Abgestorbene Bäume sollen bei Regeneration des Waldes helfen

Fichten, die der Borkenkäfer erledigt hat, werden im Forstbezirk Marienberg nicht mehr beseitigt. Das Totholz schafft Bruträume für Vögel und zahlreiche Insektenarten. Doch der Staatsbetrieb hat für dieses Vorgehen noch einen anderen Beweggrund.

Zschopau/Marienberg.

Bei Spaziergängen werden Waldbesucher möglicherweise häufiger auf abgestorbene Fichten treffen. Denn vom Borkenkäfer getötete Bäume, von denen keine Gefahr mehr ausgeht, lässt der Sachsenforst inzwischen stehen. "Nur an Wanderwegen und Straßen werden die Gehölze noch gefällt, bleiben dort aber liegen", erklärt Gunter Haase.

Das Vorgehen begründet der Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Marienberg mit den Holzpreisen, die sich gerade im Keller befinden. Der Aufwand, das minderwertige Material ins Sägewerk zu schaffen, wäre höher als der Erlös. Schon seit dem Herbst werde so verfahren, sagt der Betriebsleiter, räumt aber auch ein, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich diese Vorgehensweise durchsetzt. Schätzungsweise zehn Prozent des Schadholzes im Forstbezirk, der neben dem mittleren Erzgebirge auch Teile von Mittelsachsen umfasst, wird laut Haase nicht mehr aufbereitet. Der Regeneration des Waldes ist das sogar dienlich: Abgestorbene Bäume werden irgendwann zu Humus. Davor schaffen sie Bruträume für Vögel und zahlreiche Insektenarten.


Der Forst konzentriert sich beim Aufräumen stattdessen auf jene Gehölze, die den Borkenkäfer anlocken. Der Fachmann spricht von "fängischem Holz". Das sind noch lebende Bäume mit grünen Nadeln, die durch Stürme und Schneebruch umgeworfen oder gebrochen wurden. Aber auch vermeintlich gesunde Fichten, die unter Trockenstress leiden, zählen dazu.

Wenngleich die wechselhafte Witterung der zurückliegenden Tage die Entwicklung des Holzschädlings verlangsamt hat, gibt es keine Entwarnung. "Mit den Niederschlägen haben wir nur Zeit gewonnen", sagt Gunter Haase. Der Holzschädling habe inzwischen neue Wirtsbäume angeflogen, unter der Rinde Muttergänge angelegt und mit der Eiablage begonnen. Kühle und feuchte Witterung verzögere diesen Prozess. "Deshalb hoffen wir weiter auf Feuchtigkeit."

Mindestens 20 Unternehmen mit und ohne Harvester räumen derzeit im Forstbezirk auf. Hinzu kommen 50 Waldarbeiter des Sachsenforstes. Weil Transportkapazitäten knapp sind, werden im Wald Holzsammelplätze - sogenannte Polter - angelegt. Und weil die Stämme wohl für längere Zeit dort liegen bleiben, werden sie mit Insektenvernichtungsmitteln behandelt.

Umweltverbände sehen das kritisch. Gerade im Hinblick auf das Problem des Insektensterbens hält Tobias Mehnert den Einsatz von Insektiziden für den falschen Weg. "Wenn man auch noch im Wald mit Gift arbeitet, dann ist das kontraproduktiv", macht der Vorsitzende des Naturschutzverbands Sachsen (Nasa) deutlich. Ausdrücklich begrüßt der Nasa-Chef dagegen, dass der Sachsenforst nicht mehr alle abgestorbenen Bäume fällt: "Stehendes Totholz erhöht die Artenvielfalt und schafft genau die Nischen, die im Wald selten geworden sind." Im gleichen Atemzug kritisiert Mehnert, dass der Staatsbetrieb aus einem ökonomischen Zwang heraus handele, nicht aus ökologischer Einsicht. "Der Borkenkäfer ist ein ökonomisches Problem des ,Wirtschaftsförsters'. Ökologisch macht der Käfer überhaupt keinen Schaden", verdeutlicht er den Nasa-Standpunkt.

Im benachbarten Tschechien scheint dahingehend ein Umdenken eingesetzt zu haben. In der Böhmischen Schweiz hat es die Fichtenmonokultur bei Trockenheit noch schwerer als im Erzgebirge - nicht zuletzt wegen des trockenen Sandsteinbodens und der südlichen Lage.

Wie im Erzgebirge galt es bislang im Nationalpark Böhmische Schweiz, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und schnell aus dem Wald zu bringen, damit gesunde Bäume nicht betroffen werden. Doch die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr beschleunigte die Ausbreitung des Schädlings. Im Ergebnis der Notabholzung ließ der Nationalpark 45.000 Kubikmeter Holz aus seinem Wald schaffen. Dabei entstand eine baumlose Fläche, die in etwa 50 Fußballfeldern entspricht. Damit sah die Nationalparkleitung ihre bisherige Strategie im Kampf gegen den Käfer als gescheitert an. Es folgte die Wende: Im größten Teil des Nationalparks sind Baumfällungen wegen Borkenkäferbefalls künftig verboten. Die Gehölze werden ihrem Schicksal überlassen und ein weiteren Befall wird in Kauf genommen. Die abgestorbenen Baumreste könnten dem Neubewuchs dagegen bessere Bedingungen bieten. Das Totholz spendet Schatten und hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, so die Überlegung. (mit oha)

Bei Spaziergängen werden Waldbesucher möglicherweise häufiger auf abgestorbene Fichten treffen. Denn vom Borkenkäfer getötete Bäume, von denen keine Gefahr mehr ausgeht, lässt der Sachsenforst inzwischen stehen. "Nur an Wanderwegen und Straßen werden die Gehölze noch gefällt, bleiben dort aber liegen", erklärt Gunter Haase.

Das Vorgehen begründet der Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Marienberg mit den Holzpreisen, die sich gerade im Keller befinden. Der Aufwand, das minderwertige Material ins Sägewerk zu schaffen, wäre höher als der Erlös. Schon seit dem Herbst werde so verfahren, sagt der Betriebsleiter, räumt aber auch ein, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich diese Vorgehensweise durchsetzt. Schätzungsweise zehn Prozent des Schadholzes im Forstbezirk, der neben dem mittleren Erzgebirge auch Teile von Mittelsachsen umfasst, wird laut Haase nicht mehr aufbereitet. Der Regeneration des Waldes ist das sogar dienlich: Abgestorbene Bäume werden irgendwann zu Humus. Davor schaffen sie Bruträume für Vögel und zahlreiche Insektenarten.

Der Forst konzentriert sich beim Aufräumen stattdessen auf jene Gehölze, die den Borkenkäfer anlocken. Der Fachmann spricht von "fängischem Holz". Das sind noch lebende Bäume mit grünen Nadeln, die durch Stürme und Schneebruch umgeworfen oder gebrochen wurden. Aber auch vermeintlich gesunde Fichten, die unter Trockenstress leiden, zählen dazu.

Wenngleich die wechselhafte Witterung der zurückliegenden Tage die Entwicklung des Holzschädlings verlangsamt hat, gibt es keine Entwarnung. "Mit den Niederschlägen haben wir nur Zeit gewonnen", sagt Gunter Haase. Der Holzschädling habe inzwischen neue Wirtsbäume angeflogen, unter der Rinde Muttergänge angelegt und mit der Eiablage begonnen. Kühle und feuchte Witterung verzögere diesen Prozess. "Deshalb hoffen wir weiter auf Feuchtigkeit."

Mindestens 20 Unternehmen mit und ohne Harvester räumen derzeit im Forstbezirk auf. Hinzu kommen 50 Waldarbeiter des Sachsenforstes. Weil Transportkapazitäten knapp sind, werden im Wald Holzsammelplätze - sogenannte Polter - angelegt. Und weil die Stämme wohl für längere Zeit dort liegen bleiben, werden sie mit Insektenvernichtungsmitteln behandelt.

Umweltverbände sehen das kritisch. Gerade im Hinblick auf das Problem des Insektensterbens hält Tobias Mehnert den Einsatz von Insektiziden für den falschen Weg. "Wenn man auch noch im Wald mit Gift arbeitet, dann ist das kontraproduktiv", macht der Vorsitzende des Naturschutzverbands Sachsen (Nasa) deutlich. Ausdrücklich begrüßt der Nasa-Chef dagegen, dass der Sachsenforst nicht mehr alle abgestorbenen Bäume fällt: "Stehendes Totholz erhöht die Artenvielfalt und schafft genau die Nischen, die im Wald selten geworden sind." Im gleichen Atemzug kritisiert Mehnert, dass der Staatsbetrieb aus einem ökonomischen Zwang heraus handele, nicht aus ökologischer Einsicht. "Der Borkenkäfer ist ein ökonomisches Problem des ,Wirtschaftsförsters'. Ökologisch macht der Käfer überhaupt keinen Schaden", verdeutlicht er den Nasa-Standpunkt.

Im benachbarten Tschechien scheint dahingehend ein Umdenken eingesetzt zu haben. In der Böhmischen Schweiz hat es die Fichtenmonokultur bei Trockenheit noch schwerer als im Erzgebirge - nicht zuletzt wegen des trockenen Sandsteinbodens und der südlichen Lage.

Wie im Erzgebirge galt es bislang im Nationalpark Böhmische Schweiz, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und schnell aus dem Wald zu bringen, damit gesunde Bäume nicht betroffen werden. Doch die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr beschleunigte die Ausbreitung des Schädlings. Im Ergebnis der Notabholzung ließ der Nationalpark 45.000 Kubikmeter Holz aus seinem Wald schaffen. Dabei entstand eine baumlose Fläche, die in etwa 50 Fußballfeldern entspricht. Damit sah die Nationalparkleitung ihre bisherige Strategie im Kampf gegen den Käfer als gescheitert an. Es folgte die Wende: Im größten Teil des Nationalparks sind Baumfällungen wegen Borkenkäferbefalls künftig verboten. Die Gehölze werden ihrem Schicksal überlassen und ein weiteren Befall wird in Kauf genommen. Die abgestorbenen Baumreste könnten dem Neubewuchs dagegen bessere Bedingungen bieten. Das Totholz spendet Schatten und hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, so die Überlegung. (mit oha)

Bei Spaziergängen werden Waldbesucher möglicherweise häufiger auf abgestorbene Fichten treffen. Denn vom Borkenkäfer getötete Bäume, von denen keine Gefahr mehr ausgeht, lässt der Sachsenforst inzwischen stehen. "Nur an Wanderwegen und Straßen werden die Gehölze noch gefällt, bleiben dort aber liegen", erklärt Gunter Haase.

Das Vorgehen begründet der Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Marienberg mit den Holzpreisen, die sich gerade im Keller befinden. Der Aufwand, das minderwertige Material ins Sägewerk zu schaffen, wäre höher als der Erlös. Schon seit dem Herbst werde so verfahren, sagt der Betriebsleiter, räumt aber auch ein, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich diese Vorgehensweise durchsetzt. Schätzungsweise zehn Prozent des Schadholzes im Forstbezirk, der neben dem mittleren Erzgebirge auch Teile von Mittelsachsen umfasst, wird laut Haase nicht mehr aufbereitet. Der Regeneration des Waldes ist das sogar dienlich: Abgestorbene Bäume werden irgendwann zu Humus. Davor schaffen sie Bruträume für Vögel und zahlreiche Insektenarten.

Der Forst konzentriert sich beim Aufräumen stattdessen auf jene Gehölze, die den Borkenkäfer anlocken. Der Fachmann spricht von "fängischem Holz". Das sind noch lebende Bäume mit grünen Nadeln, die durch Stürme und Schneebruch umgeworfen oder gebrochen wurden. Aber auch vermeintlich gesunde Fichten, die unter Trockenstress leiden, zählen dazu.

Wenngleich die wechselhafte Witterung der zurückliegenden Tage die Entwicklung des Holzschädlings verlangsamt hat, gibt es keine Entwarnung. "Mit den Niederschlägen haben wir nur Zeit gewonnen", sagt Gunter Haase. Der Holzschädling habe inzwischen neue Wirtsbäume angeflogen, unter der Rinde Muttergänge angelegt und mit der Eiablage begonnen. Kühle und feuchte Witterung verzögere diesen Prozess. "Deshalb hoffen wir weiter auf Feuchtigkeit."

Mindestens 20 Unternehmen mit und ohne Harvester räumen derzeit im Forstbezirk auf. Hinzu kommen 50 Waldarbeiter des Sachsenforstes. Weil Transportkapazitäten knapp sind, werden im Wald Holzsammelplätze - sogenannte Polter - angelegt. Und weil die Stämme wohl für längere Zeit dort liegen bleiben, werden sie mit Insektenvernichtungsmitteln behandelt.

Umweltverbände sehen das kritisch. Gerade im Hinblick auf das Problem des Insektensterbens hält Tobias Mehnert den Einsatz von Insektiziden für den falschen Weg. "Wenn man auch noch im Wald mit Gift arbeitet, dann ist das kontraproduktiv", macht der Vorsitzende des Naturschutzverbands Sachsen (Nasa) deutlich. Ausdrücklich begrüßt der Nasa-Chef dagegen, dass der Sachsenforst nicht mehr alle abgestorbenen Bäume fällt: "Stehendes Totholz erhöht die Artenvielfalt und schafft genau die Nischen, die im Wald selten geworden sind." Im gleichen Atemzug kritisiert Mehnert, dass der Staatsbetrieb aus einem ökonomischen Zwang heraus handele, nicht aus ökologischer Einsicht. "Der Borkenkäfer ist ein ökonomisches Problem des ,Wirtschaftsförsters'. Ökologisch macht der Käfer überhaupt keinen Schaden", verdeutlicht er den Nasa-Standpunkt.

Im benachbarten Tschechien scheint dahingehend ein Umdenken eingesetzt zu haben. In der Böhmischen Schweiz hat es die Fichtenmonokultur bei Trockenheit noch schwerer als im Erzgebirge - nicht zuletzt wegen des trockenen Sandsteinbodens und der südlichen Lage.

Wie im Erzgebirge galt es bislang im Nationalpark Böhmische Schweiz, vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und schnell aus dem Wald zu bringen, damit gesunde Bäume nicht betroffen werden. Doch die extreme Trockenheit im vergangenen Jahr beschleunigte die Ausbreitung des Schädlings. Im Ergebnis der Notabholzung ließ der Nationalpark 45.000 Kubikmeter Holz aus seinem Wald schaffen. Dabei entstand eine baumlose Fläche, die in etwa 50 Fußballfeldern entspricht. Damit sah die Nationalparkleitung ihre bisherige Strategie im Kampf gegen den Käfer als gescheitert an. Es folgte die Wende: Im größten Teil des Nationalparks sind Baumfällungen wegen Borkenkäferbefalls künftig verboten. Die Gehölze werden ihrem Schicksal überlassen und ein weiteren Befall wird in Kauf genommen. Die abgestorbenen Baumreste könnten dem Neubewuchs dagegen bessere Bedingungen bieten. Das Totholz spendet Schatten und hilft, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, so die Überlegung. (mit oha)

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