Schönbrunner Brücken werden auf Herz und Nieren geprüft

Die Kontrolle dient unter anderem der langfristigen Kostenoptimierung. Ein Ergebnis gibt es aber noch nicht.

Schönbrunn/Wolkenstein.

Gleich mehrere Brücken sind am Dienstag in Schönbrunn und Wolkenstein routinemäßig überprüft worden: neben dem 1770 errichteten Bauwerk über die Zschopau auch die direkt angrenzende, 1830 fertiggestellte Brücke über die Bahnstrecke Flöha - Cranzahl. "Genaugenommen müssen alle Ingenieurbauwerke, zu denen neben Brücken beispielsweise auch größere Stützwände gehören, turnusmäßig geprüft werden. Aller drei Jahre findet im Wechsel jeweils eine Hauptprüfung, wie die jetzige, und eine sogenannte einfache Prüfung statt", erklärte Diplom-Ingenieur Thomas Fischer aus Aue, der am Dienstag im Auftrag des Landratsamtes in Schönbrunn im Einsatz war und durchschnittlich 20 Ingenieurbauwerke im Jahr prüft.

Zweck der Brückenprüfung ist unter anderem auch die langfristige Kostenoptimierung bezüglich Unterhalt und eventueller Instandsetzungen. Dank der Prüfung kann vermieden werden, dass nicht rechtzeitig erkannte kleinere Schäden später zu unnötig großen Instandsetzungskosten führen. "Die wichtigsten Kriterien bei einer solchen Bauwerksprüfung sind Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Dabei werden eventuelle Schäden festgestellt, dokumentiert und bewertet. Abschließend wird das Bauwerk entsprechend des aktuellen Zustandes benotet", so Fischer.

Aus den Bewertungen ergeben sich Zustandsnoten von 1 bis 4. "Die Note 1,0 bis 1,4 bedeutet einen sehr guten, ab 3,5 bis 4,0 einen ungenügenden Bauwerkszustand. Letzterer bedeutet akuten Handlungsbedarf, der sich auch in einer sofortigen Sperrung des Bauwerkes auswirken kann, erklärt der Diplomingenieur. Damit der Prüfer alle Bauteile und Bereiche der Brücken aus nächster Nähe begutachten konnte, kam ein sogenanntes Brückenuntersichtgerät zum Einsatz. "Gefordert ist eine handnahe, zerstörungsfreie Prüfung, weshalb der Einsatz eines solchen Gerätes meist unabdingbar ist. Einfach erklärt handelt es sich bei der Maschine um eine Hubarbeitsbühne, die nicht nach oben, sondern nach unten ausgefahren wird", erklärte Techniker Ralf Büttner, der das Spezialgerät steuerte. Aus dem Arbeitskorb des Brückenuntersichtgerätes heraus unterzog Thomas Fischer auch das Bauwerk über die Bahnstrecke dem Brücken-TÜV. Fotoapparat, Hammer, Schraubendreher, Zollstock und eine sogenannte Risskarte zur Einstufung der Risse am Bauwerk gehörten dabei zu seinen Werkzeugen. "Die Auswertung der Prüfung erfolgt später im Büro. Es wird ein Prüfbericht erstellt, der dann dem Auftraggeber ausgehändigt wird und der Handlungsempfehlungen in Bezug auf das Bauwerk enthält", so Thomas Fischer.

Von 113 Brücken, für die der Erzgebirgskreis zuständig ist, befinden sich 30 in sehr gutem bis gutem Zustand (Noten 1,0 bis 1,9), 45 Brücken in einem befriedigenden (Noten 2,0 bis 2,4) und 29 Brücken in ausreichendem Zustand (Noten 2,5 bis 2,9). Mit "Nicht ausreichend" und "Ungenügend" (Noten 3,0 bis 4,0) wurden bislang neun Brücken bewertet. (mit mik)


Brücken und ihre Benotung

Brückenprüfungen müssen nach der sogenannten Din 1076 erfolgen. Demnach muss jede Brücke einmal im Jahr in Augenschein genommen werden. Alle drei Jahre ist eine Prüfung durch Fachleute erforderlich, alle sechs Jahre ist umfangreich mit Technik zu kontrollieren. Die wichtigsten Kriterien sind Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Aus den Bewertungen ergeben sich Zustandsnoten von 1 bis 4. Sie bedeuten: 1,0 bis 1,4 sehr guter Bauwerkszustand; 1,5 bis 1,9 guter Bauwerkszustand; 2,0 bis 2,4 befriedigender Bauwerkszustand; 2,5 bis 2,9 noch ausreichender Bauwerkszustand; 3,0 bis 3,4 nicht mehr ausreichender Bauwerkszustand und 3,5 bis 4,0 ungenügender Bauwerkszustand. (gt)

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