Aufführung offenbart Folgen der Ehe und Geburt des Rap

Aschenputtel steht im Mittelpunkt des diesjährigen Zschopauer Weihnachtsmärchens. Doch wer genau hinschaut, erkennt noch so manch anderen versteckten Helden.

Zschopau.

Gerade vor den Augen zahlreicher Kinder darf das Happy End nicht fehlen. Und so erteilt König Adelbert am Ende des rund 70-minütigen Weihnachtsmärchens in der Aula der Zschopauer Nexö-Schule seinem Sohn den Segen. Zärtlich nimmt der Prinz daraufhin Aschenputtel in die Arme, das seiner Stiefmutter und deren Töchtern wieder einmal den Schneid abgekauft hat.

"Bewahrt euch eure Wünsche", geben zwei Feen dem Publikum mit auf den Weg, bevor der Vorhang zum letzten Mal fällt. Eine traditionelle Botschaft, die in einem klassischen Stück nicht fehlen darf, der aber noch so mancher verborgene Tipp hinzugefügt werden könnte. So sollte es sich der Prinz in Anbetracht seiner Eltern vielleicht doch noch einmal überlegen, ob er mit Aschenputtel tatsächlich bis an sein Lebensende jeden Morgen als Ehepaar aufwachen will. König Adelbert scheint mittlerweile jedenfalls genervt von seiner biederen Isabella und freut sich beim Ball, der eigentlich dem Junior eine Gattin bescheren soll, mit schelmischem Blick über jede junge Bewerberin.

Es sind nicht nur Gestik und Mimik der vom Cityballett und der Theatergruppe Zschopau toll gespielten Figuren, die einen ins Grübeln bringen könnten. Auch Worte finden sich. So ist es der Prinz selbst, der seinen Hofjäger Leopold nach dessen ersten Eindruck fragt: "Und, war eine dabei, die ich in der Ehe ertragen könnte?" Ob Rosmarie Huszar und Anja Kolditz beim Schreiben des Drehbuchs tatsächlich die Ehe hinterfragen wollten, sei dahingestellt. Auf jeden Fall aber hatten sie angekündigt, dem klassischen Märchen einen modernen und zugleich humoristischen Anstrich zu verleihen. Mit Blick auf die Weltpolitik passt dazu wohl am ehesten die bittere Erkenntnis der beiden Feen, dass sich Berge nicht durch Liebe oder Glaube versetzen lassen: "Eigentlich ist es ja Dynamit."

Statt ernüchternd wirkt ein anderer Kniff ermutigend. Als Erfinder Dietwart von Zuckel dann doch mal mit einem echten Geistesblitz aufwartet, wird auf musikalische Weise der Bogen aus der Welt der Märchen in die Realität gespannt. "Wir wär's mal damit, Gedicht und Gesang zu verbinden", fragt sich der Hoflehrer und wird damit zum Erschaffer des Rap. Den Sprechgesang mit markantem Rhythmus überlässt er allerdings dem König, der seinem Sohn einen Rat gibt: "Wähl dir eine und mach dir klar, sie schenkt dir Kinder nächstes Jahr."

Als eine der Bewerberinnen von einem Naturbad erzählt, lässt aber selbst der König das Beziehungsthema endlich mal links liegen. "Ich wäre froh, wenn ich meinem Volk einen solchen Zeitvertreib bieten könnte", sagt Adelbert und klingt dabei fast wie der Oberbürgermeister von Zschopau. Auch zu lokalen Themen der Gegenwart ist damit ein Bezug hergestellt, ohne dass dabei das märchenhafte Flair verloren geht. Am meisten zu verdanken ist dies ausgerechnet Aschenputtels Stiefmutter. Denn obwohl sie nur das eigene Wohl im Kopf hat, muss man diese himmelhoch jauchzende und am Ende zu Tode betrübte Frau einfach ins Herz schließen. Oder will sie ihrer Stieftochter eventuell doch etwas Gutes, indem sie sie vor einer Ehe zu bewahren versucht?

Das Weihnachtsmärchen wird am Wochenende noch viermal in der Aula der Nexö-Schule aufgeführt. Beginn von "Aschenputtel" ist jeweils 14.30 und 16.30 Uhr.

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