Gastronomen fordern Zuschüsse als Hilfen

Sie fürchten um ihre Existenz. Deshalb haben sich im Erzgebirge am gestrigen Freitag mehr als 60 betroffene Unternehmer zu einem Protest zusammengefunden. Und die Aktion soll weitergehen.

Marienberg/Zschopau.

Ronny Weiß arbeitet seit mehr als 30 Jahren in der Gastronomie, hat seither alle Höhen und Tiefen miterlebt. Eine solche Krise wie jetzt habe es aber noch nie gegeben. Der Eigentümer vom Hotel "Weißes Roß" in Marienberg und vom "Bunten Haus" in Seiffen rechnet aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr mit einem Drittel weniger Umsatz. Die Situation ist prekär - nicht nur bei ihm.

Mit leeren Stühlen und gedeckten Tischen haben Gastronomen und Hoteliers aus dem gesamten Erzgebirge am gestrigen Freitag auf ihre Notlage infolge der Corona-Krise aufmerksam gemacht. Mehr als 60 Unternehmen aus dieser Branche beteiligten sich an einer Aktion vor dem Crottendorfer Räucherkerzenland - angelehnt an die Initiative "Leere Stühle", die schon in Dresden für Aufsehen gesorgt hat. 300 leere Stühle und einige gedeckte Tische machten auf die existenzgefährdende Lage der betroffenen Betriebe aufmerksam. Daran ändert aus Sicht der Beteiligten auch ein neues Hilfspaket der Bundesregierung nur wenig.

Auch Ronny Weiß nahm an dem Protest teil. Er musste fast alle seiner 20 Angestellten in Kurzarbeit schicken. Das Haus in Seiffen hat der Unternehmer geschlossen. In Marienberg ist stundenweise die Rezeption besetzt, um Umbuchungen und Stornierungen entgegenzunehmen. Zudem sind im "Weißen Roß" noch zwei Köche beschäftigt. Denn Weiß bietet - wie viele andere Restaurants und Gasthöfe - zumindest einen Abholservice an. "Doch das deckt in keiner Weise die sonstigen Ausfälle", betont der Unternehmer.

Viele andere Gastronomen und Hoteliers, die zum Beispiel aus Annaberg-Buchholz, Oberwiesenthal, Olbernhau, Zwönitz, Oelsnitz, Erlabrunn und Eibenstock nach Crottendorf kamen, schildern eine ähnliche Situation. Die ganze Branche habe seit Wochen keinen oder fast keinen Umsatz, ein Ende sei nicht absehbar, sagt Uwe Stöckel, Betreiber des Waldgasthofs und Hotels "Am Sauwald" in Tannenberg sowie der Anton-Günther-Schenke in Schönfeld. "Und selbst wenn wir wieder anfangen dürfen, dann mit anderen Regeln, die zu Umsatzeinbußen führen." Die zum 1. Juli beschlossene und für ein Jahr befristete Mehrwertsteuersenkung für Speisen auf sieben Prozent sieht er nur als Tropfen auf den heißen Stein. "Das ist nur ein Beschwichtigungsangebot der Politik. Aber die Branche wird nicht ruhig bleiben", ergänzt Weiß, der fordert, dass die sieben Prozent vielmehr für immer gelten sollten. Auch andere Hilfen würden nicht ausreichen, sagt Stöckel. "Wir Gastronomen brauchen einen Rettungsschirm, also generell einen Zuschuss, wie ihn kleine Unternehmen und Soloselbstständige erhalten haben." Auch die IHK Chemnitz geht davon aus, dass die wenigsten Gastrobetriebe die Corona-Krise unbeschadet überstehen werden.

Rückenwind bekommen die Gastronomen von Landrat Frank Vogel. Er persönlich habe sich dafür eingesetzt, dass das Geschäft in der Gastronomie ab 1. Mai wieder anlaufen kann - ohne Erfolg. "Aus meiner Sicht könnte man Vorsichtsmaßnahmen in diesem Bereich sehr gut regeln: Abstand, nur zwei Personen an einem Tisch, nur auf Vorbestellung, der Kellner trägt Mundschutz. Und wir als Behörde könnten die Einhaltung gut kontrollieren", so Vogel weiter.

Auch die Gastronomen in Zschopau wünschen sich eine baldige Wiederöffnung, sagt Robert Hähnel, Vorsitzender vom Zschopauer Gewerbeverein, der gemeinsam mit der Stadt einen Spendenfonds eingerichtet hat. Zwar sei man in der Motorradstadt mit dem Außer-Haus-Verkauf zufrieden. "Doch alles abfedern kann das nicht."

Thomas Frenzel vom Forsthaus in Lengefeld hat sich sogar mit einem offenen Brief an die sächsische Staatsregierung gewandt, in der er eine Öffnung der gastronomischen Einrichtungen am 4. Mai fordert. Dann dürften auch Friseure wieder arbeiten. Und die seien Kunden körperlich deutlich näher als Gastronomen Gästen. Ob sich die Hoffnung auf eine baldige Wiederöffnung erfüllt, ist aber fraglich.

Am 1. Mai soll es unter dem Motto "Leere Stühle und gedeckte Tische" eine weitere Protestaktion auf dem Fichtelberg geben.

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