Polizei findet Waffe im Auto und Patronen in der Standuhr

Angeklagter und Zeuge streiten vor dem Amtsgericht Marienberg den Besitz einer halbautomatischen Pistole gleichermaßen ab. Der Richter hört von den zwei 57-Jährigen verschiedene Versionen - und findet letztlich nur eine glaubhaft.

Marienberg.

Als die Polizei im Zuge privater Probleme mit seiner Ex-Lebensgefährtin im vergangenen Jahr das Auto eines 57-Jährigen durchsuchte, fand sie eine halbautomatische Pistole. Der Erzgebirger gab an, sie von einem Schulfreund erhalten zu haben. Die Polizei leitete gegen diesen ebenfalls 57-jährigen Schulfreund ein Verfahren ein und durchsuchte dessen Haus. Mit Erfolg: Die Beamten fanden die dazu gehörige Munition - sieben Patronen in einer Plastiktüte im Keller, sechs in einem Tresor sowie 35 in der Standuhr des Wohnzimmers. Der Mann musste sich wegen Vergehens gegen das Waffengesetz vor dem Amtsbericht Marienberg verantworten.

Einig waren sich die beiden Schulfreunde lediglich darin, sich im Frühjahr 2018 mehrfach getroffen zu haben. Wer jedoch wem die Waffe gab, dazu gingen die Aussagen auseinander. Der Angeklagte schilderte dem Gericht, der Zeuge hätte ihn, da er als Fernfahrer entsprechende Möglichkeiten habe, gebeten, eine Waffe zu besorgen, was er jedoch ablehnte. Später sei der Zeuge mit einer Pistole sowie mit mehreren gefüllten Magazinen bei ihm aufgetaucht, um sich im Keller seines Hauses die Funktion der Waffe erklären zu lassen. Als plötzlich die Frau des Angeklagten dazu kam, habe der Zeuge die Waffe eingesteckt und er die Munition, die er später an verschiedenen Stellen des Hauses deponierte, was er bis zur Durchsuchung zwei Monate später wieder vergessen habe.


Anders hingegen die Schilderung des Zeugen. Ja, er habe vom Angeklagten eine Waffe kaufen wollen. Er hätte diese für 600 oder 800 Euro Pfand jedoch nur geliehen. Mit der Pistole habe er hingegen nicht wegen der vorher angesprochenen Probleme gegen einen Drogendealer vorgehen oder gar seine Ex-Lebensgefährtin töten, sondern sich selbst umbringen wollen. Der Suizidversuch sei jedoch missglückt. Eine Aussage, die von seinem Sohn bestätigt wurde.

Für Richter Toralf Kliemt stellte sich der Sachverhalt nach beiden Aussagen klar und deutlich dar. Er hielt die Einlassung des Angeklagten für nicht plausibel. Warum habe der Zeuge eine Waffe mitbringen sollen, obwohl er eine erwerben wollte? Zudem: Wenn er die Waffe wieder mitnahm - warum nicht auch die Munition dazu? Der Zeuge habe seine Absichten glaubhaft geschildert, die gleichen Angaben wie bei vorangegangenen Aussagen getätigt. Dabei sei ihm die Belastung des Schulfreundes sichtlich schwergefallen. Für Toralf Kliemt stand am Ende der Verhandlung fest: Der Angeklagte hatte dem Zeugen die Waffe verschafft.

Der Richter sprach den bisher nicht vorbestraften 57-Jährigen wegen des Besitzes und Führens einer halbautomatischen Kurzwaffe sowie des unerlaubten Munitionsbesitzes schuldig. Die neunmonatige Haftstrafe wurde zu einer zweijährigen Bewährungszeit ausgesetzt. Außerdem kam der Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Geldauflage nach. Der Angeklagte muss weiterhin 1500 Euro an die Welthungerhilfe zahlen - in 15 Raten.

Dem Wunsch des Angeklagten, das Geld lieber einem regionalen Verein zugute kommen zu lassen, wurde nicht entsprochen. Die Waffen verbleibt in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft Chemnitz. Das Urteil ist rechtskräftig.

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