Bebel-Gebiet erhält weiteres Rezept gegen Einwohnerschwund

Die Stadt Zschopau will für die nächsten acht Jahre wieder Mittel aus dem Stadtumbau-Fördertopf erhalten. Dafür soll nun ein Plan her.

Zschopau.

Das Wohngebiet "August Bebel" hat seit den 1990er-Jahren etwa zwei Drittel seiner Einwohner verloren. Seitdem hängt die Zschopauer Neubausiedlung am Fördermitteltropf. Daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Zumindest strengt sich die Stadt an, für die nächsten acht Jahre bei der Neuauflage des Bund-Länder-Programms "Stadtumbau" wieder dabei zu sein. Denn der Einwohnerrückgang im gesamten Stadtgebiet hält an, wenn auch nicht mehr mit der Intensität zurückliegender Jahre.

Mit Stichtag zum 31. Dezember 2016 hatte Zschopau laut Statistischem Landesamt 9490 Einwohner. Im Jahr 1990 waren es noch mehr als 13.000. Das Problem besteht Stadtplanerin Andrea Schreyer zufolge darin, dass noch immer mehr Leute sterben als Neugeborene hinzukommen. Auch die stärkere Zuwanderung könne diese Tendenz nicht ausgleichen. Die Folge: In jüngster Zeit steigt der Leerstand bei Großvermietern wieder an. Das August-Bebel-Gebiet sei mit 16 bis 17 Prozent besonders betroffen.

Hinzu kommt, dass die derzeit 1800 Bewohner des Plattenbaugebietes immer älter werden. So stieg der Anteil der Über-60-Jährigen innerhalb von 14 Jahren bis 2016 von 22 auf 36 Prozent. Im gleichen Zeitraum rutschte der Anteil der Unter-18-Jährigen von 19 um fünf Prozentpunkte ab. Die Mitarbeiterin der Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung (GSL) gewinnt selbst dieser Entwicklung etwas Positives ab: "Für mich ist das ein Zeichen, dass die Menschen in ihrem Wohngebiet verwurzelt und deshalb hier geblieben sind."

Um in den Genuss der Fördermittel zu kommen, muss die Kommune für den Patienten Bebel-Gebiet in relativ kurzer Zeit ein Rezept ausfertigen - in Form eines Fördergebietskonzeptes. Zumindest sollte noch dieses Jahr der Sächsischen Aufbaubank (SAB) - das ist die zuständige Förderbehörde - ein Entwurf vorliegen, sagt Andrea Schreyer. In dem Papier sind konkrete Projekte zu verankern. Die Planerin spricht von der Aufwertung von Straßen und Plätzen. Den zum Teil leerstehenden Lidl-Markt gelte es zu betrachten. Auch den Abriss von weiteren Wohnblöcken schließt sie nicht aus. Aus städteplanerischer Sicht würden sich die frei werdenden Flächen gut für Eigenheimbebauung eignen. Zumal die Grundstücke dann schon voll erschlossen wären.

Ob es dazu kommt, bleibt fraglich. Der Rückbau von weiteren Wohnungen ist jedenfalls nicht das Thema, an das Kerstin Rümmler beim Stadtumbau zuerst denkt. Zumal die Schmerzgrenze der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH beim Leerstand heute höher zu sein scheint als vor einigen Jahren. Mit 15 Prozent kann die Geschäftsführerin des größten Wohnungsverwalters im Bebel-Gebiet gut leben. "Die Zahl klingt zwar hoch. Unser Leerstand ist aber nicht gleichbleibend, sondern fluktuierend", erklärt sie. Zuzüglern könnten derzeit nur wenige fertige Wohnungen angeboten werden. Denn die GGZ modernisiert ihren Worten nach nicht auf Vorrat, sondern richtet diese nach den Wünschen ihrer neuen Mieter her. Und das dauere wegen des Engpasses auf dem Handwerkermarkt inzwischen mindestens ein Vierteljahr.

Fördermittel wünscht sich Kerstin Rümmler vor allem für Investitionen, die das Leben im Wohngebiet verbessern. Nachholbedarf sieht auch sie bei Straßen und Wegen: "Die sind ja wirklich unter aller Kanone." Um Nägel mit Köpfen zu machen, hält es die GGZ-Chefin für geboten, die Eigentumsverhältnisse zu klären. "Stellflächen und Zuwegungen sollten normalerweise zu den Wohnobjekten gehören", sagt sie und regt einen Flächentausch zwischen Stadt und Wohnungsverwalter an. Auch dafür wird Geld benötig, das aus dem Bund-Länder-Fördertopf kommen könnte.


September Planungsvergabe

Für das Fördergebietskonzept als Voraussetzung zur Aufnahme ins Stadtumbauprogramm hat Zschopau Planungsleistungen ausgeschrieben. Auch die GSL will sich beteiligen. Im September soll der Stadtrat den Auftrag vergeben. Das Konzept ist öffentlich vorzustellen, Bürgerbeteiligung zwingend erforderlich.

Beim Vorgängerprogramm "Stadtumbau Ost" wurden 343 Wohnungen rückgebaut. Knapp eine halbe Million Euro Fördermittel wurden für Maßnahmen zur Gestaltung des Wohnumfeldes eingesetzt.

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3Kommentare
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    aussaugerges
    11.08.2018

    Die Bild Lügenpresse müste sich den Bericht in ZDF Info als Pflicht Sendung ansehen.
    Halle Neustadt,da können sich die total verkommen Gettos im Westen mal eine Scheibe abschneiden.
    Aber das wollen ja die Erz Imobilienhaie so.

    Die Bild versucht ja auch immer wieder die DDR Neubeuwohnungen auf die schlechte Stufe zu stellen.

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    aussaugerges
    10.08.2018

    Man kann im Nachhinein nur sagen:Danke Erich Honneker.
    Siehe auch ZDF Info Halle Neustadt.

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    Interessierte
    10.08.2018

    Es ist schon unglaublich , wie fleißig die Ostdeutschen überall ´bezahlbare´ Wohnungen für die Bevölkerung gebaut haben ....



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