Aus Indien zum Studium ins Erzgebirge

Internationale Studenten gibt es nicht nur an großen Universitäten, sondern auch an der Schneeberger Fakultät. Drei weit gereiste junge Leute, zwei davon aus dem Ausland, erzählen von ihrem Entschluss, ins Erzgebirge zu kommen.

Schneeberg.

Für Ridhima Wadhwa aus Indien stand schon immer fest, dass sie später einmal Modedesign in Europa studiert. Nach ihrer Schulzeit wollte sie jedoch zunächst eine weitere Fremdsprache lernen. "Ich entschied mich für Deutsch, da ein Freund meines Vaters ebenfalls in Deutschland studiert hat", erzählt die 21-Jährige. Was lag also näher, als das anschließende Studium in Deutschland anzugehen, um dadurch gleich ihre neuen Sprachkenntnisse zu verbessern?

Gesagt, getan. Zunächst absolvierte Ridhima Wadhwa von 2016 bis 2017 ein Praktikum bei einer Modedesignerin in Apolda. "Sie hat mir die Fakultät in Schneeberg empfohlen", erzählt die junge Frau. Letztlich entschied sie sich für die Stadt, weil ihr die Studienfachleiterin vor Ort viel half. Doch der Start im Erzgebirge gestaltete sich schwierig: "Zu Beginn habe ich die Sprache noch nicht so gut beherrscht."

Seit zweieinhalb Jahren studiert Ridhima Wadhwa, die aus der Millionenstadt Ahmedabad in Westindien stammt, nun Modedesign an der Fakultät für Angewandte Kunst. Wie es nach ihrem Studium nächstes Jahr weitergeht, weiß sie noch nicht. Nur eines ist sicher: "Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Im Erzgebirge ist es im Vergleich zu Indien deutlich ruhiger." An der Fakultät gefällt ihr, dass hier Menschen aus der ganzen Welt aufeinandertreffen. "Dadurch entwickelt man sich selbst weiter." Nach wie vor fällt ihr es aber schwer, sich an die Kälte und Dunkelheit in den hiesigen Breitengraden zu gewöhnen. "Allerdings liebe ich die Weihnachtszeit."

Ebenfalls einen weiten Weg ins Erzgebirge auf sich genommen hat Andreas Haas, der aus dem Schwarzwald kommt. Er studiert seit dreieinhalb Jahren an der Schneeberger Fakultät Holzdesign. "Ich wollte nicht den Berufsweg meines Vaters als Förster einschlagen, da dieser körperlich sehr anstrengend ist", erzählt er. Etwas mit Holz sollte es allerdings sein, weshalb der 24-Jährige zunächst eine Ausbildung zum Schreiner absolvierte. Danach arbeitete er ein Jahr lang als Monteur, holte seine Fachhochschulreife nach, bewarb sich dann bei drei Hochschulen - und entschied sich für Schneeberg. "Im Internet bin ich auf die Webseite der Fakultät gestoßen. Die angebotene Kombination aus Holzgestaltung, Produkt- und Möbeldesign, die ich hier gefunden habe, hat für mich den Ausschlag gegeben", sagt Andreas Haas und gibt mit einem Lächeln zu: "Anfangs hatte ich große Sprachbarrieren. Ich verstand am Telefon fast niemanden."

Andreas Haas liebt am Erzgebirge die verwurzelten Traditionen, wie zum Beispiel die Weihnachtsmärkte. "Außerdem mag ich, dass die Menschen sagen, was sie denken, und dass sie herzlich sind." Allerdings liebt er auch seine Heimat und möchte nach dem Studium unbedingt zurück. Langfristig will sich Andreas Haas selbstständig machen. "Vorzugsweise natürlich in der Richtung Möbeldesign mit einer eigenen Schreinerei."

Tzuen Chang aus der Hafenstadt Kaohsiung in Taiwan studiert seit Herbst 2018 in Schneeberg Textildesign und Kunst. Ihren Bachelorabschluss hatte sie bereits in ihrem Heimatland erworben und wollte ihren Master gern im Ausland machen: "Die Universitäten in den USA sind allerdings sehr teuer. Deshalb entschied ich mich letztlich für Deutschland, da ich hier bereits ein paar Freunde habe." Sie bewarb sich bei allen Universitäten, die ihren Studiengang anboten. "Da gibt es in Deutschland nur sehr wenige. Aus Schneeberg erhielt ich letztlich die Zusage", berichtet sie.

Tzuen Chang schätzt an der Schneeberger Fakultät, dass sie klein und nicht überlaufen ist. "Man kann sich auf das Wesentliche konzentrieren und fühlt sich hier sehr frei", sagt sie. Doch Tzuen Chang vermisst auch ihre Heimat, ihre Familie, das Essen und vor allem: die gute Infrastruktur. "In Schneeberg", sagt sie, "sind die Wege zu Supermärkten oder Ärzten deutlich weiter."


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.