune steht vor einer Herkulesaufgabe, um sich gegen immer stärker werdende Unwetter zu wappnen. Das soll nun mit einem Hochwasserrisikomanagementplan gelingen. Dieser erfasst Risikobereiche und soll den Weg für deren Instandsetzung und Ausbau ebnen.

Die Ausgangslage: Auf neun Millionen Euro hat Bürgermeister Wolfram Liebing (parteilos) die Kosten beziffert, um die Schäden des jüngsten Unwettern zu beheben. Und: "Es gibt keine schnellen Lösungen." Der Stadtrat hat sich nun ein Bild gemacht und Stellen unter anderem in Gehringswalde und Hilmersdorf besichtigt, die durch hohe Niederschlagsmengen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bauamtsleiter Jens Voigt erklärt, dass es sich um Beispiele handele. Im Grunde seien im gesamten Bereich der jeweiligen Bachläufe Schäden entstanden und Anwohner betroffen - hinzu kämen weitere Ortsteile und Wanderwege.

Hilmersdorf: Östlich der Kreuzung B 101/Straße des Friedens kamen Wassermassen aus dem Gewerbegebiet und den oberen Dorfbereich hinab. Diese konnte der Bach entlang der Straße des Friedens nicht bewältigen. Anliegende Häuser wurden umspült. Weiter bachabwärts wurde der Bereich am Abzweig Drei-Rosen-Weg beschädigt. Dort fließt das Wasser teilweise unterirdisch durch Rohre, die für die Niederschlagsmenge zu klein waren. Resultat: überschwemmte Wege, beschädigte Häuser und große Mengen Schlamm, die zurückgeblieben sind.

Gehringswalde: Am Ortseingang aus Richtung Hilmersdorf strömte massiv Hangwasser hinab und sammelte sich im Bach Tiefer Graben. Der Bachlauf war dafür zu klein und konnte der Kraft und Geschwindigkeit des Wassers nicht standhalten. Das Bachbett wurde stellenweise zerstört und ist in Teilen - insbesondere im oberen Dorfbereich - nicht mehr vorhanden. Im Kreuzungsbereich Hauptstraße/Am Kurpark (Abbiegung Richtung Warmbad) trat der Bach massiv über die Ufer und umspülte Häuser. Mitgeschwemmte Ästen und Unrat verstopften Rohre. Bachüberführungen und Häuserzufahrten wurden beschädigt.

Der Plan: Ein Hochwasserrisikomanagementplan soll Wolkenstein zukunftssicher machen. Darin werden sämtliche Bachläufe neu vermessen und erfasst. Laut Voigt erfolgt eine Berechnung mit größeren zu erwartenden Wassermengen. So sollen Risikobereiche erkannt werden: Wo müssen Bachläufe erweitert werden? Wo sind Befestigungen zu schwach? Wo verursachen Gefälle und Fließgeschwindigkeit Probleme? Der Plan sei Grundlage, um in Zukunft die notwendigen Instandsetzungsarbeiten umsetzen zu können und auch um Fördergeld dafür zu bekommen.

Die Kosten: Ersten Schätzungen zufolge schlägt der Plan mit 150.000 Euro pro Ortsteil zu Buche. Vorgesehen sind zunächst Hilmersdorf mit Warmbad und Gehringswalde. Die Kommune muss die Kosten nicht allein tragen. Voigt strebt eine Förderung von 90 Prozent mithilfe des Freistaats an. Die Höhe der Kosten geht zurück auf umfangreiche Vermessungsarbeiten und weil Spezialplaner gefragt sind. Laut Landesdirektion Sachsen werden im Erzgebirge bisher sieben Hochwasserrisikomanagementpläne gefördert, darunter in Ehrenfriedersdorf, Jahnsdorf und Zwönitz. Es gibt auch Kommunen, die gemeinsam für ein Gewässer einen Plan erstellt haben.

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