Neustart für die Bürgerakademie

Bildung für alle, das ist das Ziel. Zum Auftakt sprach ein Syrer über seine Flucht und sein Leben in Deutschland.

Zschopau.

Es war kein leichtes Thema, das Annelie Kunz für den Neustart der Zschopauer Bürgerakademie ausgewählt hat: Sie hatte Louay Sheikh Alard eingeladen. Der syrische Arzt berichtete in dieser Woche vor etwa 20 Zuhörern von seiner Flucht und seinem Leben in Deutschland. Seit August 2015 leben Alard und seine Frau in Chemnitz, seit November engagiert er sich in der Asylpraxis, einem Projekt der Kassenärztlichen Vereinigung. Alard spricht Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Im Klinikum Chemnitz behandelt er Menschen, die kein Deutsch sprechen.

Nach seinem Vortrag beantwortete Alard Fragen aus dem Publikum. Warum kommen so viele junge Männer? - Weil sie die besten Chancen haben, die strapaziöse Überfahrt zu überleben. Wieso schicken Eltern ihre Minderjährige auf die gefährliche Reise? - Weil sie die einzige Hoffnung ihrer Eltern sind und sie auf jeden Fall in Deutschland bleiben dürfen, bis sie volljährig sind, so Alard.

Das ist eines der Ziele von Bürgerakademien: Wissen und Ansprechpartner in erreichbare Nähe rücken, unterhalten und dabei informieren. Im Publikum saß auch Roland Schöne, früher Inhaber der Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der TU Chemnitz. Der 75-Jährige hat 2004 die erste Auflage der Zschopauer Bürgerakademie unterstützend begleitet. Lebenslanges Lernen müsse sich am Bedarf der Menschen orientieren. Jahre nach dem Schulabschluss seien viele "von der Bildung entwöhnt", müssen erst zum Lernen motiviert werden. Gerade für Ältere sei auch der soziale Aspekt entscheiden, erläutert Schöne, der das Chemnitzer Seniorenkolleg leitet: Man geht aus dem Haus, trifft Gleichgesinnte.

Ob es zu einer Kooperation zwischen Seniorenkolleg und Bürgerakademie komme und in welcher Form, wolle sie in Ruhe entscheiden, sagt Annelie Kunz nach der ersten Veranstaltung. Bis zum Ende des Jahres möchte sie jeden Monat eine Veranstaltung anbieten, vorerst ohne Unterstützung.


Bürgerakademien: Beitrag zum lebenslangen Lernen

Roland Schöne hat 2004 die erste Auflage der Bürgerakademie begleitet. Ulrike Abraham sprach mit ihm über deren Ziele und lebenslanges Lernen.

Freie Presse: Wer möchte sich (weiter-)bilden?

Roland Schöne: Viele Menschen aller Altersgruppen. Wir haben Befragungen durchgeführt, was gewünscht wird und warum die wenigen Angebote, besonders im ländlichen Raum, nicht immer genutzt werden. Hauptprobleme sind Erreichbarkeit, Kosten und Inhalte entsprechend den Wünschen und Bedürfnissen.

Welchen Beitrag können Bürgerakademien zum lebenslangen Lernen leisten?

Sie können Angebote bedarfsorientiert anbieten, gut erreichbar, zu günstigen Tageszeiten und fairen Teilnehmergebühren. Sie dienen in erster Linie der verständlichen Wissensvermittlung. Entscheidend ist die Möglichkeit, nachzufragen und das Wissen anzuwenden. Zusätzlich ist der soziale Kontakt in Bildungsveranstaltungen für das Zusammenleben vieler ver- einsamter Menschen sehr wichtig.

Welche Förderungen gibt es?

Die EU fordert seit 20 Jahren, das Lebenslange Lernen auszuweiten. Förderungen gibt es in verschiedener Form, doch leider wenig konkrete Umsetzung.

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