Kirchendach glänzt nun ganz in Naturschiefer

Ein Wasserschaden machte deutlich: Eine Erneuerung ist nötig. Es gab Fördermittel, doch auch die Gemeinde sammelte.

WITZSCHDORF.

Es kam nicht völlig überraschend, dennoch war es vor sieben Jahren ein Schock für die Witzschdorfer, als ein Gewitterguss über dem Gornauer Ortsteil niederging und in der Kirche für bedenkliche Wasserschäden sorgte. "Befürchtet hatten wir es alle, doch damit stand fest, dass eine Neueindeckung unausweichlich ist", erinnert sich Uwe Büttner. Die Kirchgemeinde sei immer um die Pflege ihres Gotteshauses bemüht und kümmert sich auch heute noch in Eigenleistung um kleine Reparaturen. Doch ein Dach ist nun mal Handwerkersache, musste auch der Pfarrer einsehen.

Notdürftig wurde geflickt, ausgebessert und so vorübergehend für eine trockene Kirche gesorgt - und nach einer möglichen Finanzierung gesucht. Siegfried Gläser, Gemeindemitglied und Bauleiter im Ruhestand, wurde 2016 beim EU-Maßnahmenprogramm Leader fündig. Um die Arbeiten möglichst schnell und ohne witterungsbedingte Unterbrechung ausführen zu können, entschloss man sich für ein Baugerüst mit einem Folienzelt über die 350 Quadratmeter große Dachfläche. Das entpuppte sich während der Bauphase als praktischer Sonnenschutz für die Handwerker. Im März begannen die Arbeiten mit der Entsorgung der Dachhaut und der gesamten Schalung. Verlegt wurde nach den Forderungen des Denkmalschutzes ausschließlich Naturschiefer.

Nicht betroffen war das Dach des Glockenturms. Dort erfolgte bereits 1992 eine Umdeckung, als die Kirche ihren neuen Außenputz erhielt und bis zur Turmspitze eingerüstet war. "Dafür gab es dort eine andere Überraschung", berichtet Pfarrer Büttner und zeigt auf die vier neuen Zifferblätter der Kirchenuhr. Was von unten keiner entdeckte, machte ein genauerer Blick vom Baugerüst aus deutlich. "Die Farbe begann sich in allen vier Himmelsrichtungen abzulösen." Schuld daran waren feine Risse im oberen Steingesims. Eine Imprägnierung des Steins und eine wasserableitende Blechverkleidung sollen die neue Farbe der Ziffernblätter nun über einen längeren Zeitraum haltbar machen.

Nur knapp vier Monate dauerte die 138.000 Euro teure Neueindeckung der Martin-Luther-Kirche in Witzschdorf. 64.000 Euro kamen aus dem Leader-Programm, das restliche Geld rekrutierte sich aus Zuschüssen der Landeskirche, und auch die eigene Gemeinde musste in die eigene Tasche greifen. "Wir haben in der Kirchgemeinde zu einer Spendenaktion aufgerufen", erklärt Uwe Büttner und spricht von 3500 Euro, die zur Kostendeckung noch gebraucht wurden. "Ostern konnten wir grünes Licht geben und die Sammlung stoppen. Für eine 160-Seelen-Kirchgemeinde ist das ein beachtliches Ergebnis."


Im Kirchenschiff finden 160 Gläubige Platz

Den Bau ihres Gotteshauses verdanken die Witzschdorfer einem Kirchenbauverein, der 1882 auf Initiative der Belegschaft der Sächsischen Nähfadenfabrik am Bahnhof gegründet wurde und sich über die rasche Entwicklung der methodistischen Glaubensbrüder im Ort besorgt zeigte.

Nach verschiedenen Architekturentwürfen wurde schließlich der Zschopauer Baumeister Carl Oestreich mit der Errichtung eines Bethauses beauftragt, das sich der wenige Meter entfernten Methodistenkapelle als würdig erweisen sollte. Die Kirchweihe fand am 11. September 1898 statt.

Seinen Namen verdankt das Gotteshaus Schullehrer Böhmes Dichtkunst, der nach dem Gottesdienst im Gasthof sein Weihelied vortrug und aus dem "Kirchlein auf dem Berge" wenige Strophen später kurzerhand eine "Lutherkirche" machte.

Im Schiff der Evangelisch-lutherischen Kirche finden 160 Gläubige Platz. Die Empore fasst zusätzlich 60 Kirchgänger. (mdeg)

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