Telemedizin beim Augenarzt: Zschopauer Pilotprojekt für Innovationspreis nominiert

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Die Praxis für Augenheilkunde bekommt bundesweit Aufmerksamkeit. 2021 soll das Konzept in Berlin vorgestellt werden. Inzwischen erarbeitet auch die Universität Leipzig dazu eine Studie.

Zschopau.

Die Telesprechstunde der Praxis für Augenheilkunde in Zschopau gehört zu den zwölf regionalen Exzellenzprojekten aus der gesamten Bundesrepublik, die für die Innovationspreise "Ausgezeichnete Gesundheit 2020" nominiert sind. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland würdigt damit jedes Jahr Ideen und Engagement für maßgeschneiderte Lösungen verschiedener Problemfelder im Gesundheitsbereich.

Das von Kassen und Kassenärztlicher Vereinigung im vergangenen Frühjahr initiierte Pilotprojekt von Augenspezialist Simo Murovski sollte eigentlich schon im März in Berlin vorgestellt werden. Wegen der Pandemie ist der Termin jedoch auf den 24. März 2021 verschoben worden. Die wertvollsten Projekte soll das Publikum dann direkt per Liveabstimmung küren.

Mit seinem modernen OP-Zentrum hat sich der aus Mazedonien stammende Arzt weit über die Grenzen des Erzgebirgskreises hinaus einen Namen gemacht. Annähernd 5500 Eingriffe nehmen er und seine Kollegen im Jahr vor. Neben der Behandlung des Grauen Stars sind das etwa Lid-OPs, Laser-Behandlungen der Netzhaut, die direkte Verabreichung eines Medikaments in den Glaskörper des Auges bei Makula-Erkrankungen sowie die Korrektur von Sehfehlern, die Brillen oder Kontaktlinsen entbehrlich machen.

Patienten mit schwerwiegenden Beschwerden oder einer Makula-Erkrankung erhalten sofort einen Termin, Patienten mit Grauem Star innerhalb von vier bis sechs Wochen. Beschwerdefreie Patienten, die sich zur Vorsorgeuntersuchung anmelden wollten, hatten dagegen bisweilen schlechte Karten. Mittlerweile hat sich die Lage etwas entspannt. Wer heute nach einem Termin fragt, kann im März nächsten Jahres damit rechnen, sagt Simo Murovski.

Raum für konventionelle Sprechstunden gibt es neben der Praxis im Zschopauer Krankenhaus jetzt auch im OP-Zentrum an der Thumer Straße. In der bislang ungenutzten ersten Etage unter dem OP-Bereich ist eine weitere Praxis mit Hightech-Ausrüstung entstanden.

Dazu zählt der Mediziner ein Gerät zur Augenuntersuchung, das ähnlich wie ein Computertomograf hochauflösende Drei-D-Bilder erzeugt. Mit dem Unterschied, dass das Verfahren nicht mit energiereicher Röntgenstrahlung, sondern mit normalem Licht funktioniert. Murovski: "Damit machen wir kleinste Strukturen am Bildschirm sichtbar, die bislang nur auf einem Präparat unterm Mikroskop zu erkennen waren."

Neben konservativen Sprechstunden an drei Tagen in der Krankenhaus-Praxis gibt es nun zusätzlich an drei Tagen weitere Sprechzeiten an der Thumer Straße. Die Telemedizin verschafft dafür den Freiraum. Bei der sogenannten asynchronen Tele-Ophthalmologie gehen die Patienten zunächst nur zur Untersuchung in die Praxis im Zschopauer Krankenhaus. Die Befunde erhebt speziell qualifiziertes Personal. Erst später wertet der Arzt die verschlüsselt gespeicherten Daten aus. Innerhalb von drei Tagen schickt Simo Murovski seinen Patienten die Unterlagen zu und lädt sie, falls therapeutisch notwendig, zum Gespräch ein. Für die Telesprechstunde kommen Menschen mit einer Diabetes-Erkrankung oder Grünem Star infrage, die regelmäßig zur Untersuchung müssen. 1000 Patienten sind in dem Programm.

In einer Patientenbefragung, die die Praxis vorgenommen hat, ist die Zufriedenheit sehr hoch. Einen wissenschaftlichen Blick auf das Pilotprojekt werfen nun auch Mitarbeiter der Universität Leipzig. In einer Studie wollen sie Effizienz und Genauigkeit der Telesprechstunde analysieren. Dazu werden zwei Ärzte unabhängig voneinander die Befunde von 300 Patienten bewerten und ihre Diagnosen mit denen von Simo Murovski vergleichen. "Für die Auswertung haben wir eine Softwareplattform erworben, die eine verschlüsselte Datenübertragung zwischen unserer Praxis und der Universität zulässt. In Sachsen sind wir da Vorreiter", so Murovski. Im Herbst soll die Studie vorliegen und publiziert werden.

Dann will der Praxischef auch eine Lösung finden, damit seine Patienten die Praxis telefonisch besser erreichen können: "Wir werden wohl extra jemanden für das Telefon einstellen."

Auch in den OP-Bereich hat der Mediziner weiter investiert. Etwa in einen Femtosekundenlaser für die Operation des Grauen Stars. "Das Gerät verfügt über eine einzigartige Niedrigenergie-Technologie, die sehr schonend und präzise kritische Schritte der OP übernimmt. In Sachsen gibt es nur zwei weitere Geräte des Herstellers aus der Schweiz - an der Uni Dresden und dem dortigen städtischen Krankenhaus", erläutert Simo Murovski, der im Zschopauer OP-Zentrum zugleich einen wichtigen Teil der Infrastruktur im Erzgebirge sieht. "Wenn wir wollen, dass junge Menschen hier bleiben, müssen wir als Versorger präsent sein. Mit fast 30 Angestellten schaffen wir zudem hochwertige, gut bezahlte Arbeitsplätze für die Region." Zur Mannschaft gehören vier Fachärzte und eine Assistenzärztin im letzten Ausbildungsjahr.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.