Pyramide weckt Erinnerungen an einstigen DDR-Präsidenten

Besucher des Gelenauer DepotsPohl-Ströhersollten sich beeilen. Nur noch bis Sonntag ist die Weihnachtsschau zu sehen, in der auch ein Geburtstagsgeschenk für einen Politiker der frühen SED-Zeit zu sehen ist.

Gelenau.

Ziemlich genau 64 Jahre ist es her, dass sich Wilhelm Pieck über eine Pyramide aus dem Erzgebirge freuen durfte. Für ihn war es am 3. Januar 1956 nur eines von vielen Geschenken. Schließlich hatte anlässlich seines 80. Geburtstags jede SED-Bezirksleitung den Auftrag, dem DDR-Präsidenten etwas Gebührendes zu überreichen. Was zu jener Zeit nur in kleinem Kreise zu bestaunen war, ist nun der breiten Öffentlichkeit zugänglich. Denn die in Lößnitz gefertigte Pyramide ist nun Teil der Weihnachtsschau, die noch bis Sonntag im Gelenauer Depot Pohl-Ströher zu sehen ist.

"Lößnitzer Pyramiden gibt es gar nicht so häufig, aber sie sind wegen ihrer guten Qualität sehr gefragt", sagt Depot-Mitarbeiter Mario Franke, der damit gleichzeitig die Gedanken der damaligen Karl-Marx-Städter SED-Bezirksleitung nachvollzieht. Auf der Suche nach einem Geschenk erwies sich die erzgebirgische Volkskunst wohl als zündende Idee. Nach Ansicht der Politiker dürfte eine Pyramide die gewünschte Volksnähe und Arbeitsbereitschaft sehr gut wiedergegeben haben. Die einzige Herausforderung bestand darin, den religiösen Aspekt zu meiden. "Christliche Szenen waren damals in der DDR nicht erwünscht", erklärt Franke. Dementsprechend wurde die Pyramide dann auch gestaltet.

Statt Maria und Josef mit dem Jesuskind sowie den Heiligen Drei Königen drehen sich seit 64 Jahren ausschließlich Arbeiter auf dem etwa 90Zentimeter hohen Kunstwerk im Kreis. "Auf den unteren beiden Ebenen wird eine Bergparade dargestellt. Oben sind Wismut-Kumpel zu sehen", erklärt Franke. Sogar der Schacht, in den sie einziehen, ist auf der Pyramide zu finden. Und zwar ganz unten, denn der Sockel wurde als felsiger Untergrund gestaltet, der für Lößnitzer Schnitzereien typisch ist. Auch die Flügel besitzen charakteristische Eigenschaften, indem sie auf der unteren Seite mit nach außen gehenden Strahlen und einem Wolkenfeld versehen wurden.

In Form eines Förderturms besitzt die Pyramide keinerlei religiösen Anstrich. Ihre Helden sind die Kumpel der nach Uranerz schürfenden Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut, die zur damaligen Zeit für Fortschritt stand. Warum allerdings ausgerechnet das Lößnitzer Schnitzerkollektiv den Zuschlag für die Fertigung erhielt, das als Arbeitsgemeinschaft zum Kulturbund der DDR gehörte, mag im ersten Moment verwundern. Schließlich hatten andere Gegenden wesentlich größere Wismuthalden zu bieten. Allerdings waren die Lößnitzer schon damals bekannt für ihre Pyramiden, was wohl ausschlaggebend gewesen sein dürfte.

Obwohl das Feierohmd-Lied auf der eingebauten Spieldose zu hören ist, hat die Pyramide längst nicht Feierabend. Nach dem Tod Wilhelm Piecks wurde sie 1960 nach Karl-Marx-Stadt gebracht. Im dortigen Sowjetischen Klub, eingerichtet für Offiziere und Techniker der SDAG Wismut, gehörte sie um Inventar. In den 1980er-Jahren ging sie als Geschenk an Pianist Harry Krebs, der mit sowjetischen Künstlern zusammenarbeitete. Dessen Tochter Margot Lang stellte das Kunstwerk in der Weihnachtszeit bei sich zuhause auf, ehe ihre Familie es 2016 zunächst für eine Ausstellung in Lößnitz zur Verfügung stellte. Nun folgte die Präsentation in Gelenau.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...