Schreiben bringt ein Stück Leben zurück

Manuela Seidel kann aufgrund einer Krankheit ihre Arme nicht bewegen. Die Spendenaktion "Leser helfen" ermöglichte den Einbau eines Treppenlifts. Seither ist viel passiert, und es geht nicht nur mit dem Sitz ständig aufwärts.

Beierfeld.

Etliche Leser der "Freien Presse" haben 2016 mit ihren Spenden dafür gesorgt, dass Manuela Seidel aus Beierfeld einen Treppenlift erhielt. Die heute 56-Jährige leidet an multifokaler motorischer Neuropathie, was zur Folge hat, dass sie ihre Arme nicht selbstbestimmt steuern kann. Aus Angst zu fallen, überwand sie die steile Treppe im Haus abwärts nur im Sitzen. Der Treppenlift gab ihr wieder Sicherheit in den eigenen vier Wänden.

"Der Treppenlift läuft mehrfach täglich. Seitdem ich ihn habe, kann ich viel öfter wieder raus und spazieren gehen", sagt Manuela Seidel noch immer voller Dankbarkeit. Doch nicht nur der Lift ermöglichte seit Anfang 2017 ein stetiges Bergauf. Die hohe Spendensumme hatte auch ermöglicht, dass Manuela Seidel weitere Fachleute bezüglich ihrer Krankheit konsultieren konnte. Im Zuge dessen wurde ihr die Behandlung im Bundeswehrkrankenhaus Berlin empfohlen und die dortigen Untersuchungen ergaben Verblüffendes: eine Diagnose, die sie bis dato so nicht hatte. Weiterführend dazu eine entsprechende Therapie mit Infusionen, die sie bis heute regelmäßig aller sechs Wochen erhält.

Erst vor wenigen Tagen kehrte die Beierfelderin von einem weiteren Behandlungszyklus zurück. Schon nach den ersten Infusionen hatte sich eine erste bewusste Steuerung ihrer Finger eingestellt. "Mittlerweile kann ich tatsächlich wieder etwas schreiben. Zwar noch etwas kritzlig, aber es geht", sagt die 56-Jährige stolz und will sich auf diese Weise nochmals bei den Lesern der "Freien Presse" für die Hilfe bedanken. "Wenn man wieder Schreiben kann, ist man wieder wer. Da ist ein Stück Leben zurück", sagt sie.

Die Therapie hat jedoch noch viele weitere tolle Veränderungen zur Folge. So benötigt Manuela Seidel seit März dieses Jahres keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr. Das heißt, die fortschreitenden Lähmungserscheinungen ihres Zwerchfells sind gestoppt. Die Gefahr, dass sie irgendwann keine Luft mehr bekommt, ist gebannt. Manuela Seidel atmet heute ganz anders, zieht ihre Schultern nicht mehr hoch, um Luft zu bekommen. Ihre Körperhaltung ist eine andere. "Und ich muss seit voriger Woche auch kein Insulin mehr spritzen", verkündet sie voller Freude. "Ich bewege mich auch viel mehr, habe etwas abgenommen", nennt sie Gründe, die mit dazu geführt haben, dass sie nun mit einer Tablette auskommt.

"Ich bin ein völlig anderer Mensch geworden, habe Selbstbewusstsein getankt und ein neues Selbstwertgefühl entwickelt", freut sich die 56-Jährige, die so gestärkt im Juni dieses Jahres bei der Hochzeit ihres mittleren Sohnes sogar wieder getanzt hat. "Das hatte ich mir ja fest vorgenommen", fügt sie hinzu.

Und wenn sie heute am Tisch sitzt und die Ellenbogen aufstützt, kann sie ihren Arm so heben, dass es ihr gelingt, selbst eine Haarsträhne aus der Stirn zu schieben. Dinge, die gesunden Menschen nicht mal auffallen. Was für Manuela Seidel aber einen großen Zugewinn an Lebensqualität ausmacht.

"Mein Leben hat sich so rasant verändert. Und ich bin mir sicher, das geht noch weiter", sagt sie immer mit dem Blick nach vorn.

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