Gesperrte Ortsdurchfahrt in Borstendorf: Extra-Runde mit Ecken und Kanten

Die Umleitung ist ein Übel für Kraftfahrer, für Firmen und Anwohner der Schleichwege. Die Sperrung belastet die Borstendorfer. Doch am Ende der Herbstferien soll alles vorbei und die Dorfstraße wieder glatt sein.

Borstendorf.

Mittelsachsen, die von Augustusburg nach Leubsdorf, Eppendorf oder ins Borstendorfer Oberdorf wollen und sich an die offizielle Umleitung halten, müssen seit Montag einen großen Umweg durch den Erzgebirgskreis fahren: über Waldkirchen, Börnichen, Wünschendorf, Pockau-Lengefeld, die B 101 und Forchheim. Das Gleiche gilt in Gegenrichtung. Schuld daran sind die Löcher auf der S 235 in Borstendorf. Obwohl die Straße als Umleitung für die gesperrte Ortsdurchfahrt in Leubsdorf (S 236) dient, steht seit Wochenbeginn auch im Schachdorf eine Sperrscheibe, woraus die große Umleitung resultiert. So kommen durch die Extra-Runde schnell bis zu 40 zusätzliche Kilometer und über 30 Minuten mehr Fahrzeit zusammen.

Trotz Sperrung seien am ersten Umleitungstag weiter Autos und Lkw durch den Ort gefahren. "Vor allem Laster gefährdeten die Bauarbeiter und behinderten die Bautätigkeit", berichtet Grünhainichens Bürgermeister Robert Arnold. "Erst als die Polizei kontrollierte, wurde es gegen Mittag besser." Fahrzeugführer, die sich nicht an die Beschilderung hielten, wurden zur Kasse gebeten. "Das Verwarngeld beträgt laut Bußgeldkatalog 20 Euro, für Radfahrer 15. Für Lkw wird's teurer", sagt Doreen Göhler, Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz.

Während dem Liefer- und Lastverkehr kaum Möglichkeiten bleiben, auf ausreichend breite Straßen abseits der offiziellen Umleitungsstrecke auszuweichen, nutzen ortskundige Autofahrer mehrere Schleichwege, um abzukürzen. "Seit Leubsdorf zu ist, ist es mit der Ruhe vorbei. Doch seit Montag ist es ganz schlimm", sagt Rolf Weber aus Hohenfichte. Im Ortsteil Metzdorf komme man in Stoßzeiten kaum über die Straße, geschweige denn mit dem Auto aus dem Grundstück, berichtet der 76-Jährige von regelrechten Blechlawinen. In der Tat. Auf dem unweit übers Feld führenden Plattenweg herrscht ordentlich Verkehr. Auf der schmalen, holprigen Eppendorfer Straße in Reifland ist ebenfalls mehr los als üblicherweise. In der Ortsmitte wird es besonders eng. "Über Reifland geht zwar, aber wenn da jeder lang fährt, ist ruckzuck Schluss", äußert sich ein Krumhermersdorfer im sozialen Netzwerk. "Zum Glück haben wir in der Zeit kein Kegeln in Eppendorf", fügt er hinzu.

In Borstendorf gehe trotz Teilung - gesperrt ist der Bereich zwischen August-Bebel-Straße 80 und 30 - das Leben weiter, sagt Silvio Freitag, an dessen Fleischerei im Oberdorf die Baustelle beginnt. Ohne Durchgangsverkehr breche zwar ein Großteil der Kundschaft weg. Doch schließen wolle er sein Geschäft während der Bauarbeiten nicht. "Den Bäcker habe ich auch überredet, nicht zu zumachen", sagt der Borstendorfer. Ein Friseur habe dagegen für eine Woche geschlossen.

Am schlimmsten treffe es Firmen, die vom Lieferverkehr abhängig sind, meint Freitag. Die Umwege könne ja keiner bezahlen. So habe, wie Bürgermeister Arnold berichtet, das Stottmeier Hartsteinwerk in Leubsdorf für die Zeit der Sperrung in Borstendorf gleich "Betriebsferien" angesetzt.

Ansonsten werde versucht, den zweiwöchigen Leidensweg so gut es geht zu meistern, betont das Gemeindeoberhaupt. Ober- und unterhalb der Baustelle seien Parkplätze für jene Autobesitzer geschaffen worden, die mit ihrem Fahrzeug nicht mehr aufs Grundstück kommen. Für den Notfall sei auch der Alarmierungsplan der Feuerwehr geändert worden. "Je nachdem, wo im Ort Hilfe gebraucht wird, rücken die Wehren aus Eppendorf und Großwaltersdorf beziehungsweise Grünhainichen und Waldkirchen mit aus", erklärt Arnold. "Die zwei Wochen wird jeder überleben. Die Umleitung ist groß, jedoch bald wieder weg, und wir haben wieder eine befahrbare Straße. Das zählt", reagiert ein Nutzer auf den Aufruf der "Freien Presse", das Thema auf Facebook zu kommentieren. "Manche haben Arbeitswege von über einer Stunde, nicht nur für zwei Wochen. Also bitte geschmeidig bleiben", heißt es weiter.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...