Rezept für die B 174: Blitzer, Tempolimits und Trostpflaster

Landlust ist in Hohndorf schon lange zu Frust geworden. Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative für die Ortsumgehung. Nun gibt's wohl erst mal ein bisschen Kosmetik.

GroßolbersdorF.

Landleben in Hohndorf: Das ist auch die Rußschicht auf den Äpfeln im Vorgarten, Geruch nach Diesel und Bremsen in ihrem Wohnzimmer, erzählt Christine Gläser. Seit Jahrzehnten nimmt der Verkehr auf der B 174 zu - und mit ihm Belastung und Ärger in den kleinen Orten entlang der Strecke. Mehr Laster als prognostiziert passieren den Grenzübergang Reitzenhain, rund 1140 Tag für Tag. Seit vielen Jahren fordert die Bürgerinitiative, der Gläser angehört, eine Ortsumgehung für Hohndorf und Großolbersdorf. "Die hatte man uns schon versprochen, bevor die B 174 zur Transitstrecke erklärt wurde", sagt sie. 2007 war das. Zwar hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière kürzlich beschleunigte Verfahren versprochen. Doch wann die Ortsumgehung tatsächlich kommt, steht in den Sternen. Tempolimits sollen Hohndorf und Großolbersdorf helfen, bis es soweit ist: 30 Kilometer pro Stunde, wenigstens nachts. Das ist nicht leicht umzusetzen: Landkreis und Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) müssen zustimmen. Denn auf Bundesstraßen hat der fließende Verkehr im Normalfall Vorrang. 2015 haben die Behörden die Forderung abgelehnt, obwohl Forscher der TU Dresden nachgewiesen hatten: Der Lärm auf der B174 ist potenziell gesundheitsschädigend.

In Reitzenhain gilt seit März Tempo 30 zwischen 22 und 6 Uhr. Darauf verweist Uwe Günther (Gewerbeverein), Bürgermeister von Großolbersdorf. Das sächsische Verkehrsministerium hatte ermittelt: 2016 fuhren nachts im Schnitt 77 Lastwagen pro Stunde durch Reitzenhain -das sind zehn mehr als noch 2014. Gleiches gilt für Hohndorf und Großolbersdorf, betont Günther. Er fordert deshalb erneut das Tempolimit, der Kreis prüft.

Kontrolle ist nötig: Viele Fahrer sind auf der Strecke zu schnell unterwegs. An der Großolbersdorfer Ortsdurchfahrt ("Rote Pfütze") sollen deshalb stationäre Blitzer wachen, wie es sie seit 2014 in Hohndorf gibt. 2015 hatte die Gemeinde Blitzer beantragt - 2018 sollen sie kommen. Das kündigte Günther am Dienstag dem Gemeinderat an. Trostpflaster nennt Susan Bärmig die Maßnahmen. Sie ist Gemeinderätin und Sprecherin der Bürgerinitiative Hohndorf. Die 37-Jährige fürchtet, dass das Tempolimit die Lage sogar verschlechtert: "Viele werden hier am Berg in einem niedrigen Gang fahren - und dann wird's noch lauter." Den gleichen Effekt habe der Blitzer. Die Fahrer bremsen davor ab, geben danach wieder Gas. Bärmig ist überzeugt: Die Ortsumgehung ist die einzige Möglichkeit, den ständig zunehmenden Schwerlastverkehr zu kompensieren. Den Brummifahrern gegenüber hegt sie keinen Groll. "Die tun nur ihre Arbeit, aktiv werden muss die Politik."

Für die Lkw-Fahrer selbst wird die Luft dünn, Platz zum Schlafen ist knapp. In Amtsberg könnte ein Rasthof entstehen: Nach langen Diskussionen hatten die Behörden eingelenkt, die dafür keinen Bedarf gesehen hatten. Doch die Planungen haben noch nicht einmal begonnen. Zwar hat Amtsberg vor Monaten Unterlagen an die Verkehrsbehörde geschickt, sagt Bürgermeister Sylvio Krause (CDU). Seitdem habe er aber nichts mehr aus Dresden gehört.

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