Silbermanntage: Zum Jazzkonzert geht's in den Berg

Bei der diesjährigen Veranstaltungsreihe bekommt nicht nur die Gastgeberstadt Freiberg eine besondere Rolle. Das Festival verbindet Orgelmusik mit Pantomime und Zirkus- artistik. Sahnehäubchen: Jazz im Bergwerk.

Freiberg/Marienberg.

Mit neuen Spielstätten und -formen sowie erstmals einem Motto wirbt die Gottfried-Silbermann-Gesellschaft für die 22. Silbermann-Tage vom 6. bis 17. September. Unter dem Titel "Fantasien von allerley Gestalt" - angelehnt an ein Zitat von Carl Philipp Emanuel Bach - werden 16 Konzerte in Mittelsachsen, im Erzgebirge und in Dresden gespielt. Einer der Höhepunkte: das Gastspiel des renommierten Dresdner Kreuzchores am 13. September in der Sankt Annenkirche in Annaberg-Buchholz.

Der Kreuzchor gilt als eine Institution in der sächsischen Kirchenmusik. In mehr als 800 Jahren Geschichte hat er Gottesdienst, Konzertleben und auch große Musikergenerationen geprägt. In Annaberg-Buchholz wird er unter der Leitung von Roderich Kreile "eine der schönsten Hallenkirchen des Erzgebirges" mit seinem Klang füllen. Die romantische Walcker-Orgel erklingt dann unter den Händen von Albrecht Koch, der einst selbst als Kruzianer auch in Annaberg-Buchholz gesungen hat.

Mittlerweile ist er Organist des Freiberger Doms und der künstlerische Leiter der Silbermanntage. Er erklärt das Motto des Programms mit der Verbindung der einzigartigen Kultur, Geschichte und Natur des Erzgebirges: "Fantasien von allerley Gestalt sollen uns begleiten durch die Silbermanntage", sagt er und ergänzt: "Fantasien sollen uns auf neue Pfade locken." Damit spielt er vor allem auf die Experimentierlust an. So bietet das Festival neue Formate: Bei "Geschichten ohne Worte" etwa erklingt Orgelmusik in Geising zu pantomimischer Darstellung. Ein belgisches Ensemble wird zur Veranstaltung "Orgel und Artistik" in Schneeberg erwartet. Die Wolfgangskirche ist dabei erstmals Spielstätte bei den Silbermanntagen. Und Star-Bassbariton Thomas Quasthoff liest in "Silbermanns Merckwürdigkeiten" aus dem Reisetagebuch vom Neffen des großen Orgelbaumeisters, in der Kirche Helbigsdorf begleitet von Orgel, Cembalo und Clavichord.

Als logistische Herausforderung bezeichnet Koch die Premiere für Jazz im Berg: Nur 50 Besucher können - mit Bergwerksjacke, Helm und gerne Gummistiefeln - ins Silberbergwerk Reiche Zeche einfahren, in dem eine tragbare historische Kleinorgel erklingt. Für Koch das Sahnehäubchen unter den Veranstaltungen. Es rette zwar nicht die Besucherzahlen - beim vorangegangenen Festival mehr als 6000 -, aber es sei eine Hommage an Freiberg und Silbermann. "Dort, wo das Metall herkam, tragen wir die Musik hin", schwärmt der Organisator von der Region mit ihren Orgeln von Mittelsachsen bis zum Erzgebirge und ihrer Verbundenheit zur Tradition: "Würde das Erzgebirge nicht bestimmt bald als Montanregion Weltkulturerbe, dann wegen seiner Orgeln." Die Unterstützung zahlreicher Stiftungen und Fördertöpfe, darunter dem Kulturraum und dem Verein Silberstadt, wie auch der Stadt selbst wertete Koch auch als Bekenntnis der Freiberger zu Silbermann und zum Festival. Für Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger wäre die Stadt ohne ihren großen Baumeister nicht denkbar: "Wer Orgeln liebt, kommt an Freiberg nicht vorbei." Mit entsprechender Genugtuung registriere er daher, dass Freiberg Eröffnungs- und Abschlusskonzert ausrichten kann. "Die Silbermann-Tage sind Botschafter für die Stadt, für die Musik und für das alte Handwerk im Erzgebirge", sagt Krüger.

Karten für das Konzert des Kreuzchores gibt es in der Tourist-Information in Annaberg-Buchholz. Weitere Veranstaltungsorte im Erzgebirge sind Marienberg, Zöblitz, Pfaffroda und Forchheim.

www.silbermann.org

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