Glosse : Plitsch platsch ab ins Nass!

Die dezente Duftnote aus beißendem Chlor und fettiger Fritteuse in der Luft ist ein untrügliches Zeichen: Der Startschuss für die alljährliche Freibadsaison ist in dieser Woche gefallen. Zu Hunderten und Tausenden wird es die Badewütigen in den kommenden Wochen wieder in Richtung der gefliesten Becken ziehen. Und spätestens der berüchtigte Dreimeterturm scheidet dann die Wasserratten von den begossenen Pudeln.

Wer aber im Freibad nur eine Bühne für durchtrainierte Waschbrettbäuche und gut gebräunte Edelhäute sieht, unterschätzt den Wert dieser Kulturinstitution in der Menschheitsgeschichte gewaltig. Ein Blick in die Geschichte schafft Klarheiten. "Ad fontes -Zurück zu den Quellen!", forderte schon der alte Humanist Erasmus von Rotterdam und meinte dies wörtlicher, als es am Ende doch verstanden wurde. Noch krasser formulierten es moderne Wissenschaftler um die britischen Meeresbiologen Alister Hardy und Elaine Morgan. Das kühle Nass sei nicht nur ein entscheidender Faktor in der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Nein, viel wichtiger: Die Menschwerdung selbst fand im Wasser statt. Für ihre "Wasseraffen-Hypothese" fanden Hardy und Morgan zwar allerhand gute Argumente, allerdings umso weniger Anhänger.


Dabei hätten die beiden Wissenschaftler nur einen Blick in eines der zahllosen Freibäder werfen müssen, um ihre Theorie mit glaubhaften Beobachtungen untermauern zu können. Denn bei einigen der dort Anwesenden scheint die Schwelle vom prähistorischen Vorfahren hin zum menschlichen Kulturwesen noch nicht allzu lange überschritten worden zu sein. Während in der einen Ecke des Beckens gebalgt wird, als ginge es um die nackte Haut, wird in der anderen gebalzt wie zu Zeiten des Homo erectus. Die Gretchenfrage dahinter: Wie halten die's wohl mit der Toilette? Immerhin sitzen alle im selben Boot beziehungsweise stehen im selben Wasser.

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