Tanzbar-Betreiber gibt nicht auf

In der Kreisstadt haben in den vergangenen Monaten und Jahren gleich mehrere Clubs und Kneipen ihre Türen für immer geschlossen. Einer der wenigen, die trotz aller Widrigkeiten durchhalten, ist Till Schwabe. Wie gelingt ihm das?

Annaberg-Buchholz.

Bar Melodie, Jukebox, Kleiner E-Hof, Wolpertinger ... In Annaberg-Buchholz hatte man - je nach Geschmack - bis vor einigen Jahren noch eine Menge Auswahlmöglichkeiten, wenn es um die Abendgestaltung ging. Mittlerweile hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Noch ist nicht alles verloren. Noch gibt es Angebote, wie man die Abende und Nächte mit Musik und Co verbringen kann. Die "Alte Brauerei", das Papperla-Pub und die Tanzbar "Schwarz-Weiß" gehören zu den verbliebenen Ausgehmöglichkeiten. Bei Letzterer könnte man sogar behaupten, dass es die letzte Disco der Stadt ist.

2010 hat Till Schwabe den Club übernommen. Es sei eher ein Zufall gewesen, erzählt der Annaberger. Zwar war er in seiner Jugend auch als DJ unterwegs und hatte schon immer eine Affinität zur Ausgehszene. Doch einen eigenen Club zu betreiben, hatte er eigentlich so nicht geplant. Bevor er allerdings zusagte, die Tanzbar "Schwarz-Weiß", die schon damals so hieß, zu übernehmen, startete er einen kleinen Probelauf.

Es war gerade Kätzeit und die Bar brummte. Also folgte er seinem Bauchgefühl und wurde Clubbetreiber. Acht Jahre ist das nun her. Doch in dieser kurzen Zeit habe sich vieles verändert, erzählt der Annaberg-Buchholzer. Damit meint er vor allem das Ausgehverhalten. Heute finde viel mehr im Privaten statt. Außerdem habe die Arbeitsbelastung zugenommen, was in seinen Augen wiederum dazu führt, dass die Leute weniger Lust haben, freitags oder samstags tanzen zu gehen. Auch die typischen Gruppen und Cliquen gibt es nicht mehr so häufig. In seinen Augen alles Faktoren, die es Clubbetreibern schwer machen. "Man müsste doch meinen, dass man einmal pro Woche seinen Club voll bekommt. Doch das ist leider nicht immer so."

Auch Falk Engert alias Engel B kann das nur bestätigen. Seit Jahrzehnten ist er als DJ und Musiker unterwegs. "Es ist ganz schwer geworden, einen Club in der Region jeden Samstag zu füllen", sagt er. Massiv beworbene Events würden zwar noch funktionieren. Aber eine Disco, in der ein DJ auflegt und man sich trifft und tanzt, sei kaum noch gefragt.

"Woran das liegt, kann ich nicht erklären. Wenn ich es wüsste, würde ich als Clubretter durchs Land ziehen." Am Geld allein hängt es seiner Meinung nach aber nicht.

Till Schwabe hält dennoch durch. Wie geht das? "Es ist ein Familienbetrieb", so Schwabe. Er, seine Partnerin und deren Tochter stehen hinter der Bar und kümmern sich auch um alles andere. Außerdem ist die Dachboden-Disco, wie Schwabe sie nennt, nicht sein einziges Standbein. Er ist auch noch Sonnen- und Massagestudio-Inhaber und Veranstalter diverser Feste wie "Sommer am Teich" und "Hitschen-Race". Zudem bietet er die Tanzbar "Schwarz-Weiß" auch für Privatveranstaltungen zur Vermietung an. "Es ist ein Gesamtkonstrukt."

Ans Aufhören hat Schwabe noch nicht gedacht. Es sei ihm viel zu wichtig, dass es in seiner Heimatstadt noch Angebote gibt. Mit immer neuen Ideen versucht er, die Erzgebirger zu sich zu locken. Eine Kiste voller Flyer zeugt von seiner schier unendlichen Kreativität. Da gab es die Party mit dem Schwein in der Bar - Motto "Wir lassen die Sau raus", und das im wahrsten Sinn des Wortes.

Auch Zumba wurde in der Tanzbar schon getanzt, als andere noch nicht genau wussten, was das eigentlich ist. Die 1. Annaberger Bratwurstparty fand ebenfalls an der Großen Kirchgasse statt. "Ich probiere vieles aus. Wenn es nicht funktioniert, dann ist es eben so."

Wie geht es weiter? Noch ist in der Tanzbar Sommerpause. Am 15. September will Till Schwabe wieder durchstarten - natürlich mit einer neuen Idee: "Doppeldecker - Zwei Partys in einer Nacht". "Ich will zwei verschiedene Zielgruppen ansprechen." Von einer gäbe es einfach zu wenig, damit es sich lohnt. Von 20 bis 24 Uhr wird zur Saisoneröffnung Salsa getanzt. Ab Mitternacht geht es mit einer Schlager- und Discofoxparty weiter.

Vielleicht ein neues Geheimrezept. Und wenn nicht, dann fällt Schwabe sicherlich auch wieder etwas Neues ein. Noch spielt die Musik und die Party geht weiter.

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