Oldtimer mit Winker statt Blinker ausgestattet

Ein Hohenfichtener hat sich verliebt: in einen Opel Olympia von 1939. Mit dem Auto geht er samt Familie jedes zweite Wochenende auf Tour. Bald trifft er sich in Borstendorf mit anderen Verliebten.

Leubsdorf/Borstendorf.

Klein und unscheinbar ist mittig ein Hebel auf dem Armaturenbrett eines 77 Jahre alten Opel Olympia angebracht. Mit diesem können die Winker rechts oder links hinter der Fahrer- und Beifahrertür ausgelöst werden, um die gewünschte Richtungsänderung anzuzeigen. "Leider ist das heute nicht mehr erlaubt. Ich musste nachträglich elektrische Blinker und eine Warnblinkanlage ans Auto anbauen. Aber die Winker funktionieren noch", erklärt Uwe Döring aus Hohenfichte, der Besitzer des 1939 gebauten Opels. Der 31-Jährige hatte sich vor drei Jahren diesen alten Oldtimer gekauft, der seinen Namen in Anlehnung an die Olympischen Spiele 1936 in Berlin erhielt. Um die 168.000 solcher Modelle wurden bis 1940 gebaut. Er war das erste in Großserie produzierte deutsche Auto mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Damals zum Preis von etwa 2500 Reichsmark erhältlich, bieten Liebhaber heute hohe Preise für solche Modelle.

"Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich hatte gar nicht vor, ein Auto zu kaufen", berichtet der aus dem Leubsdorfer Ortsteil Hohenfichte stammende Mann. Ein Bekannter von ihm hatte das Auto in Schweden erworben und wollte das 36 PS starke und 903 Kilogramm schwere Fahrzeug in Deutschland weiter veräußern. "Ich habe den Opel zufällig hinten auf seinem Anhänger gesehen, mich sofort in den Wagen verliebt und ihn gekauft", sagt Uwe Döring. Laut Lektüre des jungen Mannes wurden von über 46.000 Autos, die 1938 gebaut wurden, mehr als 15.000 Wagen ins Ausland verkauft.

Das Auto mit der 1,5er-Maschine zeigte kaum Mängel und der neue Besitzer konnte gleich eine Runde auf einem Privatgelände fahren. "Der Unterboden musste etwas repariert werden", sagt der Autotüftler. Nachdem er selber technisch alles in Ordnung gebracht hatte, sollte das Auto zugelassen werden. Bei der Zulassungsstelle wurde Uwe Döring aber erst noch ausgebremst. "Das Auto war angeblich noch zugelassen." Zurück beim Händler stellte sich aber heraus, dass dem nicht so war und der schwedische Vorbesitzer den Wagen tatsächlich schon abgemeldet hatte. Ich habe passende Papiere bekommen und bin damit zu einer anderen Zulassungsstelle im Landkreis gefahren. "Dort wollte man diese Papiere gar nicht sehen und mein Auto wurde endlich zugelassen", sagt Uwe Döring. Jedes zweite Wochenende ist nun er mit seiner Frau und dem gemeinsamen einjährigen Sohn Theo im Opel unterwegs. "So ein Auto muss bewegt werden, sonst steht es sich kaputt", sagt Uwe Döring. Der Hohenfichtener fährt regelmäßig zu verschiedenen Oldtimer-Treffen und tauscht sich mit anderen Besitzern über die alten Schätze aus. Selbst ins brandenburgische Luckau hat es der Opel Olympia schon geschafft. "Höchstgeschwindigkeit sind laut Papieren 120 Stundenkilometer", erklärt Uwe Döring. Opel warb damals damit, dass der Wagen es von 20 auf 70 km/h in 21,5 Sekunden schaffte. Auch Einkäufe werden hin und wieder mit dem Gefährt erledigt, obwohl die Beladung relativ ungewohnt ist. "Bei diesem Modell gibt es keine Heckklappe. Ich muss die Rückbank umklappen und komme von dort an den kleinen Kofferraum heran", sagt Uwe Döring. Dort ist auch die Tankanzeige, weil das Original an der Schalttafel defekt ist.

Der nächste Ausflug ist bereits geplant. Am 17. September will Uwe Döring zum Old- und Youngtimertreffen nach Borstendorf fahren und mit Autofreunden fachsimpeln.


Old- und Youngtimertreffen

Stefan Ardelt (37),Besitzer des "Bistro Flossmühle" im Borstendorfer Ortsteil Floßmühle, hatte vor zwei Jahren das Young- und Oldtimertreffen ins Leben gerufen, weil er großer Fan von alten Autos ist. Er besitzt einen alten Mercedes Baujahr 1980. Trotz schlechten Wetters waren im ersten Jahr 70 Teilnehmer beim Treffen. Im letzten Jahr sogar 200 Teilnehmer. Das älteste Fahrzeug war ein Wanderer von 1924. Die weitesten Anreisen erfolgten aus Jena und Hoyerswerda.

Das ist der Plan: Los geht es am 17. September ab 10 Uhr an der Flöhatalstraße 5 im Ortsteil Floßmühle. Nachmittags soll eine 25-Kilometer-Ausfahrt über Borstendorf, Grünhainichen, Börnichen und Waldkirchen gemacht werden. Abends geht es ins Festzelt an der Flöhatalstraße, dort erwartet die Old- und Youngtimerfreunde Live-Musik von Overflight aus Borstendorf und Seven Hours aus Hohenstein-Ernstthal. Der Eintritt ist frei. (cdo)

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